Cloppenburg - Mit einem Braupaket zum Geburtstag vor drei Jahren fing alles an. Timo Hogeback braute mit der Anleitung die ersten fünf Liter Bier in der Küche und im Kochtopf seiner Oma – „und das Bier schmeckte sogar“, erinnert sich der 26-Jährige.
Der Cloppenburger war auf den Geschmack gekommen und wollte auf eigene Faust ein Pils brauen – und seine Braukunst hat sich mittlerweile zu einer kleinen Wissenschaft entwickelt. Denn Hogeback studiert in Dortmund Chemie-Ingenieurwesen und genau dieses Wissen hilft ihm dabei, die verschiedenen Prozesse beim Brauen noch besser zu verstehen.
Wer denkt, beim Bierbrauen werden nur Hopfen, Malz, Hefe und Wasser zusammengekippt, der irrt. Hier geht es zur Bierbrau-Anleitung. Denn die Temperatur, bei der das Malz im Wasser liegt, entscheidet, ob das Bier eher süß oder trocken wird. Je früher der Hopfen in die Flüssigkeit nach dem Maischen gegeben wird, desto bitterer wird das Bier. Und je länger man mit der Zugabe von Hopfen wartet, desto aromatischer wird das Bier.
Wichtig beim Brauen ist beispielsweise auch die Auswahl der Hefe – denn auch die entscheidet über den Geschmack und die Art des Bieres. Außerdem muss in diesem Schritt darauf geachtet werden, dass die Flüssigkeit nicht zu heiß ist – denn sonst geht die Hefe kaputt. Und schlussendlich entscheidet auch die Temperatur bei der Gärung über den Biergeschmack. Wenn Weizenbier wärmer gelagert wird, schmeckt es laut Hogeback beispielsweise mehr nach Banane.
Handwerkliche Arbeit
Um das Bier anzusetzen beziehungsweise für die Gärung vorzubereiten, braucht der Student zwischen sechs und acht Stunden. Solange müssen seine WG-Mitbewohner auf ihre Küche verzichten. „Damit haben die kein Problem, denn danach gibt es ja Bier“, sagt der 26-Jährige. Als Equipment reichen Hogeback der großmütterliche Kochtopf, ein großes Sieb, eine Mühle, um das Malz zu schroten, ein Gärfass und ein paar Messinstrumente. „Man könnte sich auch einen extra Brautopf für mehrere Tausend Euro kaufen. Aber im Kochtopf muss ich immer wieder schauen, das nichts anbrennt. Ich finde diese Methode deutlich handwerklicher. So merkt man auch selber, wie sich die Konsistenz und das Bier entwickeln“, sagt der Hobby-Brauer.
Beigebracht hat sich der Cloppenburger das Brauen mit zwei Büchern, außerdem stöbert er immer wieder im Internet und in einschlägigen Foren. An der Uni hat er in einer Brau-AG mitgearbeitet und entsprechende Vorlesungen zum Brauen besucht – in denen er aber nicht viel Neues erfahren hat, weil dort auch Studenten ohne Vorkenntnisse dabei waren.
AG an der Uni
Mit dieser AG hat er am vergangenen Wochenende bei seiner ersten Meisterschaft mitgemacht. Bei dem Wettbewerb, der von und an der Universität in Hamburg ausgerichtet wurde, ist die Dortmunder Studentengruppe Letzter geworden. „Das geforderte klare Pils ist auf der Fahrt leider trüb geworden“, begründet der Cloppenburger das schlechte Abschneiden.
Deswegen ist die Euphorie für den Wettbewerb an diesem Wochenende ein wenig gedämpft. Der Cloppenburger nimmt an der dritten deutschen Meisterschaft der Hobby-Bierbrauer im Störtebeker Brauquartier in Stralsund teil. Wenn man sich die Anforderungen an das Bier durchliest, das die Teilnehmer in den Wettbewerb schicken müssen, wird deutlich, dass Bier brauen eher einer Wissenschaft gleicht.
Gut gerüstet für den Wettbewerb
Gefordert wird ein obergäriges „Brut–IPA“: tropisch-fruchtige Hopfenaromatik, kräftige Kohlensäure, spritzig-erfrischend, zurückhaltende Malzaromen und eine leichte bis mittlere Trübung sind nur einige der geforderten Charakteristika. Das hogebacksche Brut-IPA ist dabei qualitätsgeprüft: Auf dem Geburtstag seiner Mutter hatte der 26-Jährige das Probe-Bier zur Verköstigung angeboten und die Gäste darüber entscheiden lassen, welchen Hopfen er für das Wettbewerbsbier verwenden soll.
Außerdem geht der Cloppenburger in den Publikumswettbewerb. Hier wird er – genau wie die etwa 120 Konkurrenten – den Besuchern der Messe sein Bier anbieten. Er geht mit einem belgischen Bier an den Start, das würzig, fruchtig und trocken schmecken wird. Alkoholgehalt: neun Prozent. „Den Alkohol merkt man gar nicht, das Bier kann man so wegtrinken“, sagt Hogeback.
Die Sieger beider Wettbewerbe können sich darüber freuen, dass ihr Bier von Brauereien eingebraut wird. So könnte ein Cloppenburger Bier bald deutschlandweit in den Supermärkten erhältlich sein.
