Delmenhorst - Es ist ein trockener, kalter Wintertag im Februar. Die Sonne hat sich bereits verabschiedet, aus der Ferne ist ein warmer Lichtschimmer zu erkennen. Er stammt von einem Schild an der Front einer Hausfassade. „LED Exclusive – Licht und Werbung“ steht darauf. Hier sitzt die Firma von Trevor Brandes, 29 Jahre alt, selbstständiger Einzelunternehmer. Das Schild hat er gefertigt. Beleuchtet wird es mit LEDs.
Seit mehr als zehn Jahren behauptet sich der Delmenhorster in einem stark umkämpften Markt. Angefangen hat alles mit seiner Leidenschaft für Kirmesmodellbau. Die Feinelektronik und das hochpräzise Arbeiten haben ihn schon immer fasziniert. Zum komplexen Zusammenbau der Teile kam noch die Beleuchtung. „Mit 13 habe ich damit begonnen, LEDs in Miniaturfahrgeschäfte einzuarbeiten, das war im Jahr 2003“, sagt Brandes.
Es war der Beginn einer Leidenschaft, die bis heute anhält. Über den Modellbau kam auch das Interesse von Freunden aus dem Schaustellergewerbe an den „kleinen bunten Lämpchen“, sagt Brandes. Damals habe es auf der Kirmes noch keine LEDs gegeben. „Gängig waren eher Neon und Leuchtkästen und vor allem die klassische Kappenglühbirne, aber keine Schilder mit LED-Verzierung“, erklärt er.
Von Holz bis Acrylglas
Zwei Jahre später, im Alter von 15 Jahren, fing Brandes an, erste LED-Schilder für Freunde und Bekannte anzufertigen – Fahrpreisanzeigen und Werbeschilder. Das war noch daheim bei seinen Eltern – inzwischen hat er eine eigene Fachwerkstatt in Delmenhorst. Die LEDs organisierte sich Brandes über Händler und anfangs auch vom Elektroladen. Das gesamte Wissen über LEDs hat er sich selbst angeeignet – Brandes ist Autodidakt, und handwerkliche Aufgaben liegen ihm. „Ich habe einfach gemacht, getüftelt und ausprobiert“, sagt er. Außerdem las er Physikbücher. „Ich wollte schon immer Zusammenhänge begreifen und bestehende Technik verbessern“, erklärt er. Im Alter von 18 Jahren meldete Brandes sein Gewerbe an, ließ sich in die Handwerksrolle eintragen – und spezialisierte sich weiter.
Primäres Ziel war eine wetterfeste LED-Beleuchtung unter Berücksichtigung aller Materialien, in denen die LEDs verbaut werden – von Metall über Holz bis Acrylglas. Denn gerade auf der Kirmes sind Beleuchtungsanlagen extremen Belastungen ausgesetzt – durch die Witterung, den Auf- und Abbau, die Reinigung und die Bewegungsabläufe der Fahrgeschäfte. Bis er die richtige Formel gefunden hatte, vergingen rund zehn Jahre mit unzähligen Testversuchen, sagt Brandes. Zu diesem Zeitpunkt waren noch alle LEDs einzeln von Hand gelötet – mit dazugehörender Elektronik. Nicht jeder konnte sie verarbeiten. Der Markt war noch recht klein.
Um Werbung für sein Unternehmen zu machen und Kunden zu gewinnen, reiste Brandes anfangs mit einem eigens angefertigten Produktkoffer von Kirmes zu Kirmes. Außerdem verteilte er Flyer. Kapital habe er sich nie geliehen. „Ich habe immer mit dem gearbeitet, was da war und habe von dem Gewinn alles weitere finanziert“, sagt er. Inzwischen arbeite er rein auf Empfehlung. Doch bis dahin war es ein weiter Weg. Schwierig wurde es für den Jungunternehmer ab 2010, als fertig verkabelte Produkte aus China auf den Markt kamen. „Das war eine regelrechte Schwemme“, sagt Brandes. Theoretisch habe jeder, der wollte, diese Produkte weiterverarbeiten können – nach dem Prinzip „Loch bohren, LED reinstecken und fertig – allerdings häufig, ohne sich der Nachteile bewusst zu sein“, sagt er. Weil immer mehr Wettbewerber in den Markt einstiegen, habe es Preisdumping gegeben.
Zu diesem Zeitpunkt sei Qualität noch nicht das entscheidende Kriterium gewesen, sondern der Preis, erklärt Brandes. Erst einige Jahre später, ab 2013, habe sich das geändert. Der Fokus von Brandes, sich auf wetterfeste und langlebige Produkte zu spezialisieren, habe sich letztlich ausgezahlt.
Aber in der Zwischenzeit – von 2010 bis 2013 – musste er sich umorientieren, um zu überleben. Brandes konzentrierte sich auf Kooperationen mit anderen Firmen unter anderem im Ausland sowie auf den reinen Lichtwerbesektor und die Umrüstung von Leuchtkästen auf LED. Die Schaustellerei spielte zu diesem Zeitpunkt nur noch eine untergeordnete Rolle. Nebenbei arbeitete er an einer Lösung, um in China ein Produkt zu organisieren, das seinen Qualitätsstandards entsprach. „Ich habe Produkte aus China zugekauft und nachbearbeitet, vor allem in puncto Wasserfestigkeit und Langlebigkeit. Das hat viel Zeit und Geld gekostet“, sagt er. Auf dieser Lösung baute er auf, um seine Produkte immer weiter zu optimieren. Als es keine bessere Methode zur Versiegelung der LEDs mehr gab, entwickelte Brandes ein Konzept, um LEDs so zu verkleben, dass sie sich auch bei großer Gewalteinwirkung nicht aus Schildern und anderen Produkten herausbrechen lassen.
Inzwischen arbeitet Brandes mit vielen Partnern aus dem Bereich digitale Bedruckung, Airbrush und Metallbau zusammen. Hauptkundschaft sind nach wie vor Schausteller, aber auch andere Gewerbetreibende aller Art. Brandes wird immer dann aktiv, wenn es um die Beleuchtung besonders schwieriger Einlassbereiche oder massiv dem Wetter ausgesetzter Bereiche geht.
Ein weiterer Aspekt ist die Individualität. „Der Kunde sagt, was er haben möchte, und es wird umgesetzt. Aber ich sage den Kunden auch, ob etwas überladen ist, ob es Stil hat, und wie man es besser machen könnte, das gehört dazu“, erklärt Brandes. Individualisierung heißt das Stichwort. Brandes hat seinen Platz im Markt gefunden. „Andere setzen auf große LED-Beleuchtungen oder auf die Programmierung der Lichtabläufe“, sagt er.
Das sei keine Konkurrenz – im Gegenteil, mit einigen anderen Unternehmen kooperiert er sogar. „Man kommt sich nicht in die Quere, sondern ergänzt sich.“ Die Produktpalette ist inzwischen so groß, dass „sie nicht mehr in einen Katalog passt“, sagt Brandes.
Dennoch ruht er sich nicht auf seinen Erfolgen aus. Der Lichtmarkt wandelt sich ständig. „Man muss daher sehr anpassungsfähig sein“, sagt Brandes. Neben handwerklichem Geschick braucht es auch gute Kenntnisse im Umgang mit Kunden – sowohl bei der Betreuung als auch der Beratung. Flexibilität ist enorm wichtig, aber auch das Gespür für Trends. Einfälle kommen ihm in den unterschiedlichsten Situationen. „Manchmal habe ich eine Idee für etwas Neues, wenn ich mir US-Sendungen ansehe, aber auch beim Konsum anderer Medien. Ich überlege häufig, was die Menschen interessieren könnte“, sagt Brandes. Zurzeit arbeitet er an Neonprodukten auf LED-Basis.
Suche nach Trends
Während normales Neon relativ anfällig sei, soll das LED-Pendant nicht nur sehr viel länger halten, sondern auch so gut wie kein Unterschied mehr zum Original erkennbar sein. Brandes ist also wieder häufig in seiner Werkstatt zu finden – um auszuprobieren, zu tüfteln und neue Produkte zu entwickeln.
