Elisabethfehn - Auf dem Fluss spiegelt sich das Licht der Sonne. Das Wasser hinter dem Gefährt beginnt zu plätschern. „Ich sitze auf einem Fahrrad, jedoch handelt es sich dabei nicht um ein normales Fahrrad.“ Worauf NWZ-Praktikantin Lourdes Ehli hier sitzt, ist ein sogenanntes Rad2Kat. Das Ungewohnte daran ist, dass es sich nicht auf dem Land fahren lässt sondern auf dem Wasser.
Die Geschichte des ungewöhnlichen Wasserfahrzeugs begann vor einigen Jahren. Der damalige Vorsitzende der Bürgerinitiative „Rettet den Elisabethfehnkanal“, Henning Schünemann, ist an Peter Herrmann herangetreten, mit der Frage, wie der Elisabethfehnkanal zu retten sei. „Wir haben ein paar Ideen entwickelt und sind so auf das Rad2Kat gekommen“, erklärt der Erlebnispädagoge und Eigentümer der PP13 Paddel- und Pedalstation Strücklingen.
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Insgesamt gehören vier Rad2Kat zu seiner Flotte. „Wir haben sie voriges Jahr zum Teil über Werbung finanziert, seit Juli sind sie jetzt aktiv.“ Gerne würde er noch weitere der Konstruktionen bauen, wenn sich dafür noch ein paar Sponsoren finden lassen würden. „Die Kapazität hab ich noch“, so Herrmann.
In Pedale treten
Es sei wie normales Fahrrad fahren, sagt der Erlebnispädagoge, nur halt auf dem Wasser. Es muss in die Pedale getreten werden, damit sich die Schraube dreht. Gesteuert wird wie gewohnt über den Lenker, „nur beim Bremsen gibt es einen extra Trick“, sagt Herrmann, den verrät er allerdings nur denjenigen, die sich auf das „Wasserfahrrad“ schwingen.
Damit man beim Fahrradfahren auf dem Wasser nicht untergeht, sind links und rechts zwei Poller angebracht. Das Fahrrad selbst steht auf einer Plattform und ist vorne und hinten an der Konstruktion befestigt. Es ist wie ein Katamaran aufgebaut, und daher auch der Name, „vom Fahrrad zum Katamaran: Rad2Kat“, erklärt Herrmann. Dabei können entweder die eigenen Fahrräder mitgebracht werden oder er selbst stellt welche zur Verfügung. Auch für etwas größere Kinder ist die Konstruktion geeignet, „ein 24er Fahrrad haben wir schon darauf befestigt“.
Für die 17-jährige Lourdes Ehli war das Gefährt auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich: „Als ich das Gefährt sah, fand ich die Idee, die dahinter steckt, sehr amüsant. Von einem Steg aus, der ins Wasser führt, konnte ich auf das Rad2Kat aufsteigen. Der Aufstieg verlief etwas wackelig, zumindest musste man sehr darauf achten, wohin man den ersten Schritt macht, da ansonsten der Fuß etwas nass werden könnte. Als ich dann auf dem Fahrrad saß, fühlte ich mich wie auf einem ganz normalen Fahrrad, nur, dass ich mich dieses Mal nicht auf dem Land, sondern auf dem Wasser befand.“
Untergegangen oder zur Seite weggekippt ist bisher aber niemand, dies sei auch nicht möglich, versichert Erlebnispädagoge Herrmann. Nur einmal hat jemand einen nassen Fuß bekommen, weil er statt auf die Plattform auf die Spitze eines der Poller getreten ist.
Anders als auf dem Land
Das Feedback der Leute sei durchweg positiv, wie Hermann sagt: „Die Leute haben Spaß.“ Allerdings musste im vergangenen Jahr noch einmal Hand an die Wassergefährte angelegt werden, denn es gab ein Lautstärkeproblem. Ein paar Damen hätten gesagt, man müsse stillstehen, wenn man sich unterhalten wolle, so Herrmann. Das Problem war der Antrieb, dessen Schwingungen vom Rahmen aufgenommen wurden. Doch dieses Problem ist bereits gelöst.
„Es ist mal etwas völlig anderes. Man muss sich aber darauf einstellen, dass es auf dem Wasser anders ist, als auf dem Land“, sagt Hermann und bringt auch direkt ein passendes Beispiel: „Mit einer Ente kann ich auf der Autobahn 100 Km/h fahren, bau ich den Motor aber aus und an ein Boot, fahre ich damit auch nur 10 Km/h. Diese Ruhe, darauf muss man sich einstellen.“
Besonderer Effekt
Für Lourdes Ehli hatte die kleine Tour einen ganz besonderen Effekt: „Die Aktivität an sich wirkte auf mich sehr entspannend, zumal noch die idyllische Atmosphäre dazu beitrug. Ebenfalls als angenehm empfand ich das Plätschern des Wassers, wenn ich begann, in die Pedale zu treten. Bei schnellerer Geschwindigkeit konnte dies jedoch etwas laut werden. Insgesamt hatte ich bei dieser Aktion sehr viel Spaß. Meiner Meinung nach ist dies ebenfalls eine Aktivität für junge Leute, da man sich bei schönem Wetter draußen befindet und gemeinsam Zeit verbringen kann. Das Absteigen verlief wie der Aufstieg etwas wackelig und war deswegen mit Vorsicht zu genießen.“
Bisher bietet Herrmann eine Route mit den Rad2Kat an. Ein Traum von ihm: Eine typisch ostfriesische Strecke von Dreibrücken in Richtung Küstenkanal mit der Klappbrücke bei der Oltmann-Strenge-Straße und einer Schleuse zu gestalten. Das wäre ein besonderes Erlebnis, wie er findet.
