Friesoythe - Für diesen einen besonderen Schritt gibt es viele Gründe. Kirchensteuer, mangelndes Interesse, verlorenes Vertrauen oder auch das Bekanntwerden von Missbrauchsskandalen – das sind nur ein paar Beispiele, warum Menschen aus ihrer Kirche austreten. Zwar sind die Mitgliedszahlen in unserer katholisch geprägten Region im Landesvergleich immer noch recht hoch, doch auch die Kirchengemeinden im Oldenburger Münsterland müssen jedes Jahr Federn lassen.

So auch in Friesoythe. Für die Pfarrei St. Marien war das Jahr 2019 was die Kirchenaustritte angeht ein negativer Höhepunkt. „In den vergangenen Jahren hatten sich die Austrittszahlen immer so zwischen 20 und 30 Personen eingependelt“, sagt Pfarrer Michael Borth. 2019 verließen aber ganze 39 Mitglieder die Friesoyther Gemeinde. „Die Gründe dafür sind mit Sicherheit sehr unterschiedlich. Ich glaube aber schon, dass unter anderem das Bekanntwerden weiterer Missbrauchsskandale, wie zum Beispiel in Neuscharrel, dabei bestimmt eine Rolle gespielt haben“, vermutet Borth.

Interessant wird es auch, wenn man sich die Altersgruppe der Kirchenaustritte anschaut. „Die meisten Austritte haben wir in der Altersgruppe der 20- bis 30-Jährigen zu verzeichnen“, sagt Borth. Für ihn ist das besonders fatal, da junge Menschen danach fast ihr ganzes Leben der Kirche fern bleiben. „Dadurch dass dann auch die Kinder dieser jungen Menschen gar nicht erst getauft werden, fehlen diese natürlich auch“, so Borth. Doch auch Menschen zwischen 50 und 60 Jahren haben 2019 der Kirche in Friesoythe den Rücken gekehrt.

Ein weiterer Rückschlag für die St.-Marien-Pfarrei war im November die Absage des Offizialats an die geplanten Umgestaltungsmaßnahmen an der Dreifaltigkeitskirche in Altenoythe. Für das Leuchtturmprojekt fehlt dem Bistum das Geld. „Viele pastorale Ansätze für die Gestaltung einer zukunftsfähigen Kirche, die auch für moderne Gottesdienstgestaltungen und Begegnungen aller Art geeignet gewesen wäre, werden auf der Strecke bleiben“, sagte Borth in seiner Predigt zum Jahreswechsel. Jetzt soll geprüft werden, welche Ideen aus dem Gesamtprojekt des Architekten noch irgendwie „gerettet“ werden können – im Rahmen einer ganz normalen Kirchenrenovierung.

Ein großer Höhepunkt des Kirchenjahres 2019 war der August. Zusammen mit Weihbischof Wilfried Theising konnte am 18. August anlässlich des 400. Geburtstages der St.-Marien-Pfarrei ein besonderer Festgottesdienst gefeiert werden. In diesem Rahmen wurde in der Friesoyther Pfarrkirche ein besonderes neuen Schmuckstück eingeweiht: ein neuer Aufbewahrungsschrein für die heiligen Öle wurde an einem Nebenaltar aufgebaut.

Bereits im Januar wurde dem Friesoyther Kirchenmusiker Heinrich Deboi das päpstliche Ehrenkreuz „Pro Eccelsia et Pontifice“ verliehen. Papst Franziskus ehrte damit das außergewöhnliche musikalische Engagement des Friesoythers.

Ebenfalls Anfang des Jahres konnte eine extra gegründete Fachgruppe ein Schutzkonzept erarbeiten, um das Wohl von Kindern und Jugendlichen in der Kirchengemeinde vor dem Hintergrund der Missbrauchsskandale zu schützen.

Für Borth hatte das Jahr noch zahlreiche weitere Höhepunkte, die sich aber nicht so einfach zählen lassen wie Kirchenaustritte: „Die Zahl der Krankensalbungen und Beichten hat niemand gezählt, die Vielzahl der Gottesdienste auch nicht, geschweige denn die Fülle der Gebete, die an Gott gerichtet wurden.“

Heiner Elsen
Heiner Elsen Redaktion Münsterland