Bösel - Der bürokratische Aufwand war enorm: Für die geplante Erweiterung des Combi-Verbrauchermarktes in Bösel musste die Gemeinde ein umfangreiches Einzelhandelsgutachten erstellen lassen, beziehungsweise das aus dem Jahr 2009 stammende Gutachten musste fortgeschrieben werden. Das hatte den gesamten Einzelhandel in der Gemeinde unter die Lupe genommen und in Bezug auf die Erweiterung des Combi-Markes um 540 Quadratmeter „keinerlei Hinweise auf schädliche Auswirkungen des Planvorhabens“ festgestellt. Die Pläne für die Erweiterung waren erstmals im September 2016 politisch beraten worden. Nachdem der Gemeinderat im Dezember 2017 grünes Licht gegeben hatte, waren Erdarbeiten gestartet. Baumaterialien sind aber inzwischen wieder abtransportiert worden. Das Vorhaben ruht seit mehr als einem Jahr.

Nachgefragt bei Josef Bünger, der zu der Erbengemeinschaft gehört, der die Immobilie nach dem Tod von Heinz Bünger im vergangenen Jahr besitzt. Er führt für den Stillstand enorm gestiegene Baukosten ins Feld. Denn bei der Analyse der Bausubstanz des Bestandsgebäudes hatte sich gezeigt, dass die komplette Elektronik hätte ausgetauscht werden müssen. Das hätte eine deutliche Erhöhung des Pachtzinses zur Folge gehabt. Die hätte die Bünting-Gruppe als Träger der Combi-Märkte nicht zahlen wollen.

Nun wird wohl ein Verkauf der Immobilie an Bünting angestrebt, wie die NWZ erfuhr. Wirksam werden könnte der Kauf aber wohl erst 2020. Dann nämlich läuft der zehnjährige Pachtvertrag aus.

Statt eines angedachten Umbaus samt Erweiterung steht aber auch ein kompletter Neubau des Marktes zur Diskussion. „Wir halten an unserem Vorhaben fest und prüfen derzeit noch verschiedene Optionen“, teilte die Bünting-Pressestelle auf NWZ-Anfrage mit. „Dazu zählt auch eine Neubauvariante.“

Bürgermeister Hermann Block drängt auf eine zügige Entscheidung, um Gewissheit über die Zukunft des Verbrauchermarktes zu erhalten. Klar ist: Der Markt ist sanierungsbedürftig. Der Verwaltungschef betonte, die Gemeinde stehe in engem Kontakt mit Bünting.

Block sieht eine Dringlichkeit aber auch vor dem Hintergrund geboten, dass Kaufkraft aus Bösel in umliegende Kommunen abfließt. Das hatte auch das mit der Erstellung des Einzelhandelsgutachtens beauftragte Unternehmen Cima Beratung und Management GmbH festgestellt.

Konkret wird laut Gutachten fast jeder zweite Euro außerhalb der Gemeinde Bösel in anderen Kommunen ausgegeben. Im Ort versorgen sich die Böseler vor allem mit Nahrungs- und Genussmitteln, für Drogeriewaren, Bekleidung oder Schuhe fahren viele allerdings in andere Orte, hatte das Gutachten ergeben.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)