Burhave - Einigen Eltern steckt der Schock noch immer in den Gliedern. Am 21. August ist auf dem Kindergarten-Spielplatz an der Alma-Rogge-Straße in Burhave das Spielhäuschen umgestürzt. Nur durch glückliche Umstände kam niemand zu Schaden. Reina Brünjten, deren knapp zweijährige Tochter die Kita besucht, wollte in der Einwohnerfragestunde zu Beginn der Ratssitzung am Montagabend wissen, ob der Spielplatz wieder sicher ist.
Zusammen mit Elternvertreterin Miriam Schultze war sie zur Ratssitzung ins Restaurant Meeresrauschen in Tossens gekommen. Bevor die Gemeinde die Sicherheit nicht schriftlich bescheinigt hat, wolle Kindergartenleiterin Astrid Unland die Kleinen dort nicht wieder spielen lassen, sagte Reina Brünjten in der Sitzung. Astrid Unland bestätigte gegenüber der NWZ, dass der Burhaver Spielplatz seit dem Unfall nicht mehr benutzt werde.
Regelmäßige Kontrollen
Joachim Wulf, auch für die Spielplätze in der Gemeinde zuständiger Leiter des Fachbereichs Zentrale Dienste, versicherte während der Ratssitzung, dass die gemeindeeigenen Spielplätze regelmäßig vom Sicherheitsbeauftragten der Gemeinde kontrolliert würden. Ein Bericht über die letzte Begehung des Spielplatzes in Burhave sei ihm Anfang September vorgelegt worden, so Joachim Wulf.
In dem Bericht sei, so die Auskunft einiger Eltern, erneut auf Mängel hingewiesen worden. Die seien aber nicht zeitnah abgestellt worden – was nun Folgen hatte.
Was ist an dem sonnigen Vormittag des 21. August passiert? Einige vier- und fünfjährige Kinder hatte auf dem Dach des Spielhäuschens herumgetobt. Die in die Jahre gekommene Holzhütte brach in sich zusammen. In und vor der Hütte spielende kleine Kinder hatten den Platz zum Glück gerade verlassen. Andernfalls hätten sie unter den Trümmern gelegen.
„Viele Spielgeräte sind in einem schlechten Zustand, Eltern haben immer wieder darauf aufmerksam gemacht“, sagte Reina Brüntjen, die bis 2011 selbst dem Gemeinderat angehörte, gegenüber der NWZ. Ratsherr Johann Evers (CDU) bestätigte bei der Ratssitzung die Einschätzung der Eltern. Der Zimmermann war gleich nach dem Unfall von der Gemeinde beauftragt worden, das Fußballtor und ein Spielschiff auf dem Platz zu reparieren. Eine Reckanlage wurde auf Anraten von Johann Evers ganz erneuert.
Unterdessen ist das eingestürzte Spielhäuschen beseitigt worden, ebenso die marode Nestschaukel. Das Spielschiff soll im Zuge der Spielplatzerneuerung im kommenden Jahr ebenfalls abgebaut werden.
Mit einigen anderen Müttern sei sie am 29. August bei Bürgermeisterin Ina Korter und Fachbereichsleiter Joachim Wulf gewesen, um der Verärgerung der Eltern Ausdruck zu verleihen, berichtet Reina Brüntjen. Sie und andere Eltern kritisieren, dass die Spielplätze in Stollhamm und Eckwarden bereits saniert wurden, der nach ihrer Einschätzung am stärksten frequentierte Platz in Burhave hingegen nicht. „Wir ärgern uns, dass unsere Sicherheitsbedenken nicht ernster genommen werden“, beklagt Reina Brüntjen.
„Haben was gemacht“
„Es ist sehr wohl etwas gemacht worden“, verweist Joachim Wulf auf die von Johann Evers vorgenommenen Reparaturen. Die seien zwar tatsächlich erst nach dem Unfall ausgeführt worden, aber nicht als Folge des Unfalls. Das habe auf dem Zettel gestanden und sei nun abgearbeitet worden, so Joachim Wulf.
Nach Auskunft des Fachbereichsleiters stehen für die Sanierung des Spielplatzes an der Alma-Rogge-Straße in diesem Jahr 50 000 Euro sowie zusätzliche Mittel für Montageleistungen und Fallschutz im Haushalt bereit. Davon sollen in den Herbstferien oder kurz danach eine Drainage für rund 7000 Euro verlegt und eine Bobbycar-Bahn angelegt werden. 2020 werde die Neugestaltung fortgesetzt, kündigt Joachim Wulf an.
Eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Spielplatznutzung gebe es offiziell nicht, antwortet Joachim Wulf auf den Wunsch von Astrid Unland. Die erneuerten Geräte würden aber in Kürze vom Sicherheitsbeauftragten überprüft, so dass der Spielplatz nach den Herbstferien wieder bedenkenlos genutzt werden könne. Das werde er Astrid Unland dann auch schriftlich mitteilen, sagt Joachim Wulf auf NWZ-Nachfrage.
Sollte es entgegen diesen Plänen auf dem Spielplatz nun nicht zügig vorangehen, werden die Eltern der Bürgermeisterin eine Unterschriftenliste übergeben, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, kündigt Nicole Ortel an. Ihre beiden Jungs hatten den Einsturz miterlebt. „Bei dem Gedanken daran, was alles hätte passieren können, laufen mir immer noch Schauer über den Rücken“, sagt sie.
