Brake - Wenn man zu diesem Gerät greift, geht es um Leben und Tod. Bei einer lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörung oder Herzversagen muss reanimiert werden – jede Sekunde zählt. Jeder sollte, nein: jeder muss in so einer Extremsituation eingreifen und helfen. Ist ein Defibrillator greifbar: umso besser.
Wie funktioniert denn nun ein Defibrillator? Marco Busch, Erste-Hilfe-Ausbilder beim Deutschen Roten Kreuz (DRK), grinst und sagt: „Probier’s doch selbst.“ Na gut. Die Bedienung soll ja einfach sein. Den Einschaltknopf finde ich leicht: Es gibt nur zwei Knöpfe. Ich kratze also meine Erinnerungen an den letzten Erste-Hilfe-Kurs zusammen und knie mich neben die Puppe. Das Gerät fängt an zu sprechen: „Notruf absetzen“. Das sollte natürlich bereits erledigt sein, in einer stressigen Ausnahmesituation kann das im schlimmsten Fall aber auch völlig vergessen werden.
Elektroden anbringen und abwarten
Dann geht es weiter: „Elektroden auf den entkleideten Körper anbringen“. Die liegen auf dem Defibrillator. Die Bilder auf den Pads erklären, wo sie aufgeklebt werden müssen: das erste Pad unterhalb der linken Achsel, das zweite unterhalb des rechten Schlüsselbeins. Wichtig ist, dass der Oberkörper komplett frei ist, auch bei Frauen.
Das habe ich – von meinem Gefühl her – ziemlich fix erledigt. Nun fährt der Defibrillator das Diagnoseprogramm. Wichtig ist hierbei: Den Körper auf keinen Fall berühren.
Beim Schock absetzen gilt: Hände weg
Das Gerät entscheidet, was als nächstes zu tun ist: „Schock absetzen.“ Also Hände weg vom Körper und den Knopf drücken. Dieser ist eindeutig zu erkennen, denn er blinkt. Ich drücke den Knopf und das Gerät gibt einen Übungsschock ohne Strom ab. Dann analysiert es wieder und fordert mich auf, zu reanimieren: Dreißig Mal drücken, zwei Mal beatmen.
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Ich legen einen Handballen in die Mitte des Brustkorbs und die andere darüber und beginne mit der Herzmassage. Bei der Mund-zu-Mund-Beatmung wichtig: Kopf überstrecken und Nase zuhalten. Im Ernstfall höre ich nicht auf, bis der Rettungsdienst mich dazu auffordert. Wenn noch andere Menschen da sind, sollte ich mich mit ihnen abwechseln.
Defibrillator anwenden ist kinderleicht
Nach der Übung fragen mich die Anderen: „Was war das Schwerste?“ Ich muss überlegen. Also fragt Peter Deyle, Kreisgeschäftsführer vom DRK Wesermarsch: „Wie war das Aufkleben?“ Ich überlege kurz. „Das war ganz okay. Ich hab versucht, mich an die Bilder zu halten.“ „Das Warten?“ „Das war einfach.“ „Das Schock geben?“ „War auch in Ordnung – man muss ja nur den Knopf drücken.“ „Und das Reanimieren?“ Ich zögere – und die Anderen schmunzeln. „Das war nicht ganz so leicht wie der Rest.“
Ausbildungsleiterin Wanda Duhm lächelt und sagt: „Das hat man gemerkt. Alles ging ohne Probleme – aber da haben Sie kurz gezögert.“ Ein kurzes Zögern ist in Ordnung – aber mehr auch nicht. Denn ein Defibrillator ist eine gute Unterstützung: Das Gerät erinnert an die wichtigsten Schritte und überwacht den Patienten. Das alles ist aber nur dann sinnvoll, wenn jemand die überlebensnotwendige Reanimation durchführt.
