Cloppenburg - Die Frage „Sind Sie das Gesicht des Klimaschutzes in Cloppenburg?“ ist Wiebke Böckmann sichtlich unangenehm. Seit mehr als fünf Jahren ist die 34-Jährige Klimaschutzmanagerin der Stadt – diese Position gab es zuvor in der Verwaltung noch nicht. Sie überlegt kurz und sagt dann: „Nein, das bin ich nicht. Das Gesicht für den Klimaschutz sind ja alle Bürger.“

Also auch diejenigen, die immer noch mit dicken SUV durch die Innenstadt kurven, eine Plastiktüte nach der anderen im Supermarkt kaufen und sich sieben Tage die Woche Fleisch schmecken lassen? Jeder – entgegnet Böckmann – tue etwas auf seine Art: Mancher habe dafür vielleicht Ökostrom, ein gut gedämmtes Haus mit einer effektiven Heizung oder gehe zu Fuß zum Bäcker statt mit dem Auto zu fahren. „Es muss nicht immer alles gleich so groß sein, es können auch die kleinen Dinge helfen.“ Wichtig sei ihr auch, so Böckmann, den Leuten kein schlechtes Gewissen zu machen.

Und was tut eine Klimaschutzmanagerin in ihrem Privatleben für den Umweltschutz und ein klimafreundliches Umfeld? „Ich habe noch nie ein Auto besessen. Ich fahre viel mit dem Fahrrad“, sagt die Diplom-Geografin mit Schwerpunkt Klimawandelfolgen. Die Cloppenburgerin besucht Freunde und Verwandte fast ausschließlich mit dem Zug. Andererseits ist aber auch sie praktisch veranlagt. „Neulich wollte ich in Friesoythe einer Freundin zur Hochzeit gratulieren. Da habe ich mir dann ein Auto geliehen.“

Ansonsten stehen auf Böckmanns persönlicher Liste für klimafreundliches Verhalten unter anderem Ökostrom, saisonale Obst- und Gemüsesorten, der Jutebeutel statt der Plastik- oder Papiertüte und die erst spät im Jahr laufende Heizung. „Und ich habe mir in diesem Jahr noch keine neue Klamotte gekauft.“ Dieses Verhalten – so Böckmann – falle ihr aber auch nicht besonders schwer. „Ich bin so groß geworden. Meine Eltern haben mich so erzogen.“

Und wie sieht’s mit dem Fliegen aus? „Das letzte Mal bin ich vor sechs oder sieben Jahren mit dem Flugzeug nach Tromsø in Norwegen unterwegs gewesen, weil ich die Mitternachtssonne sehen wollte.“ Danach habe sie den Flieger gemieden, im nächsten Monat geht es für 77 Euro im Zug nach Mailand. Bahnfahren müsse nicht zwangsläufig teurer sein als Fliegen, meint Böckmann.

Wenn es um ihr berufliches Wirken im Rathaus geht, kommen einer größeren Öffentlichkeit vor allem die Projekte Stadtradeln, Earth Hour oder „Runterschalten Klima halten“ ins Gedächtnis. Darüber hinaus ist Böckmann unter anderem für Energie- und Solarberatung oder die energetische Optimierung von städtischen Liegenschaften zuständig. Und auch aktuelle Themen wie Car-Sharing oder Coffee-to-go-Becher liegen auf ihrem Schreibtisch.

Funktioniert klimafreundliches Verhalten immer auf freiwilliger Basis, oder muss die Regierung auch einmal Verbote aussprechen und den Bürger übers Portemonnaie disziplinieren? „Ich bin froh, dass ich kein Politiker bin“, gibt Böckmann zu. Natürlich sei der große Wurf noch nicht gelungen, es müsse viel mehr passieren. Immerhin habe die Stadtverwaltung aber schon zwei Elektroautos und zwei E-Bikes.

Auch Böckmann wird sich heute am Klimastreik in Cloppenburg beteiligen. Um zehn Uhr setzt sich der Protestzug am Bahnhof in Bewegung. Streiken im eigentlichen Sinnen wird sie aber nicht: „Ich stempele aus und beteilige mich als Privatperson.“ Die Schwedin Greta Thunberg als Kopf der Bewegung sei eine „mutige junge Frau“, die innerhalb eines Jahres viel erreicht habe.

ð  In Vechta beginnt die Demonstration unter dem Motto „#AllefürsKlima“ um 12 Uhr auf dem Europaplatz.

Carsten Mensing
Carsten Mensing Redaktion Münsterland