Augustfehn Ii - „Vive la france – es lebe Frankreich!“ wird es am Sonntag, 14. Juli, aus Millionen von Kehlen schallen: Dieses Jahr ist Volkmar Epkes aus Augustfehn II nicht dabei, wenn der französische Unabhängigkeitstag gefeiert wird.
„Ja, das ist schon beeindruckend, wie die Franzosen den 14. Juli feiern. Einmal sind wir an jenem Tag auf der Rückfahrt ins Ammerland an Paris vorbeigekommen und über allen Stadtvierteln wurden Feuerwerke abgebrannt – jeweils in einer anderen Farbe“, erzählt der Gärtnermeister.
Doch die Feierlichkeiten sind nicht der Grund, warum der 14. Juli für den 66-Jährigen eine besondere Bedeutung hat. „Um den Unabhängigkeitstag herum haben viele Franzosen Urlaub und dann trifft man sie – zumindest die, die mein Hobby teilen – selbst am 14. Juli, weil dann nicht gearbeitet wird, in den Steinbrüchen.“
Geologie als Hobby
Volkmar Epkes ist ein begeisterter Hobby-Geologe und in Fachkreisen – bei Gleichgesinnten und auch akademisch ausgebildeten Naturwissenschaftlern – ein geschätzter Gesprächspartner. Fossilien haben es dem Augustfehner, der in ganz Europa Kontakte zu Gleichgesinnten hat, angetan: Versteinerte Überbleibsel, die von gewaltigen Klimaveränderungen und Erdbewegungen aus der frühen Erdgeschichte zeugen. Vor allem Frankreich zieht den Ammerländer magisch an. „Das französische Jura und auch andere Regionen Frankreichs sind ein Paradies für Hobbygeologen“, schwärmt der Augustfehner, der bei den Frankreich-Touren von seinem Freund Gerd Müller aus Oldenburg (ebenfalls Hobby-Geologe) oder auch von Ehefrau Monika und den Enkeln Jason und Aaron begleitet wird.
Per Zufall Freunde werden
Bei einer diesen steinernen Expeditionen lernte Epkes – an einem 14. Juli vor 15 Jahren – den jungen Luc Maitrot kennen, der wie er im Steinbruch von Thouars (Region Nouvelle-Aquitaine) mit Hammer und Meißel Fossilien suchte. Schnell kamen beide ins Gespräch. Zur Abendbrotzeit an einem Weinberg in der Nähe traf man auf Lucs Vater, Henri Maitrot, ebenfalls begeisterter Hobby-Geologe. „Aus diesen Zufallsbegegnungen ist eine wunderbare Freundschaft entstanden und wenn wir die Maitrots in Puy Notre Dame, einem kleinen mittelalteralten Dorf in Maine-et-Loire, besuchen, dann dreht sich natürlich vieles um Fossilien.“ Die Familie lebe in einem mit großem Engagement restaurierten Haus aus dem 14. und 15. Jahrhundert und schon das sei – auch für die Enkel Jason und Aaron – ein Erlebnis.
Doch Volkmar Epkes hat zu Frankreich nicht nur deshalb eine besondere Beziehung, weil viele Regionen des Landes Paradiese für Hobby-Geologen sind, weil er über seine Leidenschaft französische Freunde fand und weil er alle zwei Jahre die größte Schau Europas für Hobbygeologen im Elsass besucht.
Familiäre Bindungen
Familiäre Beziehungen gibt es auch. Die Frau seines Schwagers, Annemarie, ist gebürtige Französin, und nicht nur das: „Ich bin mit halben Herzen selbst Franzose, weil ich schon als Jugendliche Frankreich kennen und lieben lernte“, sagt Volkmar Epkes.
Damals wurde an der Realschule Augustfehn, die sich seinerzeit noch an der Mühlenstraße befand, ein Jugendaustausch angeboten. „Meine damalige Französisch-Lehrerin, Ute Hibbeler, hatte das organisiert.“ Ein Jugendaustausch mit Frankreich – gerade 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und drei Jahre, nachdem der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer und General Charles de Gaulle den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag unterzeichnet hatten. Dass der jüngste Epkes-Sohn in Zeiten, wo seiner Eltern über wenig Geld verfügten, überhaupt an dem Austausch teilnehmen durfte, hatte er seiner älteren Schwester Gisela und ihrem Zuspruch zu verdanken.
Vorbehalte gegen Deutsche
„Dass damals noch viele Franzosen Vorbehalte gegen Deutsche hatte, habe ich beim Austausch als Jugendlicher kaum wahrgenommen. Es gab zwar manchmal böse Blicke, wenn ich als blonder Deutscher mit Franzosen Fußball spielte, aber mehr fiel mir nicht auf.““
Ausgesprochen herzlich war Volkmar Epkes damals von seiner Gastfamilie, den Tangeten, die zwei fast gleichaltrige Söhne hatten, aufgenommen worden. Gastvater Jean sei Mitarbeiter eines Gefängnisses gewesen, Gastmutter Yvette arbeitete in der Verwaltung eines Krankenhauses und war später sogar Klinikleiterin.
Hohe Wertschätzung
„Im Laufe der Jahre habe ich erst erfahren, dass mein Gastvater, der früh starb, gegen die deutschen Besatzer im Widerstand gekämpft hatte und dass der Großvater meiner Gastmutter im Ersten Weltkrieg durch Deutsche getötet worden war. Und dennoch haben sie mich aufgenommen. Seit Jahrzehnten pflegen wir einen herzliche Beziehung. Meine Wertschätzung für meine französische Familie und mein Respekt, trotz der Vergangenheit so intensiv herzlich und offen Völkerverständigung zu leben, ist riesig“, so Epkes.
Leider ginge es seiner Gastmutter, die im August 94 werde und die er Ende Juni besuchte, derzeit gesundheitlich nicht gut. Doch er hoffe, dass sich ihr Zustand bessere.
Mit Enkeln bei Muttern
„Meine eigene Mutter, die 2010 starb, fand das immer toll, das ich so enge Kontakte zu meiner ehemaligen Gastfamilie hatte, obwohl wir uns – als meine eigenen Kinder klein waren, eine Zeit lang mal aus den Augen verloren, aber dann wiedergefunden haben.“ Apropos Kinder: „Meine Enkel Jason und Aaron waren bei unserer letzten Tour Ende Juni/Anfang Juli dabei und meine französische Mama schwärmte, als sie Aaron sah: Volkmar, wie schön, das bist Du in Klein.“
