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nordwest-zeitung

Schülertransporte In Apen Riskantes Bremsmanöver: Hat Busfahrerin Kinder gefährdet?

Apen/Westerstede - „Mein Sohn ist wie alle anderen Schüler im Bus durch solche Vorfälle gefährdet, zwei andere Kinder wurden dabei sogar verletzt. Da kann man doch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Eine solche Busfahrerin darf meiner Ansicht nach überhaupt gar keine Kinder transportieren“, sagt Martin Hinzpeter. Der Aper ist Vater eines Sechstklässlers, der die Außenstelle Apen des Gymnasiums Westerstede/Apen besucht und zuhause über Probleme beim Busfahren berichtet hat.

„Voll in die Eisen“

Was ist geschehen? „Bei Sonderfahrten von Aper Schülern zum Schwimmunterricht oder zum Fremdsprachenunterricht nach Westerstede hat es nach Angaben meines Sohnes mehrfach Situationen gegeben, wo es der Busfahrerin einfach nicht leise genug im Bus gewesen ist“, berichtet Martin Hinzpeter. Durch unvermittelte Vollbremsungen habe die Busfahrerin die Kinder maßregeln wollen. Durch die plötzlichen Vollbremsungen seien Kinder auch verletzt worden. Anschließend habe die Fahrerin dann erklärt, dass so etwas halte passiere, wenn man nicht leise sei.

Martin Hinzpeter habe zusammen mit der Mutter eine weiteren Sechstklässlers mit dem Busunternehmen Gerdes Kontakt aufgenommen, um mehr über die näheren Umstände zu erfahren. Dort habe man versucht abzuwiegeln, habe aber versprochen, das Ganze intern zu klären. Später wurde der Mutter des anderen Sechstklässlers, die nochmals nachhakte, berichtet, dass besagte Busfahrerin nun eine andere Route bekommen habe und ihre Kinder nicht mehr betroffen seien.

Keine Lösung

„Das löst das Problem doch nicht“, schimpft Martin Hinzpeter. „Nun sind zwar nicht mehr unsere Kinder, dafür andere gefährdet.“ Deshalb entschieden er und die Mutter des anderen Sechstklässlers sich dazu, Strafantrag bei der Polizei zu stellen. „Dort haben wir dann erfahren, dass auch 2017 und 2018 bereits mehrere Fälle bekannt seien, bei denen aufgrund von Vollbremsungen dieser Busfahrerin Kinder verletzt worden sind.“ Diese Fälle seien als Unfälle behandelt worden, weil die Busfahrerin jedes Mal angegeben habe, sie habe verkehrsbedingt bremsen müssen.

Das habe die Busfahrerin auch diesmal erklärt. „Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen die Busfahrerin wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr eingestellt, weil ihr eine strafbare Handlung nicht nachzuweisen ist“, so Hinzpeter. Wegen fahrlässiger Körperverletzung sei die Busfahrerin auch nicht angeklagt worden, weil die Schuld als gering angesehen werde und kein öffentliches Interesse an der Verfolgung bestehe. Unbenommen bliebe es jedoch den Eltern, Privatklage gegen die Busfahrerin beim Amtsgericht einzureichen.

Schuld nicht bewiesen

Und was sagt das betroffene Busunternehmen dazu? „Wir haben gehandelt, und obwohl der Busfahrerin keine Schuld nachgewiesen werden konnte, sie auf einer anderen Route eingesetzt. Wir sind froh, dass die Polizei eingeschaltet wurde und den Fall untersucht hat und der Fahrerin kein schuldhaftes Verhalten nachgewiesen wurde“, sagt Thomas Gerdes von Gerdes Reisen aus Ocholt. Eine Vollbremsung sei selbstverständlich nicht akzeptabel, um Kinder zu maßregeln, so Gerdes. Gleichwohl würde es im Verkehr – und das wisse auch jeder Autofahrer – zu Situationen kommen, wo Vollbremsungen nötig seien. Deshalb sei es ja so wichtig, dass Kinder sich hinsetzten. Als Busunternehmen könne man nur die Schüler auffordern, sich auf freie Busplätze zu setzen. Manche Schüler folgten jedoch nicht diesen Aufforderungen. Als Busfahrer müsse man sich von Kindern und Jugendlichen manches Mal Beschimpfungen anhören. Das wisse er auch aus seiner eigenen Busfahrpraxis.

Wenn Kinder oder Jugendliche nicht den Anweisungen der Busfahrer Folge leisteten, habe man nach mehrfachen Verwarnungen nur die Möglichkeit, die Busfahrkarten für eine Weile einzuziehen.

Mehrere Fälle

„Uns sind mehrere Fälle bekannt, darunter der, auf den Familie Hinzpeter hinwies“, erklärte auf Anfrage der NWZ Westerstedes Bürgermeister Klaus Groß. Die Stadt als Schulträger des Gymnasiums ist zuständig, wenn es um Sonderfahrten von Schülern zum Schwimm- oder Fremdsprachenunterricht geht, während der Landkreis Ammerland sich um den Transport der Schüler zur Schule und nach Hause kümmert. Um zwei weitere Fälle, so Groß, sei es in einem Vorgang gegangen, der im Februar bei der Stadt registriert worden sei: Eine Busfahrerin habe in zwei Fällen wohl verkehrsbedingte Vollbremsungen vollzogen. Das konnte alles erklärt werden.

Was den Fall, auf den die Familie Hinzpeter hingewiesen habe, beträfe, habe sich die Stadt sofort mit dem Busunternehmen in Verbindung gesetzt, so Groß ferner. Obwohl der Busfahrerin kein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr nachgewiesen wurde, werde die Mitarbeiterin nun anderweitig eingesetzt. „Für uns ist das Thema damit erledigt“, so der Westersteder Bürgermeister.

„Herr Hinzpeter hat alles getan, was er tun konnte“, sagt Norbert Brumloop, Leiter des Gymnasiums Westerstede. Der Landkreis, die Polizei und der Schulelternrat seien informiert worden, das Busunternehmen habe reagiert und Herr Hinzpeter gerichtliche Schritte eingeleitet. Mehr könne man nicht tun. Brumloop verwies auch darauf, dass es bis auf die Beschwerden von Herrn Hinzpeter keine weiteren Hinweise von Eltern zu einem derartigen Vorfall gegeben habe. Am Gymnasium gäbe es eigens Elternvertreter, die sich mit dem Thema Busangelegenheiten beschäftigten. Die meisten Anliegen beträfen Busse, die zu spät kämen, oder vor allem das Ärgernis mit fehlenden Sitzplätzen in Bussen für zu viele Schüler. Wünschenswert wäre es, so Brumloop.

Keine Privatklage

Martin Hinzpeter ist nach wie vor mit dem Resultat seines Engagements unzufrieden. „Ich ärgere mich, dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt hat. Zeugen, zumindest mein Sohn, wurden ja gar nicht gehört“, so der Aper. Eine Privatklage käme für ihn jedoch nicht in Frage. „Dennoch halte ich es für unverantwortlich, dass diese Busfahrerin weiterhin Kinder transportiert. Mir geht es darum, Eltern zu sensibilisieren und wenn ihnen ihre Kinder von Vorfällen bei Busfahrten berichten, das ernst zu nehmen und zu handeln“, sagt Martin Hinzpeter.

Doris Grove-Mittwede
Doris Grove-Mittwede Redaktion Westerstede
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