Ganderkesee - Der Kampf gegen die Ausbreitung von Covid-19 sorgt täglich für neue Einschränkungen. Infizierte tauchen aber nicht nur in Risikogebieten auf, wie die Bookholzbergerin Edith Wiessner-Neis jetzt ganz unmittelbar in der Hafenstadt Famagusta auf der Insel Zypern erlebt: Seit Dienstag steht sie in ihrem Hotel unter Quarantäne.
Auf Weisung des Niedersächsischen Sozialministeriums hat der Landkreis Oldenburg am Mittwoch angeordnet, dass Reiserückkehrer aus Gebieten, die von der Ausbreitung des Coronavirus besonders betroffen sind, nach ihrer Ankunft zwei Wochen lang keine Schulen, Krankenhäuser und Altenheime besuchen dürfen.
Die Risikogebiete, die vom Robert-Koch-Institut bewertet werden, sind derzeit (Stand 11. März): die Länder Italien und Iran, die Region Grand Est in Frankreich (inkl. Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne), die chinesische Provinz Hubei (inkl. der Stadt Wuhan) sowie die südkoreanische Provinz Gyeongsangbuk-do.
Rückkehrer aus den Risikogebieten, die typische Krankheitssymptome bemerken, sollen sich zunächst telefonisch an ihren Hausarzt oder die ärztliche Hotline
Vorbildlich verhielt sich laut Landrat Carsten Harings ein Ehepaar aus Harpstedt (beide 60 Jahre alt), das jetzt als 2. und 3. bestätigter Corona-Fall im Landkreis erfasst wurde: Bei der Rückkehr vom Skiurlaub bemerkte das Paar Symptome und vermied von sich aus jeglichen Kontakt mit anderen Personen. Nach Kontakt mit der Hotline begaben sie sich selbstständig in häusliche Isolation. „Das ist wirklich sehr diszipliniert und gut gelaufen. Quasi der perfekte Ablauf und ein Beispiel der Eigenverantwortung“, sagte Harings.
Hotel auf Zypern wurde abgeriegelt
Wie der zyprische Staatsrundfunk berichtete, wurde dort bei einer 65-jährigen Reisenden aus Baden-Württemberg eine Infektion mit Covid-19 diagnostiziert. „Gestern Abend wurde die deutsche Touristin aus dem Hotel abgeholt, wir wurden allerdings erst heute Morgen informiert und das Hotel von der Außenwelt abgeriegelt“, sagte Wiessner-Neis, die selbst gesund ist, der NWZ am Dienstagabend. Es ist der bislang dritte gemeldete Fall von Covid-19 auf Zypern. Für die Bookholzbergerin bedeutet das erhebliche Einschränkungen.
Notversorgung im eigenen Zimmer
„Wir wurden informiert, dass wir für die nächsten 14 Tage unter Quarantäne stehen, durften uns aber auf dem Hotelgelände frei bewegen“, sagte sie. Der Speisesaal wurde aber später geschlossen, seitdem müssen die Gäste in ihren Zimmern warten und werden dort versorgt. Wiessner-Neis: „Die Situation ist unübersichtlich und die Informationen wechseln ständig.“ Lebensmittel würden aber desinfiziert und notwendige Medikamente besorgt: „Statt 5-Sterne-Verpflegung gibt es eine Notversorgung“, so die Bookholzbergerin.
Die Insel Zypern reiht sich damit in die wachsende Liste von Urlaubszielen ein, die vom Coronavirus betroffen sind. In Ganderkeseer Reisebüros macht sich das mittlerweile auch bemerkbar.
Ganderkeseer Kunden verreisen weiter
„Die Reiselust ist fast ungebremst“, stellte Christine Lewandowski vom Reisebüro Bookholzberg fest. Es gebe allerdings einen spürbar höheren Bedarf an Beratung und auch vereinzelt Stornierungen. „Für den Frühling sind einige Reisende jetzt nervös geworden“, sagte sie, „aber es werden auch noch viele neue Reisen gebucht.“ Sie rät angehenden Urlaubern, sich bei Bedenken früh an die Reisebüros zu wenden, weil Aufenthalte nicht immer zeitnah umgebucht werden können. Eine Reisekostenerstattung hänge bislang allein von den Konditionen der Veranstalter ab.
Persönlicher Kontakt bleibt wichtig
Gestiegen ist der Arbeitsaufwand auch für Silke Holscher, Mitinhaberin des Reisebüros Am Markt in Ganderkesee. „Wir haben einen Servicegedanken. Es ist jetzt ganz wichtig, direkt mit den Kunden zu sprechen.“ Die Situation sei derzeit zwar herausfordernd, aber zu bewältigen. Das Ostergeschäft sei leicht beeinträchtigt, grundsätzlich gebe es aber viel zu tun. „Wir haben immer noch viele Nachfragen, nur die Reiseziele verschieben sich jetzt teilweise“, sagte Holscher.
Direkter Kundenkontakt ist auch für Bettina Ott, die ein mobiles Reisebüro in Ganderkesee betreibt, wichtiger als sonst geworden. „Es kommen fast stündlich Neuigkeiten“, sagte sie, „das muss man im Auge behalten.“ Die Branche sei aber gut aufgestellt, so ihre Beobachtung, und Buchungen für den Herbst seien kaum weniger geworden.
