Bad Zwischenahn/Edewecht - Mit einer Spannung von 380 000 Volt, kurz 380kV, soll in einigen Jahren Strom von Conneforde über Cloppenburg bis nach Merzen im Landkreis Osnabrück geleitet werden. Die von der Firma Tennet geplante Trasse führt im Ammerland von Wiefelstede über die Gemeinden Bad Zwischenahn und Edewecht zum Küstenkanal und geht dort über in das Gebiet der Gemeinde Wardenburg.
Seit 2017 war geplant, die Leitung von Kayhauserfeld bis nach Harbern in der Gemeinde Wardenburg unterirdisch zu verlegen. Der Grund dafür: An mehreren Stellen würde eine klassische Freileitung den geforderten Mindestabstand von 200 Metern zu Wohnhäusern unterschreiten.
Schlechter Baugrund
Doch seit einigen Tagen ist klar: Die Hindernisse für eine Erdverkabelung sind groß. „Wir wussten bereits, dass auf der Trasse viel Moorboden liegt“, erklärt Janina Schultze, bei Tennet Referentin für Bürgerbeteiligung. Ihr Kollege Stefan Petersen, zuständig für Planung und Genehmigung, erläutert: „Torf ist für ein Erdkabel der denkbar schlechteste Baugrund.“ 50 Bohrungen entlang der zwölf Kilometer langen Strecke ergaben: Auf weiten Teilen ist der Torf bis zu vier Meter dick.
Gleichzeitig hatte Tennet sogenannte landesplanerische Vorgaben. Für die Verlegung der Kabel soll so wenig Boden wie möglich ausgetauscht werden. Zudem muss das Erdkabel mindestens 50 Meter von Wohnbaugrundstücken entfernt bleiben und auch Gelände von Baumschulen sollten nach Möglichkeit ausgespart werden.
Das Unternehmen habe deshalb geprüft, ob die Kabel in einem Spül-Bohrverfahren unter dem Torf hindurch verlegt werden könnten. „Dieses Verfahren eignet sich aber nur für Strecken von maximal 500 Metern Länge“ so Petersen. Auch dafür wären massive Eingriffe in den Boden nötig und breite Korridore, um zwölf Kabel nebeneinander in die Erde zu bohren.
Torf als warme Decke
Eine sogenannte offene Bauweise, bei der der Boden auf der kompletten Strecke ausgehoben, die Kabel verlegt und der Graben wieder verfüllt würde, hätte gigantische Ausmaße: „Wir müssten 500 000 Kubikmeter Torf entnehmen und durch 500 000 Kubikmeter Sand ersetzen“, so Petersen. „Das sind 50 000 LKW-Ladungen. Ein weiteres Problem: Die Vorgaben verlangen eigentlich, über den Sand wieder einen Torfdeckel zu legen. „Der wirkt aber wie eine warme Decke, die Wärmeentwicklung der Kabel darunter wäre deutlich zu hoch“, so Petersen. Hinzu kämen Probleme für die Landwirtschaft: „Wir würden eine 25 Meter breite Sandschneise schaffen. Links und rechts davon wäre weiter Torf, der sich im Lauf der Jahre setzt. Landwirte würden bei der Bodenbearbeitung den Sand, der dann höher liegt, nach und nach abtragen. „Dazu“, so Petersen, „kommt der Eingriff in die Natur. Torf ist einer der wichtigsten Speicher für das Klimagas CO
Gespräch mit Betroffenen
All diese Probleme hätten Tennet zu der Überzeugung gebracht, vom Erdkabel abzurücken und doch auf eine Freileitung zu setzen. Diese soll, anders als das Erdkabel, nicht auf der Trasse der bestehenden 220-kV-Überlandleitung verlaufen, sondern weiter westlich. 25 zusätzliche Strommasten würde die Trasse damit bekommen.
Die Besitzer der betroffenen Grundstücke sollten inzwischen Post von Tennet bekommen haben. Mit ihnen möchte der Konzern ins Gespräch kommen um zum Beispiel Wünsche zum Standort der Masten möglichst berücksichtigen zu können. Vom 19. bis 21 November sollen solche Eigentümer-Gespräche stattfinden. Und auch mit anderen Grundstückseigentümern möchte Tennet sprechen – denen, deren Häuser jetzt näher als 200 Meter an der Freileitung liegen würden. Zwölf Stellen sollen das zwischen Kayhauserfeld und Harbern sein. Auch hier sollen möglichst gemeinsam verträgliche Lösungen gefunden werden, so Schultze. Und auch die betroffenen Gemeinden entlang der Strecke werden jetzt bereits beteiligt.
Entschieden ist mit den Tennet-Plänen aber noch nichts: Das endgültige OK muss die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in einem sogenannten Planfeststellungsverfahren geben. Das werde wohl im Frühjahr 2020 für den Abschnitt Conneforde bis Kayhauserfeld beginnen, so Schultze, für den Bereich ab Kayhauserfeld werde es nicht vor Ende 2020 starten.
