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NWZonline.de Region

Die Problemlöser aus Südoldenburg

11.09.2019

Essen /Oldb. Was hat der Landwirt aus dem Münsterland mit der Kläranlage in Nordamerika gemeinsam? Mit dem Weingut in Italien, der Biogasanlage in Frankreich, dem Geflügelverarbeiter in Großbritannien und mit der Deutschen Bahn? Sie alle nutzen Technik von Vogelsang. Wenige Mittelständler haben so vielfältige Abnehmer wie das Maschinenbauunternehmen aus Essen/Oldb. im Kreis Cloppenburg.

Dabei war solch ein illustrer Kundenkreis anfangs nicht abzusehen. Denn gegründet wurde das Unternehmen 1929, vor genau 90 Jahren, als Sägewerk. In Löningen-Bunnen machte sich Hugo Vogelsang damals einen Namen mit Waschbehältern für Milchkannen, Futtersilos und Holzfässern. 1960 übernahm sein Sohn Helmut die Firmenleitung, fünf Jahre später verlegte er den Stammsitz ins wenige Kilometer entfernte Essen. Holzfässer, genauer gesagt, Jauchefässer, blieben auch dort zunächst das wichtigste Produkt.

Schon früh Neuheiten entwickelt

Dann aber änderten sich die Rahmenbedingungen im Markt. „Mit dem Aufkommen der Vakuumfässer fehlte eine Möglichkeit, das Holzfass voll zu machen“, beschreibt Harald Vogelsang, heute kaufmännischer Geschäftsführer, die Herausforderung, vor der sein Vater damals stand.

Doch der wusste sich zu helfen. 1970 kon­struierte Helmut Vogelsang eine Verdrängerpumpe. „Die Entwicklung der Pumpe war im Grunde genommen eine Notlösung, um das Holzfass als Produkt zu retten“, sagt Harald Vogelsang. Zwar baute die Firma auch danach zunächst noch weiter Holzfässer, die Erfindung der elastomerbeschichteten Drehkolbenpumpe leitete allerdings einen Wandel vom holz- zum metallverarbeitenden Betrieb ein.

Angetrieben durch den Erfolg mit den Pumpen, widmete sich Vogelsang in den Folgejahren auch der Verteiltechnik für die Gülle und erfand 1980 die Schleppschlauchtechnik als effiziente und umweltschonendere Ausbringtechnik. „Im Prinzip haben wir aus den alten Märkten heraus immer wieder Ideen und Produkte entwickelt und dadurch sowohl unsere Produktdimension erweitert als auch neue Märkte erschlossen“, sagt Harald Vogelsang. „Wir leben von Innovationen“, betont der 57-Jährige. „Und wir sind so etwas wie Problemlöser. Wir sind gut darin, Probleme der Kunden aufzugreifen und dann eine Lösung zu entwickeln.“

Wenn der Geschäftsführer den Markt des Unternehmens darstellen will, greift er gern zu einem dreidimensionalen Modell. „Es gibt Produkte, es gibt Marktsegmente, und es gibt Länder“, sagt er. „Und auf alle drei Dimensionen richten wir unseren Fokus. Wir entwickeln also immer wieder neue Produkte, wir erforschen intensiv, auf welchen weiteren Märkten wir unsere Produkte unterbringen können, und wir arbeiten weiter daran, internationale Märkte aufzubauen“, erläutert Vogelsang.

Breit aufgestellt

Tätig ist das Unternehmen heute in fünf großen Segmenten. Erstens ist das die Agrartechnik und hier insbesondere die Gülletechnik. Eng daran angelehnt ist der Bereich Biogastechnik. Das dritte Segment ist der Bereich Abwasser, insbesondere Technik für Kläranlagen und Kanalisationen. Vierter Markt ist der Bereich Verkehrstechnik/Transportation. Dazu zählen Servicetechnik sowie Ver- und Entsorgungstechnik für Bahnen, Busse und Boote. Der fünfte Markt ist mit Industrie überschrieben. Dazu gehören Industriepumpen und Zerkleinerer, die in der Öl- und Gasindustrie, aber auch in der Chemie, im Lebensmittelsektor oder beim Recycling eingesetzt werden.

Bei den Produkten setzt Vogelsang erstens auf den Bereich Pumpen und Pumpensysteme. Zweiter Schwerpunkt sind Zerkleinerer und Separatoren. Ein dritter Bereich sind Desintegrationssysteme für Biogasanlagen und Klärwerke. Weitere Bereiche sind Produkte zur Ausbringtechnik, vom Schleppschlauchgestänge, über den Exaktverteiler bis zur Bodenbearbeitung, Feststoffdosierer, Ver- und Entsorgungssysteme für Bahnen, Busse und Boote sowie Lösungen zur Zug- und Businnenreinigung.

Obwohl Vogelsang-Technik in so vielen unterschiedlichen Branchen genutzt wird, taucht der Name nur in den seltensten Fällen auch sichtbar auf. „Wir sind immer unter der Haube, uns nimmt man in der Regel gar nicht wahr“, sagt Vogelsang. „Wenn Sie in der Bahn die Toiletten benutzen, dann kommen Sie am Ende auch mit Vogelsang-Technik in Berührung – nur merken werden Sie es nicht.“ Denn mit der Toilettenanlage im Zug selbst hat Vogelsang nichts zu tun. „Wir kommen mit unserer Technik erst ins Spiel, wenn es um das Entsorgen der Abwässer, die Tankentleerung, sowie das Versorgen mit Frischwasser geht.“

Wie hoch ist der Auslandsanteil?

Im Hinblick auf die dritte Dimension, die Länder, setzt Vogelsang auf Auslandsexpansion. „Heute haben wir 60 Prozent Auslandsanteil – Tendenz steigend“, sagt er. Mit Tochtergesellschaften ist man weltweit vertreten: in fast allen Ländern Europas, in den USA, Brasilien, China, Indien, Dubai und Australien.

Diese Bandbreite an Produkten, Segmenten und Ländern ist kein Zufall, sondern ergibt sich auch aus der Strategie. „Es ist einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren und auch ein Stabilitätsmerkmal dieser Firma, dass wir so breit aufgestellt sind“, sagt er.

Zudem sei die breite Aufstellung auch ein Risikoausgleich. Denn immer wieder gebe es Märkte, die schwächeln oder gar wegbrechen, so etwa vor einigen Jahren der Biogasmarkt in Deutschland. Und dann sei es gut, wenn es durch andere florierende Bereiche kompensiert werden könne, so Vogelsang: „Ich hätte furchtbar Angst davor, von irgendeinem Ding allein abhängig zu sein – sei es ein Produkt, ein Marktsegment oder ein Land.“

Allerdings bringt diese breite Aufstellung auch Herausforderungen mit sich. „Allein diese Vielfalt in Segmenten, Produkten und Ländern erzeugt eine große Komplexität“, sagt Vogelsang. „Beispiel: Wenn bei uns ein neues Produkt rausgeht, dann müssen wir zurzeit eine Betriebsanleitung in 28 Sprachen erstellen, und es werden ständig mehr.“

Unterm Strich ist es den „Problemlösern“ aus Essen in den vergangenen Jahren indes ziemlich gut gelungen, die Komplexität zu beherrschen. Denn Vogelsang hat einen rasanten Wachstumskurs hingelegt. Der Umsatz hat sich innerhalb von 20 Jahren mehr als verzehnfacht. 2018 lag er bei 112 Millionen Euro – sechs Prozent mehr als 2017. Ähnlich rasant entwickelte sich die Mitarbeiterzahl. Aktuell sind für Vogelsang 959 Mitarbeiter tätig, davon 695 in Deutschland – vor allem in Essen sowie am zweiten Standort in Rothenschirmbach (Sachsen-Anhalt).

Und auch 2019 Jahr trotzt Vogelsang den Schwierigkeiten, mit denen viele Maschinen- und Anlagenbauer zurzeit zu kämpfen haben. „Wir sind auch in diesem Jahr auf Wachstumskurs und rechnen mit einem Umsatz von rund 120 Millionen Euro“, sagt er.

Das Unternehmen passt sich diesem Wachstumskurs an: mit immer neuen Ideen, neuen Märkten, neuen Bauten und einer breiteren Führung. Seit Ende Februar ist die Geschäftsführung auf drei Köpfe gewachsen. Zu Harald Vogelsang und seinem Bruder Hugo (58), die beide schon seit den 90er-Jahren das Familienunternehmen in dritter Generation führen, ist der Franzose David Guidez (44) hinzugestoßen.

„Diese Erweiterung ist unserer Größe geschuldet“, sagt Harald Vogelsang. Während sich der Di­plom-Kaufmann vor allem um den Vertrieb kümmert, ist Hugo als Maschinenbauingenieur für die technische Seite, für Forschung und Entwicklung, zuständig. Guidez wiederum, der seit über 20 Jahren in Deutschland lebt, widmet sich dem Bereich „Operations“, also der Produktion und den Geschäftsprozessen rings um den Vertrieb.

Außer in Köpfe investiert Vogelsang auch in Bauten. In Essen hat das Unternehmen gerade eine neue Produktionshalle mit mehr als 4300 Quadratmetern ausgebaut, die noch in diesem Jahr voll in Betrieb gehen soll. In der CNC-Halle, in die Vogelsang vier Millionen Euro investiert hat, sollen Präzisionsbauteile für Pumpen, Zerkleinerungstechnik und Feststoffdosierung gefertigt werden.

Und auch in Sachen neuer Produkte, Segmente und Länder verfolgt Vogelsang schon einige Ideen. „In jeder Dimension gibt es Pläne – nur verraten möchte ich die heute noch nicht“, sagt er schmunzelnd. Eines dürfte aber sicher sein: Der ohnehin schon vielfältige Kundenkreis dürfte in den kommenden Jahren weiter wachsen.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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