Ganderkesee - Die Chance, dass der Blick aus dem eigenen Fenster heraus über Regenpfützen schweift, war in den letzten Wochen hoch: Durchschnittlich 113,2 Liter Regen fielen allein im Februar in Ganderkesee, satte 276 Prozent des klimatischen Mittelwerts. Reicht das aber aus, um die Wasservorräte im Boden nach zwei Extremsommern wieder aufzufüllen? Die NWZ hat Förster und Landwirte zur aktuellen Situation in der Gemeinde befragt.
„Das könnte gerne noch so weiterregnen, aber sachte“, sagte Bezirksförster Hubert Brüning, der für die Forstbetriebsgemeinschaft Oldenburg-Delmenhorst auch Ganderkeseer Waldbesitzer betreut. Insgesamt liege der Niederschlag der vergangenen Monate noch im normalen Mittel, die Grundwasserreserven seien deshalb noch nicht auf ein normales Niveau aufgefüllt. „Bis Juni hätten wir genug Wasser, wenn es jetzt schlagartig trocken wäre“, schätzt Brüning. Die Forstbetriebe seien aber dankbar für die Niederschläge, die auch dabei helfen, den Borkenkäfer einzudämmen. „Das sprichwörtliche ,Schietwetter’ ist jetzt genau das Richtige“, sagte der Förster.
Das findet auch Cord Wübbenhorst, Vorsitzender des Ganderkeseer Landvolkverbandes, aber aus einem anderen Grund: „Das Gute ist, dass die Mäuse jetzt eingehen“, sagte er. Der Nagetierplage, die Landwirten in einigen Regionen zuletzt arg zugesetzt habe, werde dadurch Einhalt geboten. Für Ackerbauern gebe es grundsätzlich auch noch Bedarf an Niederschlägen. „Wir sehen ja, wie schnell der Boden abtrocknet, wenn es ein paar Tage sonnig ist“, so Wübbenhorst, „da haben wir noch Nachholbedarf.“
Ingo Claußen, Landwirt aus Holzkamp, sieht das ähnlich. „Wenn ich im Boden buddele, ist die Feuchtigkeit noch nicht so hoch, wie sie sein müsste“, sagte er. Die oberen Schichten seien gesättigt, in größerer Tiefe fehle es aber an Wasser. Das bringt eigene Schwierigkeiten mit sich: „Bei der Befahrbarkeit der Felder haben wir schon ein Problem.“ Die schweren Landmaschinen rutschten weg oder verdichteten den Boden bis auf einen Meter Tiefe so stark, dass dort kein Regen versickern kann.
Dadurch könne wiederum das zeitgerechte Düngen von Flächen verhindert werden. „Das dürfen wir ja nur machen, wenn der Boden aufnahmefähig ist“, sagte der Landwirt. Mit Blick auf notwendige Ackerarbeiten und den anstehenden Beginn der Aussaat wünscht er sich daher ein paar Wochen mit weniger Regen. „Ideal wären 14 Tage. Wir warten, dass wir mit der Arbeit beginnen können“, so Claußen.
Dass die bisherige Niederschlagsmenge für Landwirte ausreicht, glaubt auch Jan Juister aus Hude, der Ganderkeseer Landwirte als pflanzenbaulicher Berater viele Jahre lang betreut hat. „Das Defizit der letzten zwei Jahre haben wir größtenteils ausgeglichen“, so Juister. Es sei ein deutliches Zeichen, dass derzeit wenige Millimeter Regen pro Quadratmeter ausreichen, damit der Erdboden nass bleibt. Dass Landwirte noch warten müssen, um ihre Felder gut befahren zu können, sei indes nicht schlimm. „Da muss sich niemand Sorgen machen, das ist alles im normalen Rahmen“, sagte Juister.
So bewertet auch Revierförster Jens Meier die Situation im Hasbruch. „Es ist derzeit ziemlich gut“, sagte er zur Bodenfeuchtigkeit. Die Gräben führten wieder sichtbar Wasser, was ein positives Zeichen ist – vor allem für die rund 30 000 Eichensetzlinge, die 2019 gepflanzt wurden. „Ich gehe davon aus, dass die Vorräte für den Hasbruch ausreichend sind.“ Offen bleibe indes, wie sich die Buchen entwickeln. „Trockenheit verzeiht die Buche nur langfristig“, so der Revierförster. Schäden aus vergangenen Trockenperioden könnten sich deshalb noch in diesem Jahr zeigen.
