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Einzelhandel In Ganderkesee Geschockt Volle Regale und keine Kunden

Ganderkesee - Morgens, halb zehn in Ganderkesee, Rathausstraße: Normalerweise stehen Renate Drieling, Petra Eggers und Susanne Piero um diese Zeit in ihren Geschäften und bedienen die ersten Kunden. An diesem Dienstagmorgen stehen die drei Kauffrauen mitten auf der menschenleeren Einkaufsstraße – und hadern mit den Umständen. Sie dürfen ihre Kunden nicht mehr bedienen, die Geschäfte müssen zu bleiben.

Am Coronavirus sterben Menschen – aber es tötet auch Geschäftsgrundlagen, bringt Kaufleute um ihre Existenz. „Das ist Willkür“, schimpft Renate Drieling, Inhaberin der Jeans-Scheune, über die landesweit  angeordnete Schließung der Läden. „In die Baumärkte dürfen die Leute noch und drängeln sich dort, aber wir müssen schließen.“ Dabei seien bei ihr im Laden immer nur ein paar Kunden zeitgleich – wenn überhaupt. „Da könnte man ja ganz leicht Abstand halten“, meint Drieling.

Die Ware ist gekauft

Wie lange sie die Schließung durchhalten könnte? „Das weiß ich nicht“, sagt Renate Drieling, „ich habe sowas ja noch nie gemacht.“ Die Frühlings- und Sommerware ist gekauft, die Lager sind voll, das Wetter wird besser und Ostern steht vor der Tür: Alles wäre perfekt für ein einträgliches Frühjahrsgeschäft. Stattdessen werden die Kaufleute über Wochen, vielleicht Monate, keine Einnahmen erzielen. „Und was mach’ ich mit dem Personal?“, fragt Renate Drieling.

Wilm Denker, Inhaber des gleichnamigen Schuhgeschäftes in der Rathausstraße, schickt seine Beschäftigten erstmal in Urlaub. Das bringt ihm zwar die Urlaubs- und Personalplanung für den Sommer komplett durcheinander, aber eine bessere Idee hat er im Moment auch nicht. „Zum Glück habe ich Mitarbeiter, die das einsehen“, sagt Denker. Er plant jetzt einen Lieferservice und will den Kunden die Schuhe an die Haustür bringen.

Dass nämlich für die Online- und Lieferdienste der gravierende Eingriff in den Geschäftsbetrieb nicht gilt, bringt die örtlichen Kaufleute erst recht in Rage. „Die machen jetzt das Geschäft ihres Lebens und wir gehen drauf“, schimpft Petra Eggers, die ebenfalls ein Modegeschäft im Ortskern betreibt. „Wir kleinen Selbstständigen fallen voll durchs Raster.“

Gibt es Entschädigung?

Ob und wie sie für den Verdienstausfall entschädigt werden, ist für die drei Geschäftsfrauen auf der Rathausstraße auch so eine Frage, auf die sie gern jetzt schon eine konkrete Antwort hätten. „Da ist die Regierung aber mal so richtig gefordert“, findet Renate Drieling. Aber sie klingt nicht so, als würde sie darauf vertrauen.

Hergen Schelling
Hergen Schelling Redaktion für den Landkreis Oldenburg (Leitung)
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