Brake - Geschichte schlummert im Verborgenen – und kommt dann unerwartet in zwei großen Bücherkisten daher: Ursula Schinski staunte nicht schlecht, als sie die Spende von Günter Wiechmann fürs Soziale Kaufhaus näher betrachtete.
Beim Stöbern fand Ursula Schinski neben Literatur zur Arbeiterbewegung und zur Firma J. Müller sowie plattdeutschen Geschichten auch ein zerfleddertes Heft, das sich als ein Glücksfund herausstellte. Ein Roman war es nicht, vielmehr eine ältere Abhandlung über Brake: „Die Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Stadt aus dem Jahr 1906“, betont Ursula Schinski. Lehrer Theodor Wittholt hatte sie damals im Auftrag der Stadt erstellt.
Die Finderin rief sogleich Brakes Bürgermeister Michael Kurz an und fragte nach, ob dem Stadtoberhaupt diese Festschrift bekannt sei. Michael Kurz, der zuvor aus einer Haushaltsauflösung bereits die 100-jährige Festschrift von Tina Schwarzer überreicht bekommen hatte, war erfreut über diesen weiteren Fund. Das Vorwort hatte Bürgermeister Robert Brandt verfasst, und zwar für den 1. Mai 1956.
„Ich muss im städtischen Archiv nachschauen, ob noch eine Festschrift vorhanden ist“, sagte er am Dienstag bei der Übergabe. Er freue sich auf jeden Fall über dieses historische Dokument, das die Zeit aus Brakes Anfängen widerspiegelt. „Für mich ist das eine Zeitgeschichte, die zu Brake gehört“, ergänzte Ursula Schinski, Gründerin des Sozialen Kaufhauses.
Ob das Heft nun ein Unikat ist nach so langer Zeit, oder ob es noch weitere gibt, ist unerheblich. 50 Jahre Stadtgeschichte, komprimiert in einer Festschrift, sind nach 114 Jahren etwas Besonderes. Brake gehörte zu jener Zeit zusammen mit Elsfleth und Varel zu den jüngsten Städten des Großherzogtums Oldenburg. Erst zwei Jahre später erhielt Nordenham sein Stadtrecht. Der älteste Stadtteil Brakes, Harrien, wird bereits im Jahre 1139 genannt.
Der Verfasser der kleinen Chronik, Theodor Wittholt, war sich bewusst, dass die Festschrift noch „manche Lücke aufzuweisen hat“. Er freute sich jedoch darüber, einen kleinen Beitrag zur Geschichte der Stadt geliefert zu haben, „soviel sich eben in der kurzen Zeit von drei Monaten beschaffen ließ“.
In der Festschrift befinden sich einige Bilder und Stadtansichten aus der Zeit um 1900. So sieht man Segelschiffe im Braker Hafen und auch einen Silo sowie Elevatoren an der Kaimauer. Erwähnenswert ist auch, dass in der Festschrift von der 1866 gegründeten Braker Liedertafel die Rede ist. Und kein Geringerer als Emil Theodor Pleitner hatte der Stadt zum Jubiläum ein Gedicht gewidmet: „Durchs Tauwerk pfeift der Wind und peitscht die Masten, die Wellen spielen mit des Ufers Ried. Die Ferne bringt dir tausend reiche Lasten, im Wandern singt die Weser dir ein Lied“, heißt es in der ersten Strophe.
Der Verfasser dieser Zeilen war am 3. September 1863 in Brake geboren worden. Er war ein oldenburgischer Seminaroberlehrer, Journalist, Historiker, Schriftsteller, Dichter und Übersetzer. Emil Theodor Pleitner starb am 8. März 1925 in Oldenburg.
