Berlin - Lässt man als Besucher der Internationalen Luftfahrtausstellung ILA in Berlin die Betonpiste mit dem imposanten Aufgebot an Zivil- und Militärjets links liegen, landet man irgendwann im Bereich „Chalets West“. In einer Art Konferenz-Container, gemeinsam von Niedersachsen mit anderen Ländern organisiert, findet man auch Aussteller aus dem Oldenburger Land – wenn man Glück hat. An diesem Tag ist ein Team des Flugzeugbau-Zulieferers Deharde aus Varel (Kreis Friesland) zugegen. Hier Gespräche zu führen, Beziehungen zu pflegen, das habe sich an diesem Gemeinschaftsstand schon 2017 bewährt, erläutert Geschäftsführer Marc Brestrich mit seinen Kollegen Bjarne Brunken, Eilert Wilken und Klaus Gerken. „Hier kann man mal in Ruhe sprechen.“

„Und man hat bei gutem Wetter auch Sicht auf Flugvorführungen“, schwärmt Eilert Wilken beim Blick durch die Verglasung. Dahinter steht ein Airbus A350, natürlich auch mit Teilen aus Friesland. Vor dieser Kulisse führen die Deharde-Leute in drei Tagen l Dutzende Gespräche. Es geht um Teile, zunehmend aber auch komplexere Baugruppen für Airbus, sowie Vorrichtungen für die Produktion.

Deharde – das ist ein interessanter Mosaikstein in der blühenden Flugzeugbau-Szene des Nordwestens. Erst kürzlich konstatierte der Oldenburgische IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Peters, diese Sparte, etwas versteckt in der Statistik-Rubrik „Fahrzeugbau“, zeige die beste Wachstumskurve in der regionalen Industrie.

Sich dazu einen kleinen Überblick zu verschaffen – dazu kann auch ein Rundgang über die Luftfahrtschau ILA dienen. Denn Teile für Flugzeuge zu liefern – da sind aus dem Oldenburger Land nicht nur die Werke Varel und Nordenham der Airbus-Tochter Premium Aerotec im Geschäft. Auch diverse Mittelständler sind dabei.

Aljo aus Berne (Kreis Wesermarsch) etwa liefert in Serie eine große Auswahl von bearbeiteten Aluminiumkomponenten, Baugruppen und Strukturen. Bei Broetje Automation (Rastede) steht Fertigungstechnik im Mittelpunkt. Und M + D Flugzeugbau aus Friedeburg hat sogar ein Jet-Triebwerk im Programm.

Es sind die Firmenlogos solcher Firmen, die auf der Luftfahrtschau bei Besuchern aus dem Nordwesten heimatliche Gefühle aufkommen lassen. Aber nicht nur diese Mittelständler. Man trifft mit etwa Glück auch Experten wie Rainer Martens aus Rastede, der der Technik-Vorstand bim Triebwerkbauer MTU war. Sein Lieblingsflugzeug auf der ILA? Klar – die A400M. Die kostete viel Schweiß.

Auf dem Flugfeld findet der aufmerksame Besucher diverses Fluggerät, das auch im Oldenburger Land oder Ostfriesland beheimatet war. Da wäre zum Beispiel der alte Lastesel „Transall“, der einst in Lemwerder gefertigt und von Ahlhorn aus geflogen wurde. Oder der Eurofighter. Ein Offizier vor dem Jagdflugzeug-Exponat winkt allerdings ab: „Wir sind nicht aus Wittmund, sondern aus Neuburg. Das ist Bayern.“ Sogar ein Exemplar des Kampfflugzeuges „Tornado“ steht zur Besichtigung bereit – auch dieser Typ war einst in Friesland (Upjever) stationiert. Längst gilt hier das Motto: Das Flugzeug ist viel älter als der Pilot.

Auf der IA kann man erahnen, was technisch als Nachfolger gehen könnte. Lockheeds „F 35“ zieht Besuchermassen an. Aber natürlich werden die Europäer einen eigenen Jet angehen, wetten?

Premium Aerotec (PAG) käme das sicher gelegen. Die Augsburger mit ihren starken Aktivitäten in Nordenham, Varel und auch Bremen würden etwa aus ihrem zurzeit unterausgelasteten Augsburger Werk wohl zu gern Teile zuliefern. PAG ist eine der am stärksten vertretenen Firmen auf der ILA. Dort kann man die Zukunft des Flugzeugbaus besichtigen: „Setzen Sie doch mal diese 3D-Brille auf“, sagt etwa Firmenchef Thomas Ehm. Damit können sich Mitarbeiter virtuell in komplexen Großteilen bewegen – und bekommen Aufträge und Ergebnisse direkt „eingespielt. Dies ist in Varel bereits im Einsatz. Oder: Sebastian Lübke zeigt eine revolutionäre Druckkalotte für den hinteren Abschluss von Jet-Kabinen. Das sei leichter als Metall und flexibel zu bearbeiten.

Übrigens: Lübke (32) steht auch dafür, wie steil es im Flugzeugbau aufwärts gehen kann. Der gebürtige Böseler war einige Jahre im Vareler Werk tätig. Jetzt ist er Assistent von PAG-Chef Ehm.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)