Augustfehn Ii - Diskussionen um bewusste Ernährung mit Fleisch, Massentierhaltung oder auch Steuern auf Schweinefleisch – ein Grund, sich mehr von Wildfleisch zu ernähren? Einige Jäger tendieren dazu. Eilert Müller und Joris Claus vom Hegering Apen sind da vorsichtig und wollen diese Meinung nicht ganz auf ihre Zunft projizieren.
„Es ist sicherlich nicht die Meinung aller Jäger, dass nur noch Wildfleisch gegessen werden sollte“, erklärt der Aper Hegeringsleiter Eilert Müller. Auch seien nicht alle Jagdgenossen der Meinung, dass konventionelles Fleisch reduziert werden soll. „Meiner Meinung nach sollten wir lediglich bewusster Fleisch essen.“
Wilde Ernährung
Der 22-jährige Joris Claus isst seit sechs Jahren nur noch Wildfleisch. „Ich halte nichts von der konventionellen Art, Fleisch zu produzieren“, sagt der Naturwissenschaftsstudent. Wild sei dagegen eine gute Art und Weise, sich zu ernähren. Dafür sensibilisiere er Familie und Freunde. „Ich weiß allerdings auch, dass es ein Nischenprodukt ist. Nicht jeder Deutsche kann mit Wild ernährt werden.“
Wildburger vom Grill mit Bacon und Gorgonzola: Noch läuft die Grillsaison. Dieser „wilde“ Burger vom Grill hat wirklich intensives Aroma. Das Wildfleisch-Hack verbindet sich mit fruchtigen Cranberries und feinherber Birne, während der geschmolzene Gorgonzola den Geschmack unverwechselbar macht.
Zutaten für vier Personen: Für die Wildburger vom Grill benötigen Sie vier Patties aus Wildfleisch. Dazukommen Hamburgerbrötchen (Burger Buns), zwei Birnen und zwei rote Zwiebeln. Auch nicht fehlen dürfen 200 Gramm Speck, 200 Gramm Gorgonzola, 200 Gramm Feldsalat und 50 Gramm Cranberries. Die Sauce kann nach Belieben beispielsweise mit Cranberry-Sauce oder Roter Feigensenf-Sauce gepimpt werden. Man kann auch noch ein Spiegelei darüberlegen.
Burger-Kreationen aus Hirsch, Reh und Wildschwein gibt es im Internet zuhauf. Zum Beispiel auf www.wild-auf-wild.de/node/5255.
Eilert Müller hat eine klare Meinung zur Massentierhaltung. Man müsse von Betrieb zu Betrieb unterscheiden. Generell sei das Image der Massentierhaltung schlechter als sie es in Wirklichkeit ist. „Wenn ich ein Schwein wäre und mich entscheiden müsste, ob ich in einem Stall mit früheren oder heutigen Bedingungen lebe, würde ich lieber nach den aktuellen Bedingungen leben“, sagt der Jäger und Landwirt.
Massentierhaltung
Schließlich habe ein Stall heute zumindest eine Klimaanlage. „Früher lagen die Tiere im Dunkeln in der Jauche.“ Da habe es deutliche Verbesserungen zum Wohle der Tiere gegeben. „Ich würde lieber ein Wildschwein sein wollen“, erwidert Joris Claus. Da wisse man wenigstens, dass das Tier frei gelebt hat.
Einig sind sich zumindest beide, dass der Konsum von Wild noch Steigerungspotenzial hat. „In der Drückjagdsaison finden wir teils keine Abnehmer für unser Wildfleisch“, berichtet Joris Claus weiter.
Fleisch aus Übersee
Heute könne eine Hausfrau oder auch ein Hausmann mit Wild oft nichts anfangen, weil es erst zerlegt werden muss. „Dann kaufen sie es lieber fertig aus dem Supermarkt.“ Allerdings kommt das dann zumeist aus Übersee – Amerika oder Neuseeland. „Das ist natürlich nicht Sinn der Sache“, findet der 22-jährige Jäger.
Eine wichtige Erkenntnis habe Joris Claus, der mit 16 Jahren seinen Jagdschein machte und ebenfalls Mitglied des Aper Hegerings ist, das Jagen definitiv gebracht: „Ich esse bewusster.“ Dass man Fleisch auf dem Teller hat, sei ein Prozess, bei dem ein Tier sterben muss.
Verschleierung von Tatsachen
„Die mit Massentierhaltung arbeitenden Firmen verschleiern mit ihrer Vermarktung die Tatsache, dass der Verbraucher ein getötetes Tier isst“, ist sich Joris Claus sicher. Deswegen gebe es auch kein Schweineherz im Supermarkt, obwohl es essbar sei. „Es erinnert zu sehr an den Tod des Tieres. Ich selber esse aber Wildherz.“ Eilert Müller ergänzt: „Es gibt unzählige Koch-Shows im Fernsehen, aber es ändert sich nichts am Konsumverhalten. Es müssen alle ehrlicher miteinander umgehen – Landwirte, Jäger, Verbraucher und die hiesige Industrie. Doch die Politik will, dass wir günstige Lebensmittel bekommen.“
Die schlechteste Lobby haben Müllers Meinung nach immer noch die Bauern. „Es kann nicht sein, dass beim Umweltaspekt auf Landwirten herumgetrampelt wird, Autohersteller mit ihrer Produktion aber weiterhin Schaden anrichten.“
