Friesoythe/Cloppenburg - Größer als Ikea Oldenburg, fast so groß wie fünf Fußballfelder oder 28 Mal so groß wie Aldi Friesoythe – Die Dimensionen wären enorm. Von einer Verkaufsfläche von bis zu 34 000 Quadratmetern ist die Rede. Sollte der österreichische Möbelriese XXXLutz sein Vorhaben tatsächlich realisieren und am Cloppenburger Stadtrand an der B 213 in der Nähe der Abfahrt Stapelfeld einen Markt dieser Größenordnung bauen wollen, wäre das ein Riesenprojekt.
Neben Möbel und Küchen (28 000 Quadratmeter) sollen auf rund 6000 Quadratmetern auch so genannte Randsortimente wie Glas/Porzellan/Keramik/Hausrat und Einrichtungsgegenstände angeboten werden. Doch während man sich in Cloppenburg über die mögliche Millioneninvestition und auch neue Arbeitsplätze freut, reagiert das Umland verhalten. Mehr noch. Laute Kritik wird laut. Zum Beispiel aus Richtung Friesoythe.
„Natürlich wird sich das auf den Einzelhandel in Friesoythe auswirken“, ist Friesoythes Bürgermeister Sven Stratmann überzeugt. „Dies geht eindeutig zu Lasten der gewachsenen Struktur in unserer Region. Örtliche Unternehmen werden darunter leiden“, sagte Stratmann im NWZ-Gespräch.
Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für das Möbelhaus wurde im Auftrag des Landkreises Cloppenburg ein Regionales Einzelhandelskonzept erstellt. Die Stadt Friesoythe hat dazu im Rahmen des Beteiligungsverfahren Stellung bezogen. In der schriftlichen Ausführung, erstellt vom Kölner Rechtsanwalt Professor. Dr. Christian Zeissler, heißt es unter anderem, „dass das Vorhaben in erheblichen Maße überdimensioniert ist“. Es bestehe demnach überhaupt kein Bedarf für so eine große zusätzlich Verkaufsfläche, so Stratmann.
„Konzept zugeschnitten“
Der Friesoyther Bürgermeister hat ohnehin eine eigene Sicht auf das vom Kreis erstellte Einzelhandelskonzept: „Aus meiner Sicht ist das Konzept genau darauf zugeschnitten, um dieses Bauvorhaben realisieren zu können. Hierbei wurden nämlich zum Beispiel die Verträglichkeiten im gesamten Landkreis und im Zusammenspiel mit den Nachbarkommunen unzureichend oder nachteilig berücksichtigt.“ Und das gehe zu Lasten des Umlandes.
Das sieht der Oldenburger Oberbürgermeister Jürgen Krogmann übrigens genauso und warnte in der vergangenen Woche im Rahmen einer Bauausschusssitzung in Oldenburg: „Das Vorhaben hat schädliche Auswirkungen auf die gesamte Region. Für viele Unternehmen hätte diese Ansiedlung existenzielle Konsequenzen“, sagte der Oberbürgermeister. Er befürchte „einen Kannibalismus unter den Möbelhäusern und katastrophale Auswirkungen auch auf die benachbarten Landkreise“.
Auch die Samtgemeinde Werlte hat eine Stellungnahme abgegeben, in der erhebliche Bedenken gegen das Vorhaben in Cloppenburg vorgebracht werden. Die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer soll auch bereits eine Stellungnahme eingereicht haben. Die IHK soll dem Großprojekt dabei ebenfalls kritisch gegenüber stehen.
Falls es tatsächlich einen gesteigerten Bedarf an Möbelangeboten geben sollte, so der Friesoyther Bürgermeister weiter, sollte man aus seiner Sicht die gewachsenen Strukturen, also die über Jahrzehnte aufgebauten und meist familiengeführten Unternehmen, in die Lage versetzen, diesen Fehlbedarf selbst zu decken. „Schließlich sind das die Betriebe aus der Region für die Region. Diese Unternehmen sind diejenigen, die über Jahrzehnte die Trikots für die Vereine oder die Präsentkörbe für Tombolas spenden. Ich stehe jedenfalls voll und ganz hinter unserem stationären Einzelhandel.“
Reaktion auf Mutlu-Kritik
Bürgermeister Stratmann hatte auch schon Ende Januar öffentlich Kritik an dem neuen Projekt und dem Regionalen Einzelhandelskonzept des Landkreises Cloppenburg geübt. Das Cloppenburger FDP-Stadtratsmitglied Yilmaz Mutlu reagierte mit scharfen Worten: „Die Zeiten der Planwirtschaft in Deutschland sind doch eigentlich seit dem Ende der DDR vor 30 Jahren vorbei. Selbstreflexion ist hier angebrachter als der Versuch, eine Bereicherung der Einkaufslandschaft im Landkreis Cloppenburg verhindern zu wollen.“
Darauf angesprochen reagierte Sven Stratmann gegenüber der NWZ wie folgt: „Ob er als FDPler was zu diesem Thema sagt oder in Hamburg eine Bratwurst platzt, ist so ziemlich auf der gleichen Ebene einzuordnen. Die FDP steht und stand ja bislang immer für eine ausgeprägte Klientelpolitik.“
