Atens - Vor zwei Jahren haben sich Gino und Ehefrau Chantal Kaselowsky in einer eher ungewöhnlichen Branche selbstständig gemacht. Mit einem Märchentheater ziehen sie durch die Lande. Immer dabei sind auch die gemeinsamen Söhne Jordan (5) und Miguel (9). An diesem Wochenende gastiert die Familie in Nordenham. Aber hat ein Puppentheater in Zeiten des Internets überhaupt noch eine Chance?
Die Kaselowskys sind die siebte Generation einer alten Schaustellerfamilie. Vor der Selbstständigkeit traten sie im familieneigenen Zirkus auf. „Mein Sohn Jordan hatte schon als Kleinkind seinen ersten Auftritt in der Manege“, sagt Gino Kaselowsky.
Einmal Schausteller, immer Schausteller – das gilt auch für die Kaselowskys. Ein anderes Leben als ständig auf Reisen zu sein und vor Publikum aufzutreten, ist für sie unvorstellbar. Dass Familienmitglieder andere Berufe als den des Schaustellers ausüben, sei die Ausnahme, sagt Gino Kaselowsky, der 55 Cousins hat. Er schätzt, dass etwa 90 Prozent aller Mitglieder von Schaustellerfamilien auch in der Branche bleiben. „Einer aus unserer Familie arbeitet als Gärtner. Der andere lebt mit seiner Familie in einem Haus und arbeitet als Schlosser“, sagt Gino Kaselowsky.
Arbeit hinter der Kulisse
Im Schnitt kommen 40 bis 50 Kinder, meist in Begleitung ihrer Mütter, zu den Vorstellungen. Wenn es gut laufe, seien 120 Plätze im Märchentheater besetzt. Bei 150 Kindern sei die Vorstellung ausverkauft, sagt Gino Kaselowsky. Bei einer Aufführung packt die ganze Familie mit an. Der älteste Sohn Miguel hilft seiner Mutter beim Verkauf der Karten und der Popcorntüten. Nesthäkchen Jordan reicht dem Vater hinter der Bühne die verschiedenen Puppen. Gino Kaselowsky spricht alle Figuren in dem aktuellen Stück „Benjamin Blümchen zu Besuch im Kasperletheater“.
„Wenn wir an einem Ort Station machen, besucht meine Frau vorher sämtliche Kindergärten und macht Werbung“, sagt Gino Kaselowsky. Er baut das Zelt und die Bühne auf. Auch die Gestaltung und das Aufhängen der Plakate ist Familiensache. „Manche Theaterstücke gibt es schon vorgeschrieben, andere denken wir uns selbst aus. Bis ein neues Stück steht, brauchen wir zwei bis drei Monate“, erzählt Gino Kaselowsky.
Leben auf Tour
Auch das Leben abseits der Bühne läuft bei den Kaselowskys anders ab als bei einer deutschen Durchschnittsfamilie. Sohn Miguel, der schon die Schule besucht, lernt fast jede Woche neue Mitschüler kennen. Von seiner Stammschule erhalten die Schulen, in den Orten, wo die Familie gerade gastiert, einen Jahresablaufplan. So werde sichergestellt, dass der Junge eine ordentliche Schulbildung erhalte. „Bis auf eine drei hatte mein Sohn auf seinem letzten Zeugnis nur einsen und zweien“, versichert Gino Kaselowsky. Der Wohnwagen der Familie ist wie eine normale Wohnung ausgestattet. Neben der Arbeit gönnen sich die Kaselowskys einmal im Jahr einen gemeinsamen Urlaub. Als nächstes soll es zum Zirkusfestival nach Monaco gehen.
