Dangast - Ein Ausschnitt des bekannten Radziwill-Gemäldes „Das Fenster meines Nachbarn“ ziert das Ausstellungsprogramm des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte für das erste Halbjahr. Der gelernte Maurer Radziwill malte akribisch das Mauerwerk mit Fugen und das Holzfenster mit Laibung des Nachbarhauses in der Sielstraße in Dangast 1930. Wer heute das Radziwill-Haus in Dangast betritt, kann den Blick auf das Nachbarhaus werfen, wie Franz Radziwill es vom Fenster in seiner Küche aus getan hat.

Das verstörend stille wie tiefenstarke Gemälde, das so wenig vom Leben im Haus des Nachbarn verrät, zählt zu seinen wichtigsten Bildern und zählt zum Bestand des Landesmuseums Oldenburg. Der Maler ist sozusagen Programm für das Landesmuseum, denn am 6. Februar jährt sich der 125. Geburtstag des Malers Franz Radziwill (1895 – 1983). Das Landesmuseum widmet ihm eine große Ausstellung (125 Werke zum 125. Geburtstag), die vom 21. März bis 23. August im Oldenburger Schloss zu sehen sein wird.

Kuratiert haben die Schau Museumsdirektor Rainer Stamm und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Gloria Köp­nick. Zu sehen sind 60 Gemälde, 25 Aquarelle und 25 Zeichnungen sowie wenige Druckgrafiken und eine textile Arbeit von Franz Radziwill. Die Arbeiten repräsentieren das gesamte Werk Radziwills aus allen Schaffensepochen – angefangen von der ersten bekannten Arbeit Radziwills, über die Annäherung an die Brücke-Maler bis zur Neuen Sachlichkeit und dem Magischen Realismus.

Dabei hat der Maler Franz Radziwill eine enge Beziehung zum Landesmuseum. Von der Gründung des Landesmuseums am 27. Februar 1923 an bis zu seinem Tod 1983 war Radziwill immer mit Werken im Landesmuseum vertreten (und ist es immer noch: Das Landesmuseum hat die größte museale Sammlung von Radziwill-Werken). „Die erste Radziwill-Arbeit im Museum war eine Schenkung“, berichtet Museumsdirektor Stamm. Eine andere Arbeit aus den 20ern, das Aquarell „Torfhaufen“ von 1925, war im Besitz des Landesmuseums, bis es 1937 als „entartete Kunst“ beschlagnahmt und über den Kunsthändler Hildebrand Gurlitt verkauft wurde (laufende Nr. 84 der im Landesmuseum beschlagnahmten Werke, Inventarnummer 10656).

Gurlitt hatte drei weitere Aquarelle Radziwills gekauft und laut Fischer-Liste vier Schweizer Franken erlöst. Gloria Köpnick ist es gelungen, das Bild aus Privatbesitz für „Radziwill 125“ auszuleihen. Es kehrt nunmehr, wenn auch nur für einige Monate, nach 83 Jahren zurück nach Oldenburg.

Ein anderes Bild, „Stiefmütterchen. Saxifraga und Viola tricolor“ (1930) ist seit Kurzem im Besitz des Landesmuseums. Es wurde auf einer Auktion ersteigert. Das hochformatige Gemälde (49 mal 20 Zentimeter) stammt aus der Sammlung des Radziwill-Freundes Georg Düser und wird ebenfalls in der Radziwill-Jubiläumsschau in Oldenburg zu sehen sein.

Ein Thema der Ausstellung sind auch die Übermalungen. Radziwill hat auf zahlreichen Ölgemälden Bildinhalte nachträglich durch Übermalungen verändert, unter anderem durch Himmelskörper. Es gibt aber auch Bilder, deren ursprüngliche Aussage sich durch Übermalungen komplett verändert hat. Der Maler selbst hat das stets mit seiner künstlerischen Freiheit verteidigt.

Parallel zur Ausstellung in Oldenburg wird auch im Radziwill-Haus in Dangast eine Schau mit Bildern des Malers zu sehen sein. In der Sielstraße 3 in Dangast lebte und arbeitete Franz Radziwill von 1923 bis zu seinem Tod 1983. Dort entstanden Hunderte von Gemälden, der größte Teil seines reichhaltigen Schaffens.