Delmenhorst - Betty folgt Dr. Angelika Hoffmann auf Schritt und Tritt durch die Kleintierpraxis in der Bismarckstraße in Delmenhorst. Sie wedelt mit dem Schwanz, erkundet ihre Umgebung und nimmt freudig Leckerlis aus der Hand der Tierärztin entgegen. Die American-Bulldog-Hündin ist sichtlich auf dem Weg der Besserung. Nur eine Vermittlung der Hündin scheint unmöglich zu sein: Betty versteht sich nicht mit anderen Hunden, sie kann nicht mit kleinen Kindern und greife bestimmte Menschen aus dem Nichts an, erklärt Hoffmann, die sich mit ihrem Praxisteam seit mehreren Wochen um den etwa zehnjährigen Vierbeiner kümmert. „Sie ist kein normaler Hund.“
„Ich habe mich deshalb entschlossen, Betty zu behalten“, erklärt die Tierärztin während sie die Hündin streichelt. Hoffmann sei mittlerweile für Betty eine Bezugsperson geworden. Die Delmenhorsterin hat bereits drei weitere „Problemhunde“ adoptiert, die hätten eingeschläfert werden sollen. Obwohl viel Interesse an Betty bestand, ist keine Vermittlung in einen anderen Haushalt zustande gekommen. Ein potenzieller Halter wollte den Hund zunächst „ausprobieren“, sagt Hoffmann. Doch das sei keine Option.
Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Oldenburg dauern an
Während das Praxisteam die Hündin wieder aufpäppelt, kümmert sich die Staatsanwaltschaft Oldenburg um die Ermittlungen in dem Fall. Ende September hat es eine Wohnungsdurchsuchung in Ganderkesee gegeben. „Bei dem Wohnungsinhaber soll es sich möglicherweise um den letzten Halter handeln“, erklärt Staatsanwalt Thorsten Stein. Gegen den Beschuldigten wird wegen des Anfangsverdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz ermittelt. Auch die Geschichte rund um den Fund von Betty an der Bundesstraße 212 bei Bookholzberg ist Gegenstand der Ermittlung. „Der Beschuldigte soll den Hund im Tierheim abgegeben und dort zur Herkunft des Tieres mitgeteilt haben, er habe es verletzt an der Straße gefunden“, sagt Stein. Außerdem: „Es gibt aktuell keine belastbaren Hinweise für organisierte Hundekämpfe.“ Laut dem Staatsanwalt dauern die Ermittlungen jedoch an. Weitere Zeugen seien zu vernehmen und veterinärärztliche Stellungnahmen einzuholen.
Rückblick: Das Schicksal der American-Bulldog-Hündin hat in den vergangenen Wochen viele Menschen in der Region bewegt. Zunächst war bekannt geworden, dass ein Passant das Tier Anfang September neben der B 212 gefunden habe. Die Hündin wirkte verwahrlost und hatte zahlreiche Bisswunden am ganzen Körper. Der Fall Betty löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. „Uns erreichen immer noch jeden Tag Pakete“, sagt Hoffmann. Darin enthalten sind Futter, Hundezubehör und Spielzeuge. Selbst ein Paket aus Israel erreichte die Praxis. Etwa 15 000 Euro Geldspenden seien zudem für die Hündin eingegangen.
Weiterhin Dauerpatient in Kleintierpraxis
Bettys Behandlung ist noch nicht abgeschlossen, erklärt Hoffmann. Sie humpelt und ihr verletztes Auge erholt sich von einer Operation. Sobald sie fit genug ist, stehe eine weitere OP für den Vierbeiner an. Somit bleibt Betty erstmal ein Dauerpatient in der Delmenhorster Praxis. Die Tierärztin will die Behandlungskosten nur für den September abrechnen – diese liegen bei etwa 4000 bis 5000 Euro. Hierfür werden die Spenden genutzt. Hoffmann schlägt vor, das übrige Geld Kampfhunden im Tierheim Bergedorf zugute kommen zu lassen.
