Bad Zwischenahn - 27 sogenannte „Tagespflegepersonen“ bieten derzeit in der Gemeinde Bad Zwischenahn Betreuungsplätze für 131 Kinder an. Vor allem in der Betreuung von Kindern unter drei Jahren sind sie ein wichtiger Baustein.
Aber wie in vielen Gemeinden und Landkreisen überall in Deutschland sind auch in Bad Zwischenahn viele Tagesmütter unzufrieden mit ihrer Situation. Zunächst war es die Frage, wie Vertretungen im Krankheitsfall sinnvoll gelöst werden können, mit der sich die Arbeitsgemeinschaft Zwischenahner Tagesmütter an die Politik gewandt hat. Für diese Frage hat inzwischen der Landkreiskreis Ammerland ein Modellprojekt angeschoben – und die Gemeinde hat ein ähnliches Projekt zunächst zurückgestellt.
Maximal 1000 Euro
Die Vertretungslösung ist aber nur eines von mehreren Problemen, die die Zwischenahner Tagesmütter umtreiben. Die Anforderungen an Räumlichkeiten, Ausstattung sowie Aus- und Weiterbildung der Tagesmütter stiegen permanent, sagen Ines Schneider, Christine Fischer, Nicole Schinkel, Sabine Ahlers, und Anja Weise von der Arbeitsgemeinschaft und begründen damit ihren Antrag auf einen jährlichen Zuschuss von der Gemeinde. 200 Euro jährlich für jeden Betreuungsplatz wünschen sie sich, maximal 1000 Euro pro Tagesmutter. Zudem möchten sie, dass die Gemeinde die Kosten für die Nutzung der Turnhalle in Ohrwege in Höhe von 60 Euro monatlich übernimmt. Die Halle wird einmal wöchentlich von den Mitgliedern der AG Bad Zwischenahn und ihren Tageskindern genutzt.
In anderen Gemeinden im Kreis sind Zuschüsse bereits üblich: Die Gemeinde Edewecht gewährt Tagespflegepersonen bei der erstmaligen Ansiedlung in der Gemeinde Edewecht für ein Jahr einen monatlichen Mietkostenzuschuss von 500 Euro€. In den Gemeinden Wiefelstede und Rastede werden Defizite von Großtagespflegestellen übernommen.
Tagesmütter wandern ab
Eine von drei Tagesmüttern, die jetzt wegen der Zuschüsse von Bad Zwischenahn nach Edewecht umziehen, ist Ines Schneider. „Ich habe lange nach geeigneten Räumen in Bad Zwischenahn gesucht, aber es war nichts bezahlbares zu finden“, berichtet sie. Im eigenen Haus konnte und wollte sie nicht weiter arbeiten. „Eigentlich wollte ich nicht nach Edewecht, aber die Mieten sind günstiger und dann gibt es noch die Unterstützung.“
Steigende Kosten
Sabine Ahlers und Christine Fischer leiten die Tagespflege „Milchmäuse“ an der Woldlinie. Sie haben geeignete Räume außerhalb der vier eigenen vier Wände gefunden, aber auch sie sehen sich immer wieder mit hohen Kosten konfrontiert, die sie nicht so einfach decken könne. „Wir haben gerade Hochbetten gekauft, gebraucht für 500 Euro. Neu hätten die 800 bis 1000 Euro gekostet“, sagt Ahlers. Neue Stühle für die Kinder müssen zusammengespart werden. Viele Eltern erwarteten aber mittlerweile bei der Tagespflege den gleichen Einrichtungsstandard wie in einer Kita. 4,20 pro Stunde und Kind bekommt eine Tagesmutter im Landkreis in den ersten drei Jahren, arbeitet sie in gemieteten Räumen kommen 65 Cent Zuschuss dazu. Ab dem dritten Jahr steigt der Grundbetrag auf 4,70 Euro.
So hat es der Landkreis Ammerland festgelegt, der bislang, und wohl auch in absehbarer Zeit für die Tagesmütter zuständig ist. Ein Vorstoß der Gemeinde Bad Zwischenahn, diese Zuständigkeit den Gemeinden zu übertragen, fand keine Mehrheit. Unter anderem die Gemeinde Edewecht, die neue Tagesmütter mit Zuschüssen intensiv lockt, hatte sich dagegen ausgesprochen.
Einen Wettbewerb um Tagesmütter möchte die Zwischenahner Gemeindeverwaltung gerne vermeiden. In einer Vorlage für die Sitzung des Ausschusses für Jugend, Familie und Soziales, der am kommenden Montag, 27. Mai, über den Antrag der Arbeitsgemeinschaft berät, verweist die Verwaltung auf ein Gespräch mit den anderen Gemeinden und dem Landkreis, dass am Mittwoch stattfinden sollte. Über das Ergebnis will die Verwaltung in der Sitzung informieren. Eine Empfehlung zum Umgang mit dem Antrag der Tagesmütter sprach sie vorher nicht aus.
Bis 2021 ausgebucht
Die FDP Bad Zwischenahn, die schon seit langem die Anliegen der Arbeitsgemeinschaft unterstützt, forderte bereits im Vorfeld, dem Antrag zuzustimmen. „Der Wettbewerb ist bereits vorhanden“, sagt der Vorsitzende der Liberalen, Michael Cordes, mit Blick nach Edewecht.
Das sieht auch die AG der Zwischenahner Tagesmütter so. „Wenn die Gemeinde mehr für uns tut, würde es sicher leichter fallen, die drei Tagesmütter, die jetzt nach Edewecht wechseln zur Rückkehr zu bewegen“, meint Sabine Ahlers. „Und vielleicht finden sich dann auch noch mehr, die sich hier ansiedeln wollen.“ Dass mehr Plätze gebraucht werden, wissen die Frauen nur zu gut. Sie alle sind bis 2021 ausgebucht und müssen regelmäßig Mütter abweisen, die nach einem Betreuungsplatz suchen. „Wir helfen der Gemeinde immerhin dabei, einen Rechtsanspruch zu erfüllen“, erinnert Ahlers noch.
