Ganderkesee/Delmenhorst - Im Fall der Hündin „Betty“, die Anfang September schwer verletzt an der B 212 bei Bookholzberg ausgesetzt wurde, gibt es nach Angaben der Staatsanwaltschaft Oldenburg jetzt einen Tatverdächtigen: Nach einer Wohnungsdurchsuchung in der vergangenen Woche in Ganderkesee werde zurzeit noch geklärt, ob es sich bei dem Wohnungsinhaber um den letzten Halter des Tieres handelt, hieß es.

Die Durchsuchung fand am 25. September auf Anordnung des Amtsgerichts Oldenburg statt. Derzeit würden noch die Mobilfunkdaten des Beschuldigten ausgewertet, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Weitere Durchsuchungen habe es bisher nicht gegeben. Aber verschiedene Hinweise gab es: „Bei uns sind mehrere Anrufe eingegangen“, sagte eine Sprecherin der Polizeiinspektion in Delmenhorst. Auch im Briefkasten der NWZ-Redaktion Ganderkesee fand sich ein anonymer Hinweis auf den möglichen Halter.

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Das Schicksal der American-Bulldog-Hündin hat viele Menschen in der Region bewegt. Vor vier Wochen hatten Passanten das Tier neben der Bundesstraße 212 in der Nähe von Bookholzberg gefunden. Die etwa zehn Jahre alte Hündin wirkte verwahrlost und hatte zahlreiche Bisswunden an Kopf und Körper. In der Kleintierpraxis Delmenhorst wurde „Betty“ behandelt und langsam wieder aufgepäppelt. Mittlerweile befindet sie sich im Tierheim Bergedorf.

Die Art der Verletzungen und weitere Untersuchungen erhärteten den Verdacht, dass die Hündin in der illegalen Hundekampf-Szene eingesetzt wurde, zuletzt offenbar als „Beißopfer“ zum Scharfmachen kämpfender Hunde. Zuvor diente „Betty“ wohl als „Gebärmaschine“ für die Zucht von Kampfhunden: Mehr als 80 Welpen könnte sie zur Welt gebracht haben.

In den Sozialen Netzwerken entbrannte eine Diskussion um die Frage, ob es in der Region regelmäßig illegale Hundekämpfe gibt. Weder Polizei noch Justiz können das jedoch bestätigen. „Belastbare Hinweise auf eine illegale Kampfhund-Szene liegen hier derzeit nicht vor“, hieß es von der Staatsanwaltschaft Oldenburg.

MISSHANDELTE HÜNDIN IN DELMENHORST Betty braucht menschliche Nähe und Sicherheit

Chelsy Haß
Bookholzberg

„Wenn es eine solche Szene gibt, dann findet sie im Verborgenen statt“, sagt Mark Ungnade, Betreiber des Tierheims in Bergedorf. Ihm sind jedenfalls Hunde mit derartigen Verletzungen wie bei „Betty“ bisher nicht untergekommen. Für die leidlich genesene American-Bulldog-Hündin sucht er nun in enger Abstimmung mit der Kleintierpraxis Delmenhorst ein neues Zuhause. „Wir sichten die Bewerbungen“, so Ungnade. Erfahrung mit Hunden ist eine Voraussetzung, aber einen weiteren Hund sollten die künftigen Besitzer möglichst zurzeit nicht haben – zu ungewiss ist, wie „Betty“ dauerhaft auf Artgenossen reagiert.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)