Aurich/Hannover/Berlin - Nach der Ankündigung eines massiven Stellenabbaus beim Windkraft-Anlagenbauer Enercon suchen Politik und Wirtschaft nach Auswegen. Im Laufe der Woche seien dazu Gespräche mit der Landes- und Bundespolitik geplant, sagte ein Enercon-Sprecher im ostfriesischen Aurich. Enercon hatte am Freitag angekündigt, nach Absatzeinbrüchen bis zu 3000 Stellen abzubauen. Weltweit beschäftigt der Enercon-Verbund nach eigenen Angaben etwa 18.000 Mitarbeiter.
Die Oldenburger Grünen-Europaparlamentarierin Viola von Cramon-Taubadel kritisierte die „wankelmütige Politik der Bundesregierung“. Während für die Umstrukturierung der Kohleindustrie und für die Landwirtschaft immer noch Milliarden ausgegeben würden, könne die Wirtschaftsbranche der erneuerbaren Energien nicht auf großzügige Hilfen hoffen, sagte die Politikerin. „Schlimmer noch: Durch die wankelmütige Politik der Bundesregierung in den letzten Jahren ist auch noch der letzte Funken Hoffnung auf Planungssicherheit für diese Branchen erloschen.“ Der „unambitionierte“ Ausbau der Windenergie in fast allen Bundesländern vernichte hochwertige Arbeitsplätze.
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte dagegen: „Die Erhaltung der Arbeitsplätze im Bereich der Windenergie ist ein wichtiges Anliegen der Bundesregierung.“
Auch die Gewerkschaft IG Metall fordert politische Unterstützung für die Windindustrie. Mit Blick auf Zehntausende Jobs in strukturschwachen Regionen wie Ostfriesland, Bremerhaven, Magdeburg und Schleswig-Holstein sei ein „Rettungsplan für die Windindustrie in Deutschland“ notwendig, teilte der IG-Metall-Bezirk Küste am Montag mit.Bezirkschef Meinhard Geiken schlug vor, die Bundesregierung könne „mit einer Verlängerung der Kurzarbeit von 12 auf 24 Monate für die Windbranche in der Strukturkrise kurzfristig eine Möglichkeit schaffen, um die Beschäftigten zu halten statt zu entlassen“.
„Der Abbau betrifft das eigene Unternehmen und direkte Produktionspartner“, sagte Sprecher Felix Rehwald. Aber auch Zulieferer, Handwerksbetriebe und regionale Zeitarbeitsfirmen bekämen die Folgen zu spüren. Ostfriesland und Magdeburg wären mit jeweils 1500 Arbeitsplätzen betroffen. Allein bei der zentralen Verwaltung in Aurich stünden bis zu 300 Arbeitsplätze auf der Kippe. Der genaue Umfang an den einzelnen Standorten oder die Auswirkungen auf die Lieferketten seien jedoch derzeit nicht abzusehen.
Enercon-Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig hatte den Stellenabbau mit der Energiepolitik der Bundesregierung begründet.
