Friesoythe - Der Schock bei der Belegschaft saß tief. Vor rund einem Jahr wurde bekannt, dass die Firma Schinken Einhaus in Friesoythe ab dem 1. Januar 2020 nur noch Geschichte sein würde. „Reinert schließt Standort Friesoythe“, titelte die Nordwest-Zeitung am 14. Februar 2019. Was mit den 87 Mitarbeitern geschehen würde, war zu dem Zeitpunkt noch völlig unklar. Inzwischen gibt es Klarheit.

Die H.&E. Reinert Unternehmensgruppe hat die Schinken Einhaus GmbH & Co. KG an der Schwaneburger Straße in Friesoythe 1998 übernommen. Bis Ende vergangenen Jahres wurden dort Fleisch- und Wurstwaren hergestellt. Im Unternehmensporträt von Reinert steht auch heute noch: „Die Produktionsstätte Schinken Einhaus in Friesoythe steht für Rohschinken in handwerklicher Qualität.“

Dann wurde Mitte Februar das Aus verkündet. Die Ankündigung der Betriebsschließung sei für alle absolut überraschend gekommen, teilte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) damals mit. Gleichzeitig kündigten der Betriebsrat und die Gewerkschaft einen „harten Kampf“ an, um das Beste für die Beschäftigten herauszuholen.

Das Unternehmen selbst bot allen 77 festen Mitarbeitern an, zum Standort in Neuenkirchen-Vörden zu wechseln. Eine Nachfrage bei Reinert ergab, dass dieses Angebot gerade einmal drei Personen angenommen haben. Drei weitere wechselten an den Reinert-Hauptsitz in Versmold. Außerdem habe man nach Unternehmensangaben fünf befristete Verträge auslaufen lassen und etwa fünf Leiharbeitsverträge aufgelöst. Mit den anderen 71 Mitarbeitern habe man sich anderweitig geeinigt.

Vorausgegangen waren Verhandlungen zu einem Interessenausgleich mit dem Betriebsrat und der NGG. Die dort getroffene Regelungen seien für alle Mitarbeiter angewendet worden, teilte der Unternehmenssprecher mit.

Mit dem Ergebnis der Verhandlungen zeigte sich der Geschäftsführer der NGG-Region Oldenburg-Ostfriesland, Matthias Brümmer, rückblickend zufrieden. „Gemeinsam mit dem Betriebsrat ist ein Sozialplan entwickelt worden und es wurde eine vernünftige Lösung gefunden“, sagte Brümmer im Gespräch mit dieser Zeitung. Finanziell habe es sich für die Mitarbeiter ganz gut dargestellt, wurde er noch etwas konkreter.

Er betonte aber, dass man alles gerne ganz anders gehabt hätte, und zwar, „dass der Standort erhalten geblieben wäre“. Bis heute sei es nicht nachvollziehbar, warum die Reinert Unternehmensgruppe die Produktionsstätte geschlossen habe. „Der Standort hätte durchaus Entwicklungspotenzial gehabt“, so der NGG-Geschäftsführer.

Das sah das Versmolder Unternehmen aber ganz anders. Nach eigenen Angaben wollte man „die Effizienz der Produktion erhöhen, um die Kosten zu senken“. Da Reinert noch über fünf weitere Standorte verfügt, bedeutete das im Klartext, dass „Schinken Einhaus“ einfach über war. Die Friesoyther Produktion wurde nach Versmold ausgelagert.

Eine Rückkehr nach Friesoythe scheint für den Fleisch- und Wursthersteller ausgeschlossen. Die Immobilie an der Schwaneburger Straße stehe zum Verkauf, teilte das Unternehmen mit.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)