Cloppenburg - Die Wellen schlagen immer höher: Im Streit des Vorstands des Fußballvereins BV Cloppenburg mit der am Freitag fristlos entlassenen Trainerin des Frauenteams Tanja Schulte sowie deren Spielerinnen ist am Montagvormittag die nächste Eskalationsstufe erreicht worden. Der BVC-Vorstand, bestehend aus Präsident Dr. Jürgen Vortmann, den Vizepräsidenten Dirk Meyer und Daniel Plate sowie Beisitzer Laurenz Rake, ist mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gegangen, in der er schwere Vorwürfe vor allem gegen Schulte erhebt. Die Vorstandsmitglieder sprechen unter anderem von gezielten Indiskretionen, ehrabschneidenden Stellungnahmen, Beschimpfungen, Diffamierungen und sogar körperlicher Bedrohung.

Der Vorstand legt in seiner Erklärung Wert darauf, dass er beim BVC die Verantwortung übernommen habe, als niemand sonst dazu bereit gewesen sei. Zudem habe er sich immer bemüht, sachlich zu arbeiten, um das „Unmögliche“, die Rettung des BVC, zu schaffen. Umso „unerträglicher“ sei es, „dass jetzt durch Unterstellungen, gezielte Falschinformationen und ehrabschneidende Stellungnahmen in der Presse und über Facebook dieser Vorstand in seiner Arbeit behindert und diffamiert wird“.

Zumal die Situation des Vorstands nicht leicht sei: „Im Januar ist seitens der damaligen Verantwortlichen erklärt worden, dass der Verein schuldenfrei sei. Einerseits entsprach dies nicht der Realität. In den ersten drei Wochen nach der Amtsübernahme durch uns sind Verbindlichkeiten in Höhe von 50 000 Euro € zu Tage getreten. Andererseits waren alle Sponsorengelder der gesamten Saison verbraucht, so dass keinerlei liquide Mittel mehr vorhanden waren. Die Verbindlichkeiten und die erforderlichen notwendigen Gelder bis zum Saisonende betrugen ca. 250 000 €Euro. Zur Zeit drücken den Verein bis zum Saisonende noch ca. 150 000 Euro€.“ Sollte der Verein bis zum 14. Juni nicht 80 000 Euro aufbringen, so der Vorstand, müsse er die eidesstattliche Versicherung abgeben. Dies sei die Vorstufe zur Insolvenz.

„All dies hat Frau Schulte gewusst und dennoch von uns unter körperlicher Bedrohung und Beschimpfungen verlangt, dass wir eine Garantie für den Erhalt der Damenmannschaft abgeben“, so der BVC-Vorstand. Sie habe unter anderem wörtlich gesagt „Ich gehe zur Presse.“ Dies habe man zum Schutz Schultes bisher verschwiegen, sei nun aber gezwungen, eine Erklärung abzugeben.

Zudem bezichtigt der BVC-Vorstand die Frauenabteilung, das Gerücht verbreitet zu haben, er wolle die Abteilung abschaffen. Dies entspreche ebenso wenig der Wahrheit wie die Bekanntgabe, man habe 90 000 Euro zur Sicherung des Spielbetriebs zusammen. „Ein solcher Nachweis ist uns nicht vorgelegt worden, im Gegenteil: Aus der 300x300-Aktion sind gerade einmal 30 000 €Euro generiert worden.“

Den Vorwurf, das bisher keine Planungen für die neue Saison vorgenommen worden sind, weist der Vorstand ebenfalls zurück. „Dafür war bis Freitag Frau Schulte zuständig.“ Und auch die fehlende persönliche Information der Mannschaft über die Entlassung der Trainerin, wollen sich die Vorstandsmitglieder nicht ankreiden lassen. Man habe am Freitag mehrfach versucht, Kontakte „mit anderen Verantwortlichen der Frauen“ aufzunehmen.

Bei Gesprächen mit dem Sponsor und Tanja Schulte sei diese verbal ausfällig geworden. „Dabei haben wir es als unsere Pflicht angesehen, dem Sponsor die Situation des Vereins zu erläutern.“ Zudem habe man nur eine „einseitige Absichtserklärung des Sponsors erhalten, in der er erklärt hat, in welchem Rahmen eine Zusammenarbeit entstehen kann“. Dies sei eben noch kein Vertrag. „Aufgrund einer einseitigen Absichtserklärung kann von uns nicht einseitig eine Zusage zum Erhalt der Damenmannschaft gegeben werden.“

Die Aussicht auf einen Vertrag sei durch Indiskretionen gesunken. Wer dafür verantwortlich sein soll, schreiben die Vorstandsmitglieder zwar nicht explizit, aber doch deutlich zwischen den Zeilen: „Die Absichtserklärung, in der die Verschwiegenheit vereinbart worden ist, kannten nur der Sponsor, die vier Vorstandsmitglieder und Frau Schulte. Weder der Sponsor noch die Vorstandsmitglieder haben diese Erklärung an die Presse gegeben.“

Dass das Tischtuch zerschnitten ist, ist also eindeutig. Dennoch erteilt der BVC-Vorstand der Forderung der BVC-Spielerinnen nach einer Rückkehr Schultes noch eine klare Absage. „Unter uns wird es allerdings eine Rückkehr von Frau Schulte nicht geben.“ Man lasse sich nicht unter Druck setzen und werde unbeirrt an der Rettung des Vereins weiterarbeiten. Sollte diese gelingen, werde man aber nicht weitermachen: „(...) sollen doch alle Krakeeler und Beleidiger die Verantwortung übernehmen (...).“

  Tanja Schulte wehrte sich noch am Montagabend über ihren Rechtsanwalt Otto Höffmann gegen Teile der Presseerklärung. „Unsere Mandantin hat zu keinem Zeitpunkt ein Vorstandsmitglied des BVC körperlich rechtswidrig bedroht. Insbesondere hat unsere Mandantin kein Vorstandsmitglied des BVC körperlich bedroht mit dem Ziel, eine Garantie für den Erhalt der Damenmannschaft zu erhalten.“

Der Aufforderung, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben, kamen die BVC-Vorstandsmitglieder nicht nach. Nun reicht Höffmann einen Antrag auf einstweilige Verfügung beim Oldenburger Arbeitsgericht ein.