Brake - Ohne Ehrenamt wäre die Gesellschaft arm dran. Über mangelnde Bereitschaft, sich für andere zu engagieren, wird aber bereits seit Jahren nicht nur in Vereinen geklagt, die mehr und mehr den Nachwuchs vermissen. Das Ehrenamt zu stärken und vor allem jüngere Menschen zum Mitmachen zu bewegen, ist daher eine wichtige Aufgabe. Der DRK-Kreisverband Wesermarsch, in Zusammenarbeit mit Zeit & Service und der Kreisvolkshochschule, geht neue Wege – und wird dafür jetzt vom Bundesinnenministerium ausgezeichnet.

Mit dem Projekt „So geht sozial!“ in der Kategorie „Innovative Konzepte“ hat sich der DRK-Kreisverband um den Förderpreis „Helfende Hand 2018“ beworben, der vom Bundesinnenministerium zur Förderung des Ehrenamts im Bevölkerungsschutz vergeben wird. „Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Sie in der Kategorie zu den fünf Nominierten des Förderpreises zählen“, hat jetzt die Geschäftsstelle des BMI-Förderpreises mitgeteilt. Das Projekt habe die Jury überzeugen können. Die Preise werden am 3. Dezember in Berlin vergeben.

Der DRK-Kreisverband Wesermarsch gehört mit seiner Nachwuchsarbeit zu den Nominierten und ist somit bereits Preisträger. Die Frage ist noch, auf welchem Platz das DRK landet und wie hoch die Fördersumme ausfällt. Marco Busch, der den Antrag eingereicht hatte, ist jetzt schon zufrieden: „Alleine durch die Nominierung ist das Projekt schon anerkannt“, sagt er.

Hintergrund der Initiative „Helfende Hand“ sind die zu erwartenden demografischen Veränderungen und ihre Folgen für den Nachwuchs ehrenamtlicher Hilfsorganisationen in Deutschland. „Wie aber lassen sich Jugendliche dazu animieren“, fragte sich Marco Busch, der als Dozent beim Bildungsträger „Zeit & Service Beschäftigungsgesellschaft“ tätig ist und regelmäßig mit Schülern zu tun hat. „Mittlerweile betreut Zeit & Service zehn Schulen der Sekundarstufe I in der Wesermarsch und schleust etwa 600 Schüler pro Jahr durch ein Berufsbildungsprogramm“, betont der 45-Jährige. Dabei sei festgestellt worden, dass die Schulen auch ein Berufsfeld „Gesundheit und Soziales“ wünschen, das im Rahmen der Werkstatttage angeboten werden sollte, so Marco Busch. „Daraufhin wurde der Kontakt zum DRK gesucht, um deren Fachexpertise zu nutzen“, merkt er an.

Das DRK hatte danach erkannt, dass hier eine einmalige Chance besteht, sowohl den Schülern das soziale Berufsfeld als solches näher zu bringen als auch die Themen zur individuellen Katastrophenvorsorge zu erklären. Interessierte Jugendliche können so zu Trägern wie Freiwillige Feuerwehr, THW oder DRK vermittelt werden, die sich im Bereich des Katastrophenschutzes engagieren. Schule, Berufsorientierung und soziales Engagement werden also verzahnt.

Stimmen für das Helfende-Hand-Projekt

Die „Helfende Hand“ ist ein Förderpreis, den das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat seit 2009 jährlich vergibt.

Menschen können sich nicht vor allen Katastrophen selbst schützen oder sich aus allen Notlagen selbst befreien. Darum benötigen Sie Hilfe, Rettung und Unterstützung. Über 1,7 Millionen ehrenamtliche Helfer stehen bereit. Nur in Großstädten gibt es hauptberufliche Retter, darum übernehmen die Ehrenamtlichen über 90 Prozent aller Einsätze.

Aus dem Kreis der Nominierten kann die Öffentlichkeit ihren Favoriten wählen. Die Abstimmung erfolgt auf

Das Berufsbildungsprogramm besteht laut Marco Busch aus zwei zentralen Elementen: einer Potenzialanalyse in Klasse 7 und einer Werkstattphase in Klasse 8. Für die Potenzialanalyse kämen externe Teams in die Schulen, die die Stärken der Schüler ermitteln, die diese in Ausbildungsberufe einbringen.

Weil aber die Praxis entscheidend ist, folgt die Werkstattphase mit insgesamt acht Berufsfeldern. Die Schüler besuchen zwei Wochen lang die Halle 21 an der Otto-Hahn-Straße in Brake, wo sie sich ausprobieren im Verkauf, in den Bereichen Holz- und Metallverarbeitung sowie im Malerhandwerk, im Kfz-Gewerbe und in der Logistikbranche. Den gastronomischen Teil bietet die Kreisvolkshochschule an. Den Part „Gesundheit und Soziales“ übernimmt das Rote Kreuz.

Marco Busch ist Katastrophenschutzbeauftragter beim DRK. Er wird zur Preisvergabe nach Berlin fahren. Ihn werden Timo Roccor (16 Jahre) und Sascha Minnemann (18) begleiten. Auch Brakes Bürgermeister Michael Kurz habe seine Teilnahme zugesagt, freut sich Marco Busch.

Das zu erwartende Preisgeld möchte der 45-Jährige für Werbeaktionen nutzen: „Auch du kannst aktiv werden vor Ort“. Er möchte Stellwände anfertigen, auf denen sich Schüler informieren können, wo in ihrer Gemeinde sie sich ehrenamtlich und sozial engagieren können. Der erste Platz ist mit 8000 Euro dotiert, der zweite mit 6000 Euro. Geld gibt es auch noch für die Plätze drei (3000 Euro), vier (2000) und fünf (1000). Die eingereichten Projekte sollen nachhaltig sein und in die Zukunft gerichtet wirken können.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake