Bad Zwischenahn - Wald ist einer der besten Speicher für das klimaschädliche Gas Co², gleichzeitig liegt der Anteil von Wald an der Fläche der Gemeinde Bad Zwischenahn nur bei 11,4 Prozent. Auf das Bundesgebiet gerechnet sind es 32 Prozent, Niedersachsen hat 25 Prozent, das Ammerland 10 Prozent Waldanteil.
Da erscheint es sinnvoll, die Klimabilanz der Gemeinde durch zusätzliche Waldflächen aufzubessern. Entsprechende Anträge hatten sowohl die SPD-Fraktion als auch Grüne, Linke und ÖDP im Rat gestellt.
Flächen sind knapp
Wie sich am Montagabend im Ausschuss für Planung, Energie und Umwelt zeigte, ist das aber gar nicht einfach. Denn die Zahl der Flächen, die als Wald in Frage kommen, ist knapp. Im Besitz der Gemeinde sind es derzeit gerade knapp vier Hektar in Rostrup, nahe des Segeflugplatzes, die bereits von Wald umgeben ist (siehe Grafik). Eine weitere, eigentlich vorgesehene Fläche in Dänikhorst, so erklärte Thomas Schurer vom Tiefbau und Grünflächenamt, habe sich bei genauerer Betrachter mit einem Förster als Hochmoor herausgestellt. Der feuchte Torf in Moorflächen speichert allerdings selbst große Mengen an Co² – und die würden bei einer Bepflanzung freigesetzt. Moore scheiden demnach als Waldflächen aus, ebenso andere feuchte Flächen oder Überschwemmungsgebiete.
Und auch bei der Fläche in Rostrup ist noch nicht sicher, ob sie in Frage kommt. Derzeit wird sie als Grünland genutzt, es besteht aber die Möglichkeit, dass sich dort geschützte Arten angesiedelt haben. Trotzdem schlägt die Verwaltung vor, eine Aufforstung der Fläche genauer zu prüfen – und wenn möglich im Herbst 2020 aufzuforsten.
In den folgenden Jahren sollen jeweils 50 000 Euro in den Ankauf von Flächen investiert werden, um weitere Waldgebiete zu schaffen. Dabei, so die Verwaltung, müsse darauf geachtet werden, dass die Gemeinde nicht der Landwirtschaft knappe Flächen streitig mache.
Jährlich 1,4 Hektar
Die Gemeinde rechnet damit, jährlich 1,4 Hektar Land kaufen zu können, die Kosten für die Aufforstung würden aktuell durch das Land Niedersachsen mit bis zu 100 Prozent gefördert.
In zehn Jahren könnten so zehn bis 20 Hektar Wald gepflanzt werden, die jährlich 260 Tonnen Co² speichern könnten. Wird Holz aus dem Wald zum Beispiel als Bauholz genutzt und das Co² so dauerhaft gespeichert, erhöht sich der Effekt auf 728 Tonnen – was allerdings nur 25 Kilogramm zusätzlichen Co²-Speicher für jeden Einwohner der Gemeinde bedeuten würde. „Die Erhöhung des Waldanteils ist ein Generationenprojekt“, heißt es demnach auch bei der Gemeindeverwaltung.
Entscheidung einstimmig
Natürlich, so Frank Arntjen (SPD), eigneten sich nicht alle Flächen für Wald und in der Konkurrenz um die landwirtschaftlichen Flächen müssten Kompromisse gefunden werden. „Diese Konkurrenz haben wir aber auch, wenn wir Bau- und Gewerbegebiete ausweisen, da machen wir uns weniger Gedanken.“ Der Weg sei richtig, so Arntjen. Joch Osmers (CDU) war kritischer. Wald als Co²-Speicher sei nur sinnvoll, wenn das Holz auch genutzt werde – als Bau- oder Energieholz. Zudem dürfe man bei der Berechnung der Co²-Einsparung nicht die Baumschulen vergessen. Und Schließlich, so Osmers, speicherten auch landwirtschaftliche Produkte wie Gras, Getreide, Mais oder Zuckerrübe Co². Die Klimabilanz werde sich zudem nicht verbessern, wenn bislang vor Ort erzeugte Lebensmittel künftig importiert werden müssten. Trotz der kritischen Anmerkungen stimmte die CDU den Plänen zu – wie auch alle anderen Fraktionen.
