Navigation überspringen
nordwest-zeitung

Drei Segelschiffe In Brake Wie zu Kaisers Zeiten neue Segler heranwuchsen

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Hans J. Ryszewski

Elsfleth - Auf einem kleinen schwarz-weißen Foto an der Elsflether Kaje sind die drei Segler des Deutschen Schulschiff-Vereins zu sehen: aufgereiht liegen die beiden Vollschiffe „Großherzogin Elisabeth“, „Prinzess Eitel Friedrich“ und die Bark „Großherzog Friedrich August“ auf der Hunte.

Das ist lange her und erinnert viele Elsflether wehmütig an die Zeit, als an der Kaje noch ein reges Kommen und Gehen herrschte. Vor mehr als 100 Jahren bot sich in Elsfleth eine neue Attraktion. Denn in ihrem Liege- und Ausrüstungshafen boten die drei stolzen Segelschiffe 1914 einen wunderbaren Anblick. Wie es dazu kam, dass Elsfleth Stützpunkt dieser Windjammer wurde, und was das mit Großherzog Friedrich August von Oldenburg zu tun hat, ist mittlerweile bekannt.

Zenit überschritten

Um die Jahrhundertwende (1900) zeichnete sich ab, dass die große Zeit der Segelschifffahrt ihren Zenit überschritten hatte. Damit einhergehend verschwanden auch die Ausbildungsstätten für die Seeleute und Patentinhaber, die für ihre Qualifizierung Segelschiffserfahrung nachweisen mussten. Die deutsche Handelsflotte benötigte jährlich einen Nachwuchs von 2000 Jungen. Die Ausbildung war so gegliedert, dass ein Vollmatrose 24 Monate Seefahrtzeit auf einem Segelschulschiff nachweisen musste, um nach dem Schiffsjungen und Leichtmatrosen zum Vollmatrosen befördert werden zu können. Der Patentinhaber benötigte zwölf weitere Monate Segelschifffahrtzeit. Diese Seefahrtzeiten auf Segelschiffen waren mit den verringerten Einheiten nicht mehr zu gewährleisten. Man suchte einen Weg, um die weiteren Qualifizierungsstandards einzuhalten, auch um international wettbewerbsfähig zu bleiben.

Aus diesem Grunde fand am 13. Januar 1900 ein Treffen in Berlin statt, an dem Persönlichkeiten aus Handel, Wirtschaft, Verkehr und Staat sich einfanden um über Abhilfe zu beraten. Den Vorsitz führte, aufgrund seiner Fachkompetenz und Ausbildung im Seemännischen Bereich, der Großherzog von Oldenburg. Dieses Treffen mit ihren fachspezifischen Beratungen führten dann zur Gründung des Deutschen Schulschiff-Vereins (DSV) in Bremen.

Seeleute gesucht

Der neu gegründete Deutsche Schulschiff-Verein (DSV) stellte sich die Aufgabe, segelnde Schulschiffe in Fahrt zu bringen, um den deutschen Reedereien weiterhin seemännisch qualifiziertes Personal zur Verfügung zu stellen. Ziel des DSV war es nicht, nur nautischen Offiziersnachwuchs auszubilden, sondern eine breite seemännische Ausbildung anzubieten, die sowohl den Schiffsjungen wie Kadett (Offizier-Anwärter) einbezog.

Ausbildung an Bord

Die Werbung für den vorgenannten Seemannsberuf wurde reichsweit geführt und hing in allen Arbeitsämtern aus. So hoffte man, junge Schulabgänger für den Beruf zu gewinnen. Den Eltern wurde die Entscheidung erleichter durch zum Teil kostenfreie Stellen und die Aussicht, eine gute Ausbildung für ihre Söhne zu erhalten. Die Ausbildung an Bord der Schulschiffe war umfassend angelegt; sie bezog den Abiturienten als Kadett (Offizier-Anwärter) und späteren nautischen Offizier wie auch den Schiffsjungen (Zögling), in einer zwei- bis dreijährigen Ausbildung zum Matrosen für eine Seefahrtzeit auf Segelschiffen und Motorschiffen, ein.

Die straffe, fast halbmilitärische Ausbildung und Uniformierung sowie die konsequente Anleitung zur Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Gründlichkeit und die Hebung zum Ehrgefühl, machten diese Schiffsjungen, Leichtmatrosen und Matrosen, in Verbindung mit ihrer gründlichen Ausbildungen im Führen kleiner Boote und aller seemännischen Arbeiten, zu bevorzugtem Personal in der Kaiserlichen Marine und Reedereien in der weltweiten Kauffahrteischifffahrt.

Um die Nutzung des Schulschiffes effektiv für die Handelsflotte zu gestalten, wurde es für 200 „Zöglinge“, so die damalige Bezeichnung des DSV für die jugendliche Besatzung eines Schiffes, ausgelegt. 200 Ausbildungsplätze hielten die Kosten für den Verein in Grenzen.

Hohe Kosten

Die jährlichen Betriebskosten beliefen sich auf 190 000 Mark. Die Eltern zahlten 250 Mark Pensionsgeld im Jahr und ein einmaliges Kleidergeld von 120 Mark für die einheitlich gelieferten Marineuniformen und für die seemännische Ausrüstung. Die Eigenkosten für den DSV berechnete man mit 328 Mark pro Zögling. Die Differenzsumme brachten Spenden und die Beiträge der Mitglieder auf. Auf dieser Basis war eine ausgeglichene und wirtschaftliche Nutzung möglich.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Nach Zündung der beiden Sprenglandungen sackte der Kran zusammen und fiel wie geplant zu Boden.

RHENUS MIDGARD Kran im Nordenhamer Hafen gesprengt

Nordenham
Zieleinlauf beim Matjeslauf in Emden 2023

VOLKSLÄUFE IM NORDWESTEN IM JUNI – TEIL 1 Von 5 Kilometer bis 6 Stunden – Elf Startgelegenheiten bis zu den Sommerferien

Mathias Freese
Nordwesten
Sind in diesem Sommer früh wieder gefordert: Jan Urbas (links) und Nicholas Jensen

FISCHTOWN PINGUINS Erfolge bescheren Bremerhavener Eishockey-Team dichten Terminplan

Hauke Richters
Bremerhaven
Nimmt im Sommer erstmals an den Olympischen Spielen teil: der Oldenburger Jannis Maus

„ICH WILL MÖGLICHST VIEL AUFSAUGEN“ Oldenburger Kitesurfer Jannis Maus fiebert Olympia-Premiere entgegen

Niklas Benter
Oldenburg
Mit Bildergalerie
Da wird die Deckenlampe zum Duschkopf: Das Wasser kommt durch die Decke und läuft an den Wänden hinunter.

ALBTRAUM-WOHNUNG IN WESTERSTEDE Bei jungem Paar strömt das Wasser aus der Deckenlampe

Anke Brockmeyer
Westerstede