Elsfleth - Wer lungert denn da im Vorgarten von Lena und Eduard Nickel in Elsfleth rum? Da ist dieser hässliche Typ mit ausgeprägter Vorliebe für schwarze Klamotten, ungesunder Gesichtsfarbe gepaart mit einigen Platzwunden, gelben Augen und wirklich, wirklich ungepflegten Zähnen. Seine Bekannte daneben sieht nicht besser aus, irgendwie tot. Spinnweben überlagern das Ganze, kunstvoll kreiert von fiesen Spinnen mit fetten, schwarzen Körpern, die auf der Lauer nach etwas Leckerem liegen. Und wer oder was baumelt da eigentlich am Galgen?
Das Haus an der Pazifikstraße 7 in Elsfleth ist ein Haus des Schreckens, des Grauens, des Todes. Wer hier an der Tür klingelt und „Süßes oder Saures“ verlangt, der muss mutig sein. Zumindest ein bisschen. Denn Lena Nickel hat sich zwei Wochen lang viel Mühe gemacht, aus ihrem normalerweise heimeligen, freundlichen Familiensitz ein Grusel-Haus zu machen. Aber am Donnerstag ist Halloween und Halloween ist Ausnahmezustand.
So wie es im Vorgarten von Familie Nickel aussieht, geht es in Küche und Wohnzimmer weiter: Wer sich am Tod vorbei ins Haus durchgeschlagen hat, der muss an „Edgar“ vorbei. Auch der gehört ins Reich der Toten, traut sich an Halloween unter die Lebenden und ist mit einem Bewegungsmelder ausgestattet, damit er Rabatz machen kann, wenn jemand vorbeikommt.
„Agatha“ ist auch keine natürliche Schönheit, gehört zur Kategorie „mehr tot als lebendig“. Sie fristet ihr Dasein unter der Familientreppe in einem Rollstuhl.
Kurz lässt Lena Nickel beim Besuch der NWZ ihren Blick auf dem Rollstuhl ruhen. Vor zwei Jahren brauchte sie ihn selbst, als sie schwer an Krebs erkrankt war, und während ihrer Therapie nicht gut laufen konnte. Lena Nickel ist erst 33 Jahre alt. Sie hat dem Tod damals tief in die Augen blicken müssen und ihm dann ins Gesicht gelacht. Weil das so ihre Art ist, weil sie ein durchweg positiver Mensch ist und weil sie sagt, dass die Auseinandersetzung mit Krankheit und Tod ihr Leben viel besser gemacht habe. „Bei uns steht immer das Leben im Vordergrund, das Jetzt“, sagt die Elsfletherin. Und zum Leben gehöre für sie Halloween dazu – mit dem Tod, mit allem Grusel, allem Schrecken, allen Klischees und dem richtigen Soundtrack, der über die Straße hallt.
Lena Nickel freut sich schon immens auf hoffentlich viele Besucher, die am Donnerstag an ihrer Tür klingeln, um „Süßes oder Saures“ zu ergattern. Wer sich traut, darf sich auch im Haus umsehen. Die Party dort beginnt um 16 Uhr. Es darf sich aber niemand wundern, wenn es bluttriefende Muffins und abgehackte Finger auf dem gedeckten Tisch gibt.
Erstaunlich ist, dass Lena Nickel früher Halloween „blöd“ fand, aber ihre Kinder Linda und Lars, damals fünf und vier Jahre alt, waren vom Halloween-Laufen durch die Nachbarschaft nicht abzubringen. Also wurde das eigene Heim zaghaft geschmückt. „Ein ausgehöhlter Kürbis und verniedlichte Geister: Das war der Anfang.“ Heute sind die Kinder zwölf und elf Jahre alt. Und so wurde es von Jahr zu Jahr mehr mit der Deko und schauriger im Hause Pazifikstraße 7.
Aber das gilt nur bis Donnerstagabend. Danach befindet sich an der Adresse wieder das Familiendomizil Nickel mit all seiner Gemütlichkeit. Das gilt bis Weihnachten. Dann liegt der Verdacht nahe, dass es sich um einen Zweitwohnsitz des Weihnachtsmannes handeln könnte.
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