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nordwest-zeitung

Evangelische Pfarrer Aus Friesoythe Ein Rettungsschiff nimmt Fahrt auf

Nathalie Meng

Friesoythe - Joachim Prunzel, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Friesoythe, ist überzeugt: „Als Christ gibt es keinen guten Grund, nicht zu helfen.“ Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) möchte ein eigenes Schiff zur Rettung von Menschen aus Seenot aufs Mittelmeer schicken. Dies verkündete EKD-Ratsvorsitzender Heinrich Bedford-Strohm im September. Pfarrer Prunzel und seine Frau Sabine Prunzel, evangelische Pfarrerin in Bösel, unterstützen diese Initiative, aus der zwischenzeitlich das Bündnis „United 4 Rescue – Gemeinsam Retten!“ hervorgegangen ist. Im Dezember startete dieses eine Spendenaktion für ein Rettungsschiff, das Geflüchtete aufnehmen soll (siehe Infobox).

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Sabine Prunzel pflichtet ihrem Mann bei: „Nein, es gibt keinen biblischen, keinen christlichen, keinen ethischen Grund, zu sagen: ,Lasst die Menschen doch ertrinken. Was interessiert mich Afrika?‘“ Dass die Synode der evangelischen Kirche im Oldenburger Land das Bündnis unterstützt und bereits 20 000 Euro für ein Rettungsschiff gespendet hat, begeistert sie: „Das war ein klares Votum und das ist total wichtig.“

Christliche Werte

Nächstenliebe, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit – christliche Werte sind für das Pfarrerspaar nicht verhandelbar, auch nicht in der oft hitzig geführten Debatte um die Rettung von Geflüchteten im Mittelmeer: „Diese Grundwerte sollten hochgehalten und unterstützt werden“, sagt Joachim Prunzel. Und man müsse sich immer wieder auf sie besinnen, sagt er und bringt das Gleichnis vom barmherzigen Samariter an: „Da geht es um Leben oder Tod des Nächsten. Da geht es ums Handeln, und nicht mehr darum, woher der Fremde in Not kommt.“

Wer da nicht helfe, bewege sich schnell im Bereich der unterlassenen Hilfeleistung, sagt er. „Das haben viele Kritiker der Seenotrettung vergessen.“ Etwa jene, von denen der EKD-Vorsitzende Bedford-Strohm wegen seines Engagements für die Seenotrettung im Mittelmeer Todesdrohungen erhalten hat, wie er im Januar bekannt gab.

Keine Dauerlösung

Natürlich sei die Seenotrettung allein keine Dauerlösung. Natürlich müsse man auch Schleppern, die von der Not der Flüchtlinge profitierten, das Handwerk legen. Natürlich müsse man Fluchtursachen bekämpfen. „Aber wir können nicht währenddessen Hunderttausende Menschen ertrinken lassen“, ist Sabine Prunzel überzeugt. Wer dies nicht verstehe, verstehe nicht die Gründe, aus denen Menschen sich auf die Flucht begeben. „Wer verlässt schon freiwillig seine Heimat?“, fragt sie. Viele hätten nicht viel mehr als ihr Leben und stünden vor der Frage: Verhungern oder Ertrinken?

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Wie kann man Menschen, die dies anzweifeln, beibringen, dass die Rettung von Menschen vor dem Ertrinken das Grundprinzip der Nächstenliebe ist? Joachim Prunzel hat darauf eine klare Antwort: „Man kann es nur vorleben. Indoktrination bringt nichts.“

Konkret Handeln

Die Kirche sei bei vielen Menschen dafür bekannt, viel zu reden und die Anderen handeln zu lassen, „nach dem Grundprinzip ,Wasser predigen, Wein trinken‘“, sagt Joachim Prunzel: „Wichtig sind aber nicht nur Absichtserklärungen, sondern konkretes Handeln.“ Oder, wie es Sabine Prunzel ausdrückt: „Es gilt, auch für die einzustehen, die keine Stimme haben.“

Die Synode der evangelischen Kirche im Oldenburger Land hat die hiesigen Gemeinden dazu ermuntert, dem Bündnis „United 4 Rescue“ beizutreten. Wird die evangelische Kirchengemeinde Friesoythe diesem Ruf durch konkretes Handeln folgen? „Wir werden es bei der Gemeindekirchenratssitzung nächste Woche einbringen“, sagt Joachim Prunzel.

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