Fedderwardersiel - „Fed 12“ hatte ein großes Transparent mit der Aufschrift „Willkommen Heimat“ am Mast hängen. Raketen stiegen in den Himmel auf. Und als der stolze Eigner – die anderen Kutter im Gefolge – in den Hafen einfuhr, legte die Sonne wie auf Bestellung einen Untergang wie aus dem Bilderbuch hin.
So geht eine gelungene Begrüßung. Sie galt dem 26-jährigen Lennart Wefer, der aus dem Kutter-Quintett im Fedderwardersieler Hafen gerade ein Sextett gemacht hat. Mit der 20 Meter langen „Heimat“ wird der Spross einer alteingesessenen Butjenter Fischerfamilie künftig seine Brötchen verdienen. Und als ob es nicht schon reichen würde, dass Lennart Wefer mit gerade mal 26 Jahren Eigner eines Krabbenkutters ist, steht direkt nach der Überführung des Schiffs noch ein zweites wichtiges Ereignis an: Am Freitag heiratet er seine langjährige Freundin Karina Figule.
In vierter Generation
Lennart Wefer ist Fischer in der vierten Generation. Für ihn stand schon als Kind fest, dass er in die Fußstapfen seines Vaters Manfred, seines Großvaters August und seines Urgroßvaters August treten würde. „Ich hab nie auch nur daran gedacht, etwas anderes zu machen“, sagt der Burhaver. Mit der Natur zu leben und zu arbeiten, die Freiheit auf See zu genießen, das reizt ihn an seinem Job.
Nach der Grundschule in Burhave besuchte Lennart Wefer ein Jahr die Zinzendorfschule in Tossens, machte dann am Schulzentrum am Luisenhof in Nordenham seinen Realschulabschluss und heuerte auf der „Rubin“, dem Kutter seines Vaters, an um die Ausbildung zum Fischwirt in der kleinen Hochsee- und Küstenfischerei zu beginnen.
Drei Jahre dauerte die Ausbildung, ein Jahr fuhr Lennart Wefer als Geselle auf der „Rubin“. Dann drückte er erneut die Schulbank, nämlich die der Fischereischule in Rendsburg. Dort erwarb er Ende 2013 sein Kapitänspatent und kurz darauf seinen Fischwirtschaftsmeister, der ihn berechtigt, auf auszubilden. Danach ging es zunächst zurück auf die „Rubin“.
Nun hat Lennart Wefer ein neues Kapitel aufgeschlagen – das Kapitel Selbstständigkeit. Wenn nicht jetzt, wann dann, hatte sich der junge Mann gesagt und sich auf die Suche nach einem Kutter gemacht. Fündig wurde er in Greetsiel. Dort stand die 1977 gebaute „Friedrich Conradi“ zum Verkauf. Lennart Wefer hatte noch ein zweites Schiff zur Auswahl, das in Wremen lag. Er entschied sich aber für die „Friedrich Conradi“. Die trägt nun den Namen „Heimat“ – genau so wie der Kutter seines Urgroßvaters. Und auch mit der Kennung „Fed 14“ ist Lennart Wefer sehr glücklich – das erste Schiff seines Großvaters trug sie ebenfalls. So bleibt alles in der Familie.
Gespür und Erfahrung
In der Regel ist Lennart Wefer zwei Tage unterwegs, wenn er zum Krabbenfischen rausfährt. Jetzt im Winter sind die Wege weiter , weil sich die Krabben weiter draußen aufhalten. Dann kann es vorkommen, dass der Butjenter bis vor die nordfriesischen Inseln fahren muss. Anders als Fische lassen sich Krabben im Meer nicht orten. Erfahrung und ein gutes Gespür sind notwendig, um sie zu finden. Wem das als erstes gelingt, der fängt am meisten.
Völlig ungefährlich ist der Job des Fischers nicht. Karina Figule macht sich dennoch keine großen Sorgen, wenn ihr Zukünftiger zum Fischen aufbricht. Sie war schon einige Male mit an Bord. „Ich weiß, dass er seinen Job versteht und dass er auf See keine Risiken eingeht“, sagt die 24-Jährige, die im Familienferienzentrum in Burhaversiel als Köchin tätig ist.
Lennart Wefer und seine Karina lernten sich vor sechs Jahren über eine Handy-App kennen. In wenigen Tagen werde sie ein Ehepaar ein. Am Freitag findet im Rathaus erst die standesamtliche, anschließend dann in Burhave die kirchliche Trauung statt. Dann geht’s zum Snowboarden nach Österreich.
Und am 5. März, einem Dienstag, wird Lennart Wefer zum allerersten Mal mit seinem eigenen Kutter auf Krabbenfang gehen. Den Dienstag hat er ganz bewusst gewählt. Denn das ist ein alter Fedderwardersieler Aberglauben: An einem Montag startet kein Fischer in eine neue Saison.
