Delmenhorst/Ganderkesee - Als Heike Walter ihren Trolley mit der schwarzen Box hervorzieht, gibt es für Luna kein Halten mehr: Obwohl sie gerade noch lang ausgestreckt auf ihrer Liegematte döste, ist die kleine Bolonka-Zwetna-Hündin sofort wie angeknipst. Hellwach läuft sie zur Tür und wartet, dass es zur Arbeit geht.
Je nach Aufgabenstellung und „Zielgruppe“ sind es unterschiedliche Materialien – für Luna sind es Spielzeuge –, die sich in der Kiste befinden. Denn die dreijährige Hündin ist nicht nur für den Besuchshundedienst ausgebildet, sondern hat ihrer Besitzerin gerade auch zur Zertifizierung als Besuchs- und Therapiebegleithundeführerin verholfen.
Im Januar beginnt bei den Maltesern der nächste Ausbildungsgang von Besuchshunden und -hundeführern. Wer sich dafür interessiert, kann (ohne Hund) vorab einen Informationsabend in der Dienststelle Delmenhorst, Am Grünen Kamp 1B, besuchen: am Montag, 11. November, 19 Uhr. Heike Walter erbittet eine Anmeldung unter
In Ganderkesee stellen sich die 13 Mensch-Hund-Teams, die gerade ihre Prüfung abgelegt haben, schon vorher öffentlich vor: Am Montag, 2. September, wird der Besuchshundedienst von 18.30 bis 21 Uhr in der Malteser-Dienststelle an der Robert-Bosch-Straße 2 (Gewerbegebiet Bookhorn) vorgestellt. Live und in Filmsequenzen wird gezeigt, wie die Arbeit abläuft und was sie bewirkt. Willkommen sind alle, die den Dienst in Anspruch nehmen möchten oder die sich für die Ausbildung interessieren.
Der Besuchshundedienst ist auf Spenden angewiesen, um Training und Ausrüstung zu finanzieren. Über die Volksbank Delmenhorst-Schierbrok kann per Crowdfunding gespendet werden:
Heike Walter leitet beim Malteser Hilfsdienst in Delmenhorst und Ganderkesee die sozialen Dienste und ist ausgebildete Krankenschwester. Ihre medizinische Ausbildung ist Voraussetzung dafür, dass die Ganderkeseerin mit Luna auch als Therapiebegleithund arbeiten kann.
„Bei Patienten geht es darum, therapeutische Ziele zu erreichen“, erklärt Heike Walter, etwa die Förderung der Motorik, Motivation, Koordination oder Kommunikation. Beim Besuchs- und Begleitdienst mit Hund indes benötige der Hundeführer keine therapeutische Ausbildung; im Vordergrund stehe hier die Interaktion zwischen den Menschen.
Als „Therapeutin“ ist Luna schon seit ihrer Ausbildung im Einsatz: Einmal in der Woche besucht sie mit ihrer Besitzerin einen älteren Herrn, der nach einem Schlaganfall halbseitig gelähmt ist, nicht mehr sprechen kann und antriebslos ist. Anfangs, so berichtet Heike Walter, habe es keinerlei Berührungen zwischen ihm und der Hündin gegeben. Weil sich der Mann vor Hunden fürchtete, blieb Luna auf Distanz.
Dennoch reagierte sie auf seine Handzeichen, setzte sich auf einen Fingerzeig, legte sich hin, absolvierte eine Rolle. Ihre leichtesten Übungen, wenn es danach ein Leckerli gibt. Nach und nach näherten sich Hund und Mensch an. „Heute macht er schon eine Viertelstunde lang Tricks mit ihr“, erzählt Heike Walter. „Und wir schaffen es, dass er eine Leberwursttube öffnet und Luna daraus füttert.“ In der vorigen Woche habe der Mann die Hündin erstmals gestreichelt – auch für ihn selbst offenbar eine bewegende Erfahrung. „Ihm standen Tränen in den Augen“, erzählt Heike Walter.
Vor dem offiziellen Startschuss steht inzwischen auch der Besuchs- und Begleitdienst, den Ehrenamtliche der Malteser in Senioren- und Jugendeinrichtungen, Schulen und Kitas sowie für Einzelpersonen zu Hause anbieten. Heike Walter und Luna sind nun keine Einzelkämpfer mehr: 13 Mensch-Hund-Teams haben gerade eine sechsmonatige Ausbildung durchlaufen und ihre Prüfung absolviert. Sie warten jetzt auf Einsätze in Delmenhorst und Umgebung (Kontaktdaten siehe Infobox).
Ihre Arbeit verrichten die Hundeführer ehrenamtlich – einzig um einen Obolus für Materialien und die Refinanzierung der Ausbildungskosten wird gebeten. Für die Arbeit mit einem Therapiehund indes fallen je nach Aufwand der Vor- und Nachbereitung rund 30 bis 40 Euro pro Einsatz an, die beispielsweise durch das Entlastungsentgelt gedeckt werden können.
