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nordwest-zeitung

Elsflether Begrüßen Vorschlag Der Eu-Kommission Wie Kupfergeld für viele zur Last wird

Sarah Schubert

Elsfleth - Für Andreas Kramp aus Elsfleth steht fest: „Die Ein- und Zwei-Cent-Münzen können abgeschafft werden.“ Wenn er beim Einkauf Kupfergeld zurück erhält, verweilt es zunächst im Portemonnaie, bevor es letztendlich in der Spardose landet. Und das lästige Klimpergeld vermehrt sich stetig – denn an der Kasse lange nach den passenden Cent-Beträgen suchen, kommt für ihn nicht in Frage.

So wie Andreas Kramp geht es vielen. Der Geldbeutel wird schwerer und schwerer, der Reißverschluss lässt sich kaum noch schließen. Doch ein Vermögen befindet sich meist nicht darin. Letztendlich landen viele Cent-Münzen in Spar- oder Spendendosen.

Abschaffung

Das Vorhaben der EU-Kommission, Ein-und Zwei-Cent-Münzen abzuschaffen, stößt in der Politik auf geteilte Meinungen. Einheitliche Rundungsregeln, wie sie bereits in anderen EU-Staaten angewandt werden, würden in Elsfleth jedoch viele begrüßen. So auch Franziska Jenschewski, Verkäuferin beim Bäckermeister Haferkamp. „In Holland funktioniert das Konzept ja schon“, sagt sie. Dessen Umsetzung wünsche sie sich auch hierzulande.

Die Kupfermünzen bereitzustellen, scheint für die Bäcker-Kette mit viel Aufwand verbunden zu sein. „Wir müssen abends das Kleingeld an die Büros schicken und bekommen dann am nächsten Tag wieder Kleingeld zurück“, erklärt die Verkäuferin, „dabei werden uns häufig keine Ein-und Zwei-Cent-Stücke mitgeschickt, sondern nur auf Nachfrage.“

Langfristiges Ziel

So kommt es, dass sich die Verkäuferin häufig gezwungen sieht, die Kunden um Cent-Stücke zu bitten. Dabei würde sie sich wünschen, dass das Klimpergeld ganz aus ihrem Alltag verschwindet.

Im Tankshop der Renault-Tankstelle sind viele Preise bereits gerundet. Aushilfe Sonja Grube sieht trotzdem immer wieder Kunden, denen das Portemonnaie vor lauter Cent-Stücken überquillt. „Aber alles aufzurunden ist schwierig, manche Kunden gehen dann doch vielleicht woanders einkaufen, weil sie die Cent-Beträge sparen wollen.“ Sonja Grube selbst würde lieber einen Euro statt 99 Cent bezahlen, aber das sei längst nicht bei allen der Fall.

Gewöhnungssache

Auch die Mineralölgesellschaften müssten so über kurz oder lang runde Summen anbieten. „Es wird mit Sicherheit auch Herausforderungen geben, beispielsweise mit dem Eichamt“, sagt der Inhaber. Trotzdem wünscht er sich, dass die Regierung auf das Kupfergeld verzichtet.

Den Meinungen kann sich auch Gisela Lagerin, Inhaberin des Edeka Marktes in der Hafenstraße, nur anschließen. „Irgendwann wird es passieren, dann wird alles gerundet“, sagt sie. Doch diese Umstellung müsse ganzheitlich geschehen und nicht vereinzelt. „Manche Leben eben doch noch nach dem alten Sprichwort ’Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert’“, betont Gisela Lagerin. „Die Kunden sind sehr sensibel, es müsste zunächst erstmal in die Köpfe rein“, fügt sie hinzu. Wenn es die Ein- und Zwei-Cent-Stücke nicht mehr gebe, müssten sich auch die Kunden zwangsläufig an gerundete Preise gewöhnen.

Verlustgeschäft

Die verhältnismäßig hohen Herstellungskosten des Kupfergeldes bekommt auch die Edeka-Inhaberin zu spüren. Die Herstellungskosten des Ein-Cent-Stückes übersteigen den eigentlichen Wert des Geldstücks. Deshalb muss auch Gisela Lagerin mehr für eine Rolle Ein-Cent-Stücke zahlen als eigentlich darin enthalten ist. „In der Rolle befinden sich immer 50 Ein-Cent-Stücke, ich zahle für eine Rolle aber weitaus mehr als 50 Cent“, erklärt die Inhaberin.

Einig sind sie sich alle: Die Cent-Stücke braucht eigentlich keiner. Gegen das auf- oder abrunden scheint es weder aufseiten der Kunden noch der Unternehmer große Einwände zu geben. Doch nur geschlossen lässt sich etwas bewegen – also ist wohl doch die EU-Kommission am Zuge.

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