Friesoythe - Noch ist der Parkplatz vor dem Friesoyther Leoni-Werk voll besetzt. Das könnte sich ab Februar ändern – zumindest für einen Tag in der Woche. Das SDAX-Unternehmen mit Sitz in Nürnberg plant, rund zwei Drittel der Friesoyther Belegschaft ab 1. Februar in Kurzarbeit zu schicken. Das bestätigte Konzern-Pressesprecher Sven Schmidt auf Nachfrage unserer Zeitung.
Auftragsrückgang
„Die Gespräche laufen aktuell noch“, sagt Schmidt. Grund für die Maßnahme ist laut Unternehmen ein kurzfristiger Rückgang an Aufträgen im ersten Quartal. „Falls es zur Kurzarbeit kommt, soll dieser Zustand bis Ende März abgeschlossen sein. Danach geht der Normalbetrieb weiter“, so Schmidt. Rund 400 der 600 Angestellten in Friesoythe können dann einen Werktag in der Woche zu Hause bleiben. „Wir reduzieren die Arbeit dann um 20 Prozent. So werden die Mitarbeiter einen Tag weniger arbeiten“, berichtet Schmidt im Gespräch mit der NWZ. Für diesen Verdienstausfall springt die Bundesagentur für Arbeit ein – der wegfallende Lohn wird von der Behörde anteilig übernommen.
Tiefrote Zahlen
Seit der Wirtschaftskrise 2009 gab es im Friesoyther Werk keine Kurzarbeit mehr. Der Auftragsrückgang an der Eschstraße passt zur aktuellen Entwicklung. Seit 2019 schreibt das Unternehmen tiefrote Zahlen – unter anderem wegen der anhaltenden Flaute in der Auto-Industrie. Allein im dritten Quartal des vergangenen Jahres schrieb der Kabel-Spezialist einen Verlust von 88 Millionen Euro in seine Bücher – vom ersten bis zum dritten Quartal 2019 stand insgesamt ein Minus von 264 Millionen zu Buche. Das hatte auch schon Konsequenzen: In einem Leoni-Werk in Stolberg bei Aachen will der Konzern 150 von 500 Stellen abbauen. Das dortige Werk gehört zur gleichen Unternehmenssparte wie Friesoythe – zu den Draht- und Kabellösungen (Wire & Cable Solutions/WCS).
Droht also auch in Friesoythe ein Stellenabbau? „Solche Maßnahmen sind kein Thema“, sagt Pressesprecher Schmidt. Ein großes Thema im Leoni-Konzern ist aber die Abspaltung des Friesoyther Werks vom Unternehmen. Die Führungsetage plant, sich komplett von der WCS-Sparte zu trennen, um sich dann ganz auf das andere Geschäftsfeld zu konzentrieren – den Bordnetzbereich (Wiring Systems Division/WSD). Zu diesem Bereich, der stark auf den Autosektor ausgerichtet ist, gehört unter anderem das Werk in Brake (Landkreis Wesermarsch).
Trennung noch 2020
Die Trennung der Sparte soll entweder durch einen Börsengang oder durch einen Verkauf realisiert werden. „Ein Verkauf ist zurzeit wahrscheinlicher. Die Gespräche laufen aber noch“, so Schmidt. Gleichzeitig sagt der Konzern-Sprecher, dass das Thema aber noch im Jahr 2020 umgesetzt werden soll.
Das Unternehmen Leoni wurde 2017 100 Jahre alt. Das Friesoyther Kabelwerk gehört seit 1999 zum Großkonzern – vorher war am selben Standort Siemens tätig. Auch wenn Leoni international als Autozulieferer bekannt ist, gibt es weitere Bereiche, wie die in Friesoythe. An der Eschstraße werden Kabel und Kabelsysteme für die Bereiche Medizintechnik, Telekommunikation, Automatisierung- und Antriebstechnik sowie Marine ausgeliefert. Dabei hat sich das Friesoyther Werk immer weiter vergrößert. Wo aktuell rund 600 Mitarbeiter beschäftig sind, waren es 2010 noch unter 500.
