Friesoythe - Es sind noch keine 75 Jahre vergangen, als diese Fotos entstanden. Sie zeigen die fast vollständige Zerstörung der Stadt Friesoythe am 13./14. April 1945. Aufgenommen von kanadischen Soldaten. Die meisten Friesoyther waren zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Welt, und so scheint dieses schreckliche Ereignis kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges so unglaublich weit weg. Doch historisch gesehen ist es nur ein Wimpernschlag.

Es sind Fotos der Zeitgeschichte, die eindrucksvoll zeigen, wie sehr die Stadt Friesoythe im April 1945 am Boden lag. Die Nordwest-Zeitung zeigte in den vergangenen Wochen immer wieder zum größten Teil noch nie veröffentlichte Fotos von der Zerstörung Friesoythes.

Die Stadt wurde im April 1945, ein paar Wochen vor Ende des Zweiten Weltkriegs, vernichtet. Bei einem nächtlichen Überraschungsangriff vom 13. auf den 14. April 1945 durch kanadische Soldaten wurde ein Großteil der Stadt schwer zerstört. Nach der Eroberung rissen die Kanadier die Stadt komplett nieder. Was noch stand, wurde angezündet oder gesprengt. Fast 80 Prozent der Stadt wurden dem Erdboden gleichgemacht. All das ist auf den Fotos dokumentiert.

Dass die Bilder überhaupt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, ist Torben Koopmann vom Albertus-Magnus-Gymnasium Friesoythe und Schulleiter Peter Stelter zu verdanken. Sie nahmen Kontakt mit „Library and Archives Canada“ auf. Nach wochenlanger Korrespondenz schafften es die Friesoyther Lehrer, dass die kanadische Nationalbibliothek mit Sitz in Ottawa die Bilder aus ihrem Archiv freigab. Über 50 Bilder gehören zu dieser einmaligen Sammlung.

Ein Großteil der Fotos fanden sich in den vergangenen Wochen jeden Mittwoch in der NWZ wieder, immer ergänzt mit Geschichten zu den Bildern. Die Motive verwendete das Friesoyther Gymnasium aber auch für die Ergänzung ihrer Ausstellung zur Zerstörung der Stadt 1945. Am vergangenen Samstag konnte man sich die Ausstellung und damit auch die Bilder auf dem Münsterlandtag in Friesoythe anschauen.

Das soll es aber noch nicht gewesen sein, sagt Schulleiter Peter Stelter im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Ausstellung werde auf jeden Fall noch einmal öffentlich gezeigt. Wann genau, stehe aber noch nicht fest – spätestens aber im April 2020 in Erinnerung an die Zerstörung der Stadt vor dann genau 75 Jahren. „In dieser Ausstellung steckt viel Arbeit, aber es hat sich auch wirklich gelohnt“, sagt Stelter. Daher sei es denkbar, dass die Schautafeln mit den vielen Bildern und erklärenden Texten im Gymnasium einen Platz als Dauerausstellung erhalten werden.

Ebenfalls ist angedacht, die Inhalte der Ausstellung als Buch herauszubringen. Stelter könnte sich vorstellen, das Buch durch weitere Perspektiven zu ergänzen. Zum Beispiel durch Schicksalgeschichten einzelner Personen und durch die Beschreibung ganz konkreter Orte im Stadtgebiet. Auch hier sei eine Veröffentlichung des Buches im April 2020 denkbar. Aber wie so oft müsse auch hier erst einmal die Finanzierung gesichert sein.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)