Cloppenburg - Dem Bahnverkehr wird bei der Entlastung der Straßen und der Realisierung der Klimaziele eine wichtige Rolle auch im ländlichen Raum zugeschrieben. Und ausgerechnet hier herrscht im Landkreis Cloppenburg tote Hose. Es gibt an der einzigen Bahnstrecke Wilhelmshaven-Osnabrück nur zwei Zustiegsmöglichkeiten – und zwar in Cloppenburg und Essen. Zum Vergleich: Der kleinere Nachbarkreis Vechta hat mit Rechterfeld, Goldenstedt, Lutten, Vechta, Lohne, Mühlen, Steinfeld, Holdorf, Neuenkirchen gleich neun.
Die CDU-Fraktion im Kreistag will das ändern und hat einen Antrag erfolgreich durchgebracht: Die Kreisverwaltung wurde am Dienstagabend bei der Sitzung des Kreistags einstimmig beauftragt, Möglichkeiten für eine Reaktivierung von ehemaligen Bahnstrecken im Landkreis Cloppenburg zu prüfen.
Welche Strecken könnten reaktiviert werden?
Zum einen geht es um die Verbindung von Essen nach Löningen und weiter über Herzlake und Haselünne nach Meppen. Nutzer dieser Strecke hätten zudem die Möglichkeit, in Essen Richtung Osnabrück oder Oldenburg/Wilhelmshaven umzusteigen. Die Gleise sind noch vorhanden, diese werden zurzeit nur von einer Museumsbahn genutzt. Gleiches gilt für die Strecke Cloppenburg-Friesoythe, auf der zudem hier und da privater Güterverkehr unterwegs ist.
Darüber hinaus soll auch der Abschnitt von Friesoythe nach Sedelsberg in den Blick genommen werden und weiter von dort ins ammerländische Ocholt, wo Zustiegsmöglichkeiten nach Oldenburg und Ostfriesland bestehen. Die Strecke von Sedelsberg nach Ocholt wird im Übrigen auch von einer privaten Museumseisenbahn genutzt.
Wie könnte eine Reaktivierung rechtlich umgesetzt werden?
Falls die Politik eines schönen Tages tatsächlich die Reaktivierung der vier genannten Strecken beschließen sollte, gäbe es einen großen Vorteil, der das Verfahren massiv beschleunigen würde. Alle vier Trassen sind noch als Bahnstrecken gewidmet – das heißt sie sind rechtlich abgesichert. Demzufolge braucht es auch kein Planfeststellungsverfahren.
Welche Schwierigkeiten gibt es?
Viele Probleme wird es auf der Strecke Friesoythe-Sedelsberg geben. Die Schienen in großen Teilen des Friesoyther Stadtgebiets sind seit Jahrzehnten abgebaut. Um sie wieder aufzubauen, müsste – stark übertrieben formuliert – die halbe Stadt abgerissen werden. Und auch stadtauswärts Richtung Sedelsberg liegen die Schienen nur noch hier und da. Das größte Dilemma: Es gibt keine Brücke über den Küstenkanal. Diese müsste erst mit viel Geld gebaut werden.
Wie reagieren die Gemeinden?
Die NWZ hat in der vergangenen Woche bei den Bürgermeistern der Gemeinden Barßel (Nils Anhuth), Bösel (Hermann Block) und Saterland (Thomas Otto) sowie der Stadt Friesoythe (Sven Stratmann) nachgefragt. Die Reaktion auf die Reaktivierungspläne ist eher zurückhaltend. Stratmann betonte, dass die Gleise um Friesoythe herumgeführt werden müssten, Block nahm vor allem die Finanzierung in den Blick.
Saterlands Bürgermeister Otto zeigte sich als Befürworter, ist aber auch Realist: „Die fehlende Brückenverbindung über den Küstenkanal und der nahezu vollständig erfolgte Rückbau der Bahnhofsanlagen lassen dieses Vorhaben allein aus finanzieller Hinsicht als sehr ambitioniert erscheinen.“ Ähnlich äußert sich auch der Barßeler Nils Anhuth. Die Umsetzung wäre eine tolle Sache für den gesamten Landkreis, findet er. „Hier müssen allerdings zunächst einmal die Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte beim Ausbau des Schienen-Netzes überwunden werden.“ Landrat Johann Wimberg bedauert diese Reaktionen: „Das ist schade, ich erwarte, dass Politiker auch nach vorne gehen.“
