Bad Zwischenahn - Für einige irritiert nach oben gerichtete Köpfe sorgte am vergangenen Freitag der Flug eines Marine-Helikopters über Bad Zwischenahn. Gegen 15 Uhr an diesem Tag war zunächst das typische Motorengeräusch eines Hubschraubers über dem Ort zu hören.
Winken aus Seitentür
Der Helikopter flog ungefähr aus Richtung Norden in relativ geringer Höhe über das Zwischenahner Meer auf den Ort zu, drehte dann direkt über dem Kurgebiet und blieb kurz in der Luft stehen. Dann drehte sich die Nase des Fluggeräts stark nach unten, vom Boden aus war eine Person zu erkennen, die aus der geöffneten Seitentür winkte.
Nach wenigen Sekunden flog der Hubschrauber wieder in Richtung See, drehte dort erneut, flog eine weitere Runde über den Ort – um dann wieder in Richtung Nordosten abzudrehen und über das Meer zu verschwinden.
Späte Bestätigung
Was es mit dem Flug auf sich hatte, war am Freitag zunächst nicht herauszufinden, die örtliche Polizeistation in Bad Zwischenahn war nicht informiert worden und eine Anfrage beim Luftfahrtamt der Bundeswehr blieb zunächst unbeantwortet. Am Dienstag, auf erneute Nachfrage der NWZ bei der Bundeswehr, kam dann eine kurze Bestätigung. Laut Flugplänen und Radardaten sei ein Bundeswehrhubschrauber vom Typ Lynx am 7. Juni im Bereich Zwischenahner Meer geflogen.
Er sei tatsächlich von Norden auf den Ort zugeflogen und dann in 400 bis 500 Fuß Höhe (oder 120 bis 150 Meter über Grund) wieder nach Nordosten abgedreht. Zum Zweck des Flugs und dem ungewöhnlichen Flugmanöver mit der nach unten gerichteten Nase äußerte sich ein Sprecher des Luftfahrtamtes der Bundeswehr zunächst nicht. Nach den vorliegenden Unterlagen könne kein Verstoß gegen flugrechtliche Bestimmungen nachgewiesen werden, hieß es nur.
Noch vor der Antwort der Bundeswehr gab es allerdings Hinweise auf einen möglichen Hintergrund des Flugs: Passanten am Zwischenahner Meer hatten das Flugmanöver gespannt beobachtet und gefilmt – und sie hatten die zahlreichen Gäste einer Hochzeitsgesellschaft in Marine-Uniformen vor dem Ammerländer Bauernhaus gesehen.
Marine gibt sich einsilbig
War das auffällige Flugmanöver also eine Art Hochzeitsgruß für einen Marine-Kameraden? Hubschrauber vom Typ Sea Lynx sind als Bordhubschrauber auf den Fregatten der Bundesmarine im Einsatz. Die NWZ fragte beim Luftfahrtamt der Bundeswehr erneut nach: Ob es tatsächlich einen Zusammenhang mit der Hochzeit auf dem Gelände des Freilichtmuseums gab, ob Flüge zu einem solchen Zweck überhaupt zulässig sind, welche Kosten für den Flug entstanden sind und wer diese Kosten trägt.
Auf diese Anfrage meldete sich das Presse- und Informationszentrum der Einsatzflottille 2 in Wilhelmshaven – das allerdings auf einen möglichen Zusammenhang mit der Hochzeitsgesellschaft mit keinem Wort eingeht. In der Antwort heißt es lediglich, der Sea-Lynx-Helikopter habe am Freitagnachmittag einen Navigationsflug durchgeführt. Dieser sei im Rahmen der jährlichen Aus- und Weiterbildung zu absolvieren und werde in Teilen unterhalb einer Flughöhe von 500 Fuß durchgeführt. Bestandteil dieser Navigationsflüge sei das eindeutige Verifizieren von Wendepunkten. Dieser Teil der Übung sei es gewesen, der gegen 15 Uhr über Bad Zwischenahn zu sehen gewesen sei.
