Bockhorn - Die Gemeinde Bockhorn wird in diesem Jahr 800 Jahre alt und sie hat eine wechselvolle Geschichte. An die sollte erinnert werden – auch an deren Schattenseiten, findet der Bockhorner Ratsherr Rolf Scherer (parteilos). Er hat jetzt den Antrag gestellt, dass die Gemeinde Bockhorn das ehemalige Arbeitslager Kreyenbrok mehr ins öffentliche Bewusstsein rückt.

In dem Arbeitslager, das in der Zeit des Zweiten Weltkriegs von 1940 bis 1942 in Bockhorn eingerichtet war, waren überwiegend Kriegsgefangene untergebracht. Es befand sich an der Grabsteder Straße.

„Nun haben wir noch die Möglichkeit, Zeitzeugen in Bockhorn zu finden, die ihre persönlichen Erinnerungen einbringen können“, sagt Rolf Scherer. Er möchte, dass eine Informationsveranstaltung zu dem Thema Arbeitskommando Kreyenbrok stattfindet. Als Referenten würden sich neben dem Verein für Heimatgeschichte der Gemeinde Bockhorn und dem Heimatring auch Professor Dr. Antje Sander vom Schlossmuseum Jever oder Holger Frerichs aus Varel anbieten. Außerdem solle die Gemeinde prüfen, ob es Fördergelder für die Einrichtung einer Gedenkstätte geben könnte.

Die Kriegsgefangenen wurden zur Zwangsarbeit gezwungen, deswegen trägt das Lager auch den Namen „Arbeitskommando“. Die Häftlinge mussten beim Straßenbau mitarbeiten, für die Reichsbahn beim Ausbau und Unterhalt der Bahnstrecken helfen und in der Forst- und Landwirtschaft schuften. „Das heißt, dass wir alle heute noch die Infrastruktur nutzen, deren Grundlage die damaligen Kriegsgefangenen unter unmenschlichen Bedingungen geschaffen haben“, schreibt Scherer in seinem Antrag.

Dass nicht nur die Namen, sondern auch die Geschichten mancher Kriegsgefangener bekannt sind, ist den Heimatforschern Paul Weber und Holger Frerichs zu verdanken. Holger Frerichs hat ein heimathistorisches Werk über das Lager verfasst. Er hat herausgefunden, dass zwischen August 1941 und September 1942 bis zu 290 sowjetische Kriegsgefangene in dem Lager untergebracht waren. Bei seinen Nachforschungen hat Frerichs außerdem herausgefunden, dass mindestens sechs der Häftlinge in das Konzentrationslager in Neuengamme verschleppt wurden und dort zu Tode gekommenen sind.

In dem Lager selbst starben 27 sowjetische Gefangene. Etwa die Hälfte von ihnen wurde von den deutschen Wachmannschaften erschossen. Als die ersten Kriegsgefangenen 1941 nach Bockhorn ins Lager Kreyenbrok kamen, forderte ein Befehl die Wachmannschaften auf, bei geringsten Zuwiderhandlungen von der Schusswaffe Gebrauch zu machen. Der erste russische Kriegsgefangene wurde noch im August erschossen.

Die meisten von ihnen sind auf dem Bockhorner Friedhof bestattet worden. Direkt nach ihrem Tod aber wurden sie nicht begraben, sondern nur hinter einer Hecke verscharrt. Später wurden Grabsteine errichtet, sie stehen noch heute auf dem Bockhorner Friedhof. Gepflegt werden die Gräber der Kriegstoten vom Heimatring.

Einer der Kriegsgefangenen, die in Bockhorn auf dem Friedhof liegen, war Iwan Orlow (5.9.1917 - 10.5.1942). Er war 24 Jahre alt, als er starb. Der Russe war im Kriegsgefangenenlager Kreyenbrok im Arbeitskommando 5 eingesetzt. Er starb an Tuberkulose, ebenso der gleichaltrige Wasilij Schigarew (31.12. 1917 – 28.09.1941). Auch Iwan Menschikow    ist im Arbeitslager Kreyenbrok gestorben: am 1. Januar 1942. Es ist bekannt, dass er an „allgemeiner Erschöpfung gestorben“ ist. Der 19-Jährige war zunächst im Arbeitskommando Sande eingesetzt, verstorben ist er später im Arbeitslager Kreyenbrok.

Sandra Binkenstein
Sandra Binkenstein Thementeam Soziales