Forlitz-Blaukirchen - Ein kühler Windhauch streicht am Mittwoch über die Warft an der Blaukirchener Friedhofsstraße in Blaukirchen (Gemeinde Südbrookmerland). Der Blick der 100 Trauernden geht weit, sehr weit – bis zum Großen Meer. Doch gegen 14 Uhr schauen alle auf Claus Dreier und Anita Schürmann. Die beiden Pastoren haben eine Trauerfeier für Werner Bodeit vorbereitet.

Der 56-Jährige ist am 5. August in Forlitz-Blaukirchen gestorben. Der gebürtige Berliner ist seit seinem Ausstieg aus der Gesellschaft vor 16 Jahren mit einem Karren und fünf Hunden durch Friesland und Ostfriesland gezogen, übernachtete in Buswartehäuschen und zog die Blicke vieler auf sich. Auch in Neuenburg und Grabstede war er über Jahre immer wieder unterwegs. Im Herbst 2018 ist er erstmals vorübergehend sesshaft geworden – in einer Übergangswohnung in Forlitz-Blaukirchen. Dafür, dass er dort auch beerdigt werden konnte, hat sich die Dorfgemeinschaft eingesetzt.

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Gabriele Boschbach
Forlitz-Blaukirchen

Die Zeremonie auf dem kleinen Friedhof ist bewusst schlicht, aber würdevoll gehalten. Claus Dreier und Anita Schürmann finden die richtigen Worte, um das Wesen des Verstorbenen zu beschreiben: „Mit seiner inneren Wärme hat er Menschen berührt. Wir haben Anteil genommen an seinem Weg. Er war ein kluger, belesener Mensch.“ Und eben auch einer, der frei leben wollte. „Systeme waren ihm suspekt. Freiheit kommt ohne aus. Ohne Ordnungen. Ohne Dogmen.“ Die Rede der beiden Pastoren wird immer wieder unterbrochen durch Einspielungen des Songs „Parkbank“ der Band Vait: „Ich war mal ein Held, der jetzt langsam zerfällt. Seitdem ist die Parkbank die Mitte meiner Welt“, heißt es dort.

Worte und Musik verfehlen ihre Wirkung nicht. Tränen werden getrocknet, später segeln Rosenblätter in das Erdloch, das am Rande des Gemeinschaftsgräberfeldes ausgehoben worden ist.

Detlev Bobolz und seine Frau haben sich am Mittwoch auch von dem Verstorbenen verabschiedet. Die Riepster fühlten sich wegen der gemeinsamen Liebe zu Hunden mit Werner Bodeit verbunden. Man habe sich oft mit dem Obdachlosen auf einen Kaffee getroffen. „Und dafür musste man sich erstmal anstellen“, sagt der Lkw-Fahrer mit Blick darauf, dass Bodeit, der Ex-Hundeführer bei der Volksarmee war, viele Bekannte hatte. „Die Zeremonie war ergreifend“, sagt Gerd Weber. Der Südbrookmerländer war mit dem Verstorbenen befreundet: „Ein solches Begräbnis hat Werner verdient.“

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Imke Kluth
Aurich

Auch Doreen Bodeit ist aus Berlin zur Trauerfeier gekommen. Die Halbschwester des Obdachlosen spricht davon, dass ihr Bruder sein Leben auf der Straße ohne Scham gelebt habe. Er habe sich nie versteckt, sei auf die Menschen zugegangen.

Aber am liebsten war Werner Bodeit bei seinen Hunden. Claus Dreier erinnerte in seiner Trauerandacht daran, dass im Oktober 2018 Asko gestorben sei, der Lieblingsrüde von Werner Bodeit: „Er war sein Partner, und sein Verlust hat ihn extrem mitgenommen, lebte er doch in einer Art Symbiose mit ihm.“

Für Detlev Bobolz ist es wichtig, dass es den anderen Hunden im Tierheim gut geht. Deshalb spende er – ein letzter Liebesdienst für Werner.