Bad Zwischenahn - Die Aktionärsversammlung der Reederei Herbert Ekkenga ist gerade mal 23 Minuten im Gang, da wabert eine Appetit anregende Wolke mit Spiegelei-Aroma durch das Hauptdeck der Fähre „Bad Zwischenahn“. Damit wird dezent, aber frühzeitig eine Art Natural-Dividende dieser börsennotierten AG angedeutet: das Labskaus-Essen im Anschluss an die Regularien. Dazu werden die mehr als 50 Aktionäre an diesem Freitagmittag noch gemeinsam über das Zwischenahner Meer schippern und sich bei bester Aussicht von Bordgastronom Thomas Baxmeyer und seinem Team etwas verwöhnen lassen. Labskaus ahoi, sozusagen.

Die Aktionärsversammlungen der Bad Zwischenahner Reederei dürfte mit diesem Ritual aus Corned Beef, Spiegelei und Gurke zum Kuriosesten in der Börsen-Szene gehören – allenfalls die OLB mit ihrem Aktionärs-Spargelessen kann noch mithalten. Aber wohl nicht mehr lange.

Das ist bei der Reederei Herbert Ekkenga natürlich anders: Endlose Jahre wird die Flotte (drei Fähren) wohl noch ihre Runden auf dem undurchsichtigen Gewässer drehen, so schön, wie es ist.

Viele, die den Kurort besuchen, gehen nämlich an Bord. 88 369 Fahrgäste seien es im Geschäftsjahr 2016/2017 (31. Oktober) gewesen. Das bedeute – wegen eines wetterbedingten Knicks im September – ein Minus von knapp 4400, erläuterte Reederei-Vorstand Anja Lid in ihrem Bericht. Der Umsatz sank entsprechend auf 805 457 (Vorjahr: 840 056) Euro. Nach Steuern blieben 78 527 (105 337) Euro Gewinn.

Das haut die Zwischenahner Seeleute nicht um. Jedes Jahr gibt es Schwankungen. Man schiebt noch einen ordentlichen Gewinnvortrag aus früheren Jahren vor sich her. Und so ist auch die Dividende für die lediglich 690 Aktien gesichert: Im Mai fließen erneut 44 Euro je Aktie, für die stimmrechtslosen Vorzugsaktien gibt es elf Euro extra.

Darauf kommt es vielen der Aktionäre, zur Versammlung an Bord sind, aber vielleicht gar nicht so an. Man hält einfach eine Aktie mit Seltenheitswert – und Ammerländer Solidität.

Gisela und Dieter Meyer aus Apen zum Beispiel. Sie sind aus alter Verbundenheit dabei, denn sie hatten zwischen 1996 und 2010 die Bordgastronomie aufgebaut. „Die Aktie ist bei uns eingerahmt. Sie hängt an der Wand“, erzählt Gisela Meyer.

Tatsächlich gibt es Ekkenga-Aktien noch als „greifbare“ Aktienurkunden. Das wird allerdings bald ein Ende haben. Der letzte Dividenden-Coupon zu den Aktien wird jetzt fällig. Dies wird man nutzen, um die Aktienverwaltung – wie am Finanzmarkt üblich – zu digitalisieren, erläuterte Aufsichtsratsvorsitzender Ralf Baum aus Friedrichsfehn, im normalen Leben Bankdirektor bei der OLB im Raum Wilhelmshaven. Er leitet die Aktionärsversammlung.

Und er weiß: Wer in eine Ekkenga Aktie – deren Kurs man übrigens im Börsenkasten dieser Zeitung verfolgen kann – investieren möchte, muss erst einmal Geduld aufbringen: „Es ist schwierig, eine zu kriegen.“ Man gibt quasi eine zeitlich unbefristete Kauforder (vielleicht mit einem Preislimit) ab und wartet dann mal ab.

In der kleinen Aktionärsschar sind viele aus dem Oldenburger Land, aber auch einige aus Ostfriesland, wo die Reederei ihren Ursprung hat. Und dann Auswärtige. „Wir legen die Hauptversammlung stets auf Ende April“, sagt Aufsichtsratschef Baum schmunzelnd. „So können anreisende Aktionäre dann den 1. Mai einbeziehen und einen kleinen Urlaub hier dranhängen.“ Das hören auch die Ehrengäste an Bord gern – wie Park-der-Gärten-Chef Christian Wandscher oder Kurdirektor Norbert Hemken.

Wer eine Aktie ergattert, hat dann quasi ein Stück Heimat im Depot, sagt Aufsichtsrat Georg Steinker aus Bockhorn. „Und es gibt auch noch Dividende.“

Und man ist mitten im maritimen Geschehen. Zu den interessanten Neuigkeiten von Reederei-Chefin Lid zählt, dass es schon viele Vorausbuchungen für 2018 gibt. Und dass in diesen Tagen mit dem Bau einer Helling (zur Schiffshebung) bei der kleinen Werft am Rostruper Ufer begonnen wird. Für die Vorstandschefin – mit einer Frauenquote von 100 Prozent die Ausnahme unter Deutschlands AGs – gibt es es Beifall.

Die diesjährige Hauptversammlung auf „MS Bad Zwischenahn“ am Fähranleger dauert nur 55 Minuten. Dann heißt es bald: Leinen los. Labskaus ahoi!

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)