Ganderkesee - Macht die Ausweisung von neuem Bauland überhaupt noch Sinn? Droht in der Gemeinde Ganderkesee ein Wohnungsüberschuss? Nach der Auswertung zweier Studien ruft die Bürgerinitiative Heide-Schönemoor Rat und Verwaltung dazu auf, bei der Wohnbaulandentwicklung auf die Bremse zu treten. Der Appell ist nicht uneigennützig: Die Aktivisten kämpfen gegen das geplante Baugebiet 252 „Heide – südlich Heuweg“.
Droht ein Überangebot?
„Es ist davon auszugehen, dass wir wahrscheinlich jetzt schon den Bedarf bis 2025, vor allem im Ein- und Zweifamilienhaussegment gedeckt haben“, warnt Initiativensprecherin Sarah Kleesiek. Nach der Auswertung der NBank-Studie „Zukunftsfähige Wohnungsmärkte – Perspektiven für Niedersachsen bis 2040“ und der Veröffentlichung „Wohnbauland nachhaltig entwickeln!“ der Niedersächsischen Initiative für Klimaschutz in der Siedlungsentwicklung (NIKiS) drohe langfristig nämlich ein Überangebot, so Kleesiek.
Im Bereich des Geschossbaus steige der Bedarf in Ganderkesee zwar bis 2025 noch an, ein Wohnungsüberhang zeichne sich aber schon ab 2033 ab und werde bis 2040 anhalten. Auch bei den Ein- und Zweifamilienhäusern gebe es bis 2025 zwar einen Neubaubedarf – doch schon ab 2033 drohe hier die Umkehr.
Altersvorsorge in Gefahr?
Die Gefahr: Immobilien würden wegen der dann geringeren Nachfrage an Wert verlieren. Das gefährde die Altersvorsorge der Eigentümer, so der Ausblick Kleesieks. Das Dilemma dabei: Heute nicht den Leerstand von morgen zu erzeugen – und dennoch die derzeitige Wohnungsnachfrage und in der Folge hohe Immobilien- und Mietpreise abzufedern. Kommunen sollten mit der Schaffung von Baurechten den Bau von preisgünstigem, gebundenem Wohnraum verbinden. Auch sei jede Bauplanung auf ihre Nachhaltigkeit hin zu prüfen.
Kleesieks Fazit: Das in der Planung befindliche Neubaugebiet 252 sei mit Blick auf Nachhaltigkeit, Klimaschutz, wegen der Lage und in Hinblick auf eine bedarfsgerechte Bebauung völlig ungeeignet. Davon will die Initiative jetzt auch alle Ratsmitglieder und die Verwaltung überzeugen. „Wie begründen Sie Ihre Entscheidung zur aktuellen Kenntnislage?“, heißt es in einem Rundschreiben an die Politik und das Rathaus.
