Friesoythe - Erneut gibt es Hinweise auf einen Wolfsangriff im Friesoyther Stadtgebiet: An der Ellerbrocker Straße in Barkentange sind in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zwei Schafe getötet worden. Drei weitere hätten sich mit einem Sprung in ein angrenzendes Gehege in Sicherheit bringen können, berichtet Besitzer Jürgen Skaczylas. Der ehrenamtliche Wolfsberater Hermann Wreesmann hat den Vorfall aufgenommen und Spuren für einen Gentest gesammelt. Es deute alles auf einen Angriff eines Wolfes hin, so Wreesmann.
Bock in Heetberg getötet
Es ist nicht der erste Vorfall in dieser Woche, bei dem Schafe vermutlich von einem Wolf angegriffen wurden. Bereits in der Nacht von Montag auf Dienstag waren ein paar Kilometer weiter nördlich in Heetberg ein Schafbock getötet und zwei Mutterschafe schwer verletzt worden. Auch hier deuten die Indizien auf einen Wolf als Angreifer hin. Dieser hat sich wie einen Tag später wohl unter einem Zaun durchgegraben. Entnommene Proben sollen letzte Gewissheit bringen.
In und um das Friesoyther Stadtgebiet hat es in diesem Jahr schon einige bestätigte sowie mögliche Wolfsrisse gegeben. Dabei waren nicht nur Schafe, sondern auch Damwild und Ziegen Opfer der Angriffe. Ob es sich um einen oder mehrere Wölfe handelt, ist nicht bekannt.
Für Besitzer Gerd Holtmann aus Heetberg ist das wenig Trost. Ob es nun ein Wolf war oder nicht, bringe ihm nicht viel, sagt der 84-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung. Neben dem Verlust des Tieres rechnet er damit, auf den Kosten sitzen zu bleiben und keine Entschädigung zu erhalten.
Den Zuchtbock – der bei dem Angriff getötet wurde – hatte sich Holtmann vor wenigen Tagen geliehen. Für den Verlust muss er den Besitzer nun entschädigen. „Der Bock kostet ungefähr 500 Euro“, sagt er. Sollten die beiden schwer verletzten Mutterschafe – bei einem wurde die Luftröhre durchgebissen – nicht überleben, kämen noch mal 400 Euro, die die beiden Tiere wert sind, zu den schon jetzt angelaufenen Tierarztkosten hinzu. Doch es sieht gut aus, dass die Schafe durchkommen. Sie bekämen jeden Tag eine Spritze, damit sich keine Entzündungen bilden, und würden fressen. „Das ist ein gutes Zeichen“, sagt Holtmann. Er gibt beiden als besondere Leckerbissen Äpfel und Runkelrüben (Futterrüben) zum Stroh dazu.
Holtmann, der bis Anfang der 1990er Jahre den Hof in Heetberg bewirtschaftete, hält seine vier Schafe als Hobby. Sie können auf kleinen Flächen am Hof grasen. Es war der erste Angriff eines Wolfes auf seine Tiere. „Ich bin am überlegen, ob ich die Schafe abgebe“, sagt der 84-Jährige. Er rechnet damit, dass der Wolf wiederkommt. Die Schafe mit einem zwei Meter hohen Zaun zu umgeben, wäre zu aufwendig. „Mehr als ein halbes Hektar müssten eingezäunt werden. Und wenn der Wolf Hunger hat, geht er auch über einen zwei Meter hohen Zaun.“ Einzige Sicherheitsmaßnahme, die er nach dem Vorfall getroffen hat, ist, die Schafe nachts im Stall einzuschließen. Dieser war sonst offen gewesen, da die Tiere meistens gerne draußen lagen. In mehr als 20 Jahren sei dabei auch nichts passiert.
Dass seine Schafe von einem Wolf angegriffen wurden, davon ist Holtmann überzeugt: Es gebe besondere Merkmale. So gehe der Wolf zunächst an die Kehle, um das Tier zu töten. Das sei bei allen der Fall gewesen. „Der Wolf muss bejagt werden. Sonst wird er zu einem Problem“, sagt der 84-Jährige.
Vermutlich einzelner Wolf
Wolfsberater Wreesmann geht derweil nicht davon aus, dass die beiden Vorfälle von einem Rudel begangen wurden. Die Spuren deuteten auf ein einzelnes Tier hin. Es sei nun die Phase, in der sich Jungtiere vom Rudel trennen, erklärt der Altenoyther Jäger. Vielleicht streife ein einzelner Wolf durch die Gegend.
Jedoch gebe es ein nachgewiesenes Wolfspaar in der Gegend um Werlte im Emsland. Auch von dort könnte sich ein Tier auf den Weg gemacht haben, so Wreesmann. In einer Nacht könne ein Wolf rund 50 Kilometer zurücklegen. Ein Wolfsterritorium könne 20 000 bis 30 000 Hektar groß sein. Zum Vergleich: Das gesamte Friesoyther Stadtgebiet mit allen Ortsteilen ist rund 25 000 Hektar groß.
