Brake - Der Kabel-Hersteller Leoni (Nürnberg) ist im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht und arbeitet nach wie vor an einer Umstrukturierung. Der Unternehmensstandort an der Braker Heinrich-Addicks-Straße scheint aber sicher zu sein: „Unser Standort in Brake gehört zum Bordnetz-Segment, und darin wiederum zu einem gut laufenden Unterbereich“, sagte Konzern-Pressesprecher Sven Schmidt auf Anfrage der NWZ. „Insofern haben wir für den Standort eine gute Ausgangsposition.“
Der Standort sei dabei, so Schmidt weiter, sich insgesamt von einem Serienfertigungsbetrieb hin zu einem Kompetenzzentrum zu wandeln. „Der Schwerpunkt liegt mehr darauf, Prototypen für neue Produkte zu entwerfen, wofür wir die Entwicklungskapazitäten verstärkt haben.“ Es gehe dabei beispielsweise um Sensorik-Anwendung etwa im Bereich der Fahrzeug-Radkästen oder um Getriebeverkabelung. Brake gilt innerhalb der Gruppe als Ideenschmiede.
In Brake sind derzeit rund 55 Mitarbeiter beschäftigt – und gut ausgelastet. „Aufgrund der guten Lage haben wir zuletzt einige Leiharbeitnehmer als Verstärkung hinzugenommen“, so Schmidt.
In der Vorwoche hatte Leoni für den Standort Friesoythe Kurzarbeit ab Februar nicht ausgeschlossen. Darüber werde für Brake nicht nachgedacht, sagt Schmidt. „Die Auslastung in Brake ist derzeit sehr hoch.“ Allerdings gehört der Standort Friesoythe mit rund 600 Mitarbeitern zur Kabelsparte „Wire & Cable Solutions (WCS), von dem sich das Unternehmen mit Stammsitz in Nürnberg in diesem Jahr noch trennen möchte. Brake ist Teil des Bordnetzbereichs (Wiring Systems Division/WSD).
Seit 2019 schreibt das Nürnberger SDAX-Unternehmen tiefrote Zahlen – unter anderem wegen der anhaltenden Flaute in der Auto-Industrie. Allein im dritten Quartal des vergangenen Jahres schrieb der Kabel-Spezialist einen Verlust von 88 Millionen Euro in seine Bücher – vom ersten bis zum dritten Quartal 2019 stand insgesamt ein Minus von 264 Millionen zu Buche. Das hatte auch schon Konsequenzen: In einem Leoni-Werk in Stolberg bei Aachen will der Konzern 150 von 500 Stellen abbauen.
Das Unternehmen Leoni blickt auf eine mehr als 100 Jahre lange Geschichte zurück. Im Jahr 2000 kam Brake hinzu, Siemens verkaufte den Standort – an dem ab 1960 Kabel produziert wurden, in Spitzenzeiten von bis zu 1700 Mitarbeitern. 2004 endete die Fertigung von Automobilkabeln, seitdem liegt der Fokus auf Entwicklung sowie Fertigung von Spezialprodukten. Dazu zählen umspritzte Anschlussleitungen, Kabelsets für Chassis- und Achsensteuerung sowie optische Sicherheitskontrolle, Lautsprecherverkabelung und Getriebeverkabelung.

