Bredehorn - Wenn die Menschen abends ins Bett gehen, werden sie erst richtig aktiv: Fledermäuse. Weltweit gibt es mehr als 1500 Arten, immerhin elf davon findet man auch in Friesland. Welche das sind, wo sie zu finden sind, wie sie leben und warum sie überhaupt nichts mit Vampiren gemeinsam haben, weiß Werner Gröning. Er ist beim Naturschutzbund BUND und veranstaltet unter anderem Fledermausführungen am Mühlenteich in Obenstrohe.

Welche Arten findet man in Friesland

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Besonders verbreitet in unseren Gefilden ist die Breitflügelfledermaus. Die hat – wie der Name vermuten lässt – besonders breite Flügel. Kopf und Rumpf messen sechs bis acht Zentimeter, die Flügelspannweite beträgt bis zu 38 Zentimeter. Wie die meisten Fledermäuse sind sie Leichtgewichte: Mehr als 35 Gramm bringen sie nicht auf die Waage.

Am Mühlenteich kann man oft die Wasserfledermaus beobachten. Sie ist kleiner als die Breitflügelfledermaus und wiegt nur sieben bis 15 Gramm – Jungtiere wiegen sogar nur 2,5 Gramm. „Die sind so klein wie Gummibärchen“, sagt Werner Gröning. Besonders ist Jagdmethode der Wasserfledermäuse: Sie katapultieren mit ihrer Schwanzspitze Insekten von der Wasseroberfläche nach oben und befördern sie mit einem Flügelschlag in ihr offenes Maul.

Eine ganze Nummer größer ist der große Abendsegler: Er kann mehr als 40 Gramm wiegen, allein die Jungtiere wiegen mit 7,5 Gramm soviel wie andere ausgewachsene Arten. Der Große Abendsegler macht sich schon auf die Jagd bevor es dunkel ist.

Wovon ernähren sich Fledermäuse

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Um eines gleich klar zu stellen: Fledermäuse in Friesland saugen kein Blut und haben deshalb mit Vampiren schonmal recht wenig gemein. Vampirfledermäuse findet man eher in Mittel- und Südamerika. Stattdessen bevorzugen die friesischen Fledermäuse Insekten, die sie im Flug fangen und noch in der Luft verspeisen. Während sich die Wasserfledermaus auf Insekten auf Wasseroberflächen spezialisiert hat, macht der Große Abendsegler lieber Jagd auf Schmetterlinge, Grillen und Käfer über den Baumwipfeln. Sie können mit ihren Kiefern auch die stabilen Panzer der Maikäfer knacken. Jungtiere bekommen Muttermilch. Trotz Flügeln sind Fledermäuse Säugetiere – die einzigen, die fliegen können.

Wie sehen Fledermäuse nachts ihre Beute

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Gar nicht. Fledermäuse sind so gut wie blind, können nur hell und dunkel und schemenhafte Umrisse erkennen. Sie orientieren sich mit der Hilfe von Ultraschalllauten. Etwa 100 Töne geben sie pro Minute aus Mund und Nase ab. Die Töne bewegen sich je nach Art in einem Bereich von 15 000 bis 115 000 Kilohertz. Für Menschen sind die meisten Töne also nicht hörbar. Je nachdem, wie die Töne von der Umwelt wieder zurückgeworfen werden, können die Fledermäuse erkennen, ob es sich um ein Hindernis, eine Wasserfläche oder um ein schmackhaftes Insekt handelt. Fledermäuse sehen also gewissermaßen mit den Ohren. Ansonsten sind sie aber weitestgehend taub. Vor Menschen haben sie keine Angst, weil sie sie kaum wahrnehmen. Die Laute der Tiere kann man mit einem Bat-Detector (Fledermausdetektor) hörbar machen. An der Frequenz kann der Experte auch erkennen, um welche Art es sich handelt.

Was machen Fledermäuse tagsüber

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Am Tag schlafen Fledermäuse. Dafür verkriechen sie sich an geschützte Orte wie alte Gemäuer, leere Spechthöhlen oder Rollladenkästen. Denn tagsüber fahren sie ihren kompletten Stoffwechsel herunter, um Energie zu sparen. Um abends für die Jagd wieder hoch zu fahren, brauchen sie etwa eine halbe Stunde und sehr viel Kraft. Schlafende Fledermäuse sollte man daher in Ruhe lassen. Werner Gröning und seine Mitstreiter schaffen aber auch immer wieder neue Quartiere für Fledermäuse. Beispielsweise präparieren sie alte Bunkeranlagen mit Hohlsteinen, in die sich die Fledermäuse liebend gern verkriechen. In manchen Quartieren leben nur eine Hand voll Fledermäuse, in anderen mehr als 200. Fledermäuse halten außerdem etwa fünf Monate Winterschlaf. Dafür brauchen sie frostfreie Unterschlupfe.

Was tun, wenn sich ein Tier ins Haus verirrt

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Wer einen der Flattermänner in seiner Wohnung findet, sollte vor allem eines tun: Handschuhe anziehen. „Fledermäuse haben ein Raubtiergebiss“, sagt Werner Gröning. Und mit einem Biss ist nicht zu spaßen. Das schmerzt erstens ganz ordentlich, zweitens können sich die Tiere regelrecht an einem festhaken und außerdem kann ein Biss Krankheiten übertragen – im ungünstigsten Fall Tollwut. „Wenn man gebissen wurde, sollte man sofort zum Arzt“, warnt Werner Gröning.

Wie steht es um die Fledermäuse in Friesland

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Aktuell gibt es hier etwa 750 Tiere. Mit Blick auf die vergangenen Jahre sei der Bestand an Fledermäusen gleichbleibend bis leicht steigend, dennoch seien alle Arten bedroht, sagt Werner Gröning. „Uns geht es vor allem darum, dass keine Fledermausquartiere mehr zerstört werden“, sagt er – auch wenn das mit viel Arbeit verbunden sei. Allerdings kann jeder den Fledermäusen das Leben ein bisschen leichter machen – indem man zum Beispiel Pflanzen im Garten anpflanzt, die nachts Insekten anlocken. Der BUND Föhr hat eine Liste mit entsprechenden Pflanzen im Internet zusammengestellt (https://bit.ly/2HKkuXq).

Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten. Eine kann jeder an Werner Grönings Dach sehen: Dort gibt es eine Fledermausdachziegel mit einer Wölbung. Die ist einzig und allein dafür da, damit Fledermäuse dort unterkriechen können. Es gibt aber auch andere Wege. So kann man Asthöhlen erhalten oder Fledermauskästen am Haus anbringen. Wer eine abgestürzte Fledermaus am Boden findet, kann sie (mit Handschuhen) an einen Baum setzen. Von da aus kann sie weiterfliegen.