Berne/Langwarden - Sie haben den gleichen Vater und sind doch verschieden: Als Schwesterorgeln gelten die Instrumente in den Kirchen in Berne und Langwarden. Gebaut wurden sie vom bekannten Orgelbaumeister Herman Kröger. Er vollendete im Jahr 1642 den Neubau der Orgel in der Oldenburger Lambertikirche.

In Berne und Langwarden war Kröger in den Jahren 1641 und 1651 tätig. In Langwarden baute er ein Instrument mit zwei Manualen und einem Pedalwerk auf. Später wurde es von Arp Schnitger renoviert, außerdem setzte der berühmte Orgelbauer drei neue Register ein. Die Firma Alfred Führer restaurierte die Orgel ab 1934 mehrmals, 2015 baute die Firma Jürgen Ahrend aus Leer sieben neue Register. Heute ist sie in einem guten Zustand. „Für mich ist sie ein Schatz“, sagt Natalia Gvozdkova, Orgelsachverständige aus der Wesermarsch. „Diese Orgel ist das am besterhaltene barocke Instrument im Oldenburger Land. Die alten Bestandteile sind erhalten, viele Pfeifen, die Klaviatur, sogar die Griffe der Registerzüge. Außerdem hat Herman Kröger hier – wie auch in Berne – seine Springladen-Technik eingebaut. „Man zieht nicht an den Registern, man hakt sie ein“, erklärt Gvozdkova. Das ist nicht gerade leise, genauso wie der Anschlag der Tasten. „Das gehört bei einer alten Orgel dazu“, findet die Organistin. Spätere Baujahre hätte man gedämmt. „Das fühlt sich beim Spielen an, als wenn man etwas mit Handschuhen anfasst.“ Sie findet den direkteren Anschlag besser.

In Berne ist die Orgel nicht mehr im Originalzustand erhalten. Seit Hermann Kröger das 1596 von Reinhard von Lampeler erbaute Instrument erweiterte, ist es in den Jahrhunderten immer wieder verändert worden. „Die Ansprüche waren vielleicht höher. Man wollte das Instrument immer wieder verbessern“, sagt Natalia Gvozdkova, die auch Kantorin in Berne ist. Orgeln waren für die Kirchengemeinden in früheren Jahrhunderten immer auch Prestigeobjekte. Hatte man genug Geld in der Kasse, wurden die Instrumente umgebaut und so auch immer wieder dem Zeitgeschmack angepasst. Momentan wird die St.-Aegidius-Kirche renoviert. Dann steht möglicherweise eine Sanierung der Orgel an – das Instrument könnte wieder an den barocken Originalzustand herangeführt werden. Vorher muss das Instrument noch genau untersucht werden.

Friederike Liebscher
Friederike Liebscher Redaktion Oldenburg