Friesoythe - Friesoythe wurde im April 1945, ein paar Wochen vor Ende des Zweiten Weltkriegs, völlig zerstört. Bei einem nächtlichen Überraschungsangriff vom 13. auf den 14. April 1945 durch kanadische Soldaten wurde ein Großteil der Stadt vernichtet. Nach der Eroberung rissen die Kanadier die Stadt komplett nieder. Was noch stand, wurde angezündet oder gesprengt. Fast 80 Prozent der Stadt wurden dem Erdboden gleich gemacht. Hintergrund der völligen Vernichtung soll ein Gerücht gewesen sein, dass der kanadische Kommandant Lt.-Colonel Frederick E. Wigle durch einen zivilen Heckenschützen getötet worden sei. Kommandeur Christopher Vokes soll dann als Vergeltungsmaßnahme die Zerstörung der Stadt befohlen haben. Es gibt aber auch die Annahme, dass die Kanadier fast alle Gebäude niederrissen, um mit dem Schutt den Weg nach Edewechterdamm zu befestigen.

Wie wüst es in Friesoythe ausgesehen hat, zeigen auf beeindruckende Weise Fotos der kanadischen Nationalbibliothek. Torben Koopmann und Peter Stelter vom Albertus-Magnus-Gymnasium Friesoythe haben die exklusiven Bilder besorgt. Eine Ausstellung mit allen Fotos wird im Rahmen des Münsterlandtages am 9. November in der Sporthalle am Hansaplatz in Friesoythe zu sehen sein. Vorab zeigt die Nordwest-Zeitung eine Auswahl der zum Teil noch nie veröffentlichten Motive.

Eines der Bilder zeigt das völlig zerstörte Haus der Familie Hasskamp in der Moorstraße. Rechts daneben stand das Haus der Familie Kuhlmann, die eine Kfz-Werkstatt und eine Tankstelle betrieb. Daher ist auf dem Foto aus eine Esso-Säule zu sehen. Hasskamp bauten das Geschäftshaus nach dem Krieg wieder auf. Heute befindet sich dort „Männersache Hanneken“.

Haus der Familie Hasskamp in der Moorstraße:

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Ein Dokument des Ausmaßes der Zerstörung ist auch ein Motiv, das im April 1945 in Höhe Burgstraße/Bahnhofstraße mit Blickrichtung Ortsmitte entstanden ist. Die Kirchenruine ist der einzige Anhaltspunkt auf dem Bild. Der Rest der Innenstadt ist platt.

Blick auf die Ortsmitte mit der Kirche St. Marien:

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In der Lange Straße blieb ebenfalls kein Stein auf dem anderem: Das Foto zeigt einen Teil der Straße bis zur heutigen Bgm.-Krose-Straße – und das kurz vor der kompletten Zerstörung. Zu sehen ist der Frisörladen der Familie Möller. Einige Jahre nach dem Krieg hat an dieser Stelle Familie Tabeling ein Wohn- und Geschäftshaus gebaut.

Lange Straße bis zur heutigen Bgm.-Krose-Straße:

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Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)