Ganderkesee - Viele Opfer verlangt die Corona-Krise in Sachen Freizeitaktivitäten: Sportplätze, Bäder und Fitnessstudios geschlossen, kein Fußball mehr. Fast alles ist inzwischen verboten – wenigstens das Motorradfahren ist noch erlaubt. Was zum Saisonstart zu beachten ist, erläutert der Ganderkeseer Gerhard Herrmann. Er ist Sicherheitstrainer der Landesverkehrswacht Niedersachsen.
Der 67-Jährige warnt davor, jetzt allzu leichtsinnig durchzustarten: „Alljährlich zum Saisonbeginn steigt das Unfallrisiko an, weil sich Motorrad- und Autofahrer nach der Winterpause erst wieder aneinander gewöhnen müssen“. Autofahrer müssten dabei lernen, das Tempo herannahender Zweiradfahrer wieder richtig einzuschätzen.
Was ist zum Saisonstart wichtig?
Sowohl für ungeübte wie auch erfahrene Biker sei es ratsam, nach Monaten der Pause zunächst die theoretischen Kenntnisse und praktischen Fähigkeiten aufzufrischen. Weil jedoch wegen der Corona-Pandemie auch die sonst zu dieser Zeit angebotenen Sicherheitskurse der Verkehrswacht abgesagt sind, sollten verantwortungsvolle Biker vor der ersten Ausfahrt auf geeigneten Plätzen Langsamfahr- und Bremsübungen machen. „Um ein Gefühl für die Stabilisierung bei Kurvenfahrten zu bekommen.“ Zudem sollte auch die Blickführung geübt werden. Und bei Bikes mit Antiblockiersystem sei das Trainieren von Ausweichmanövern mit Bremsen wichtig.
Auch auf die Pneus kommt es an. Herrmann: „Reifen altern, ihr Gummi härtet aus, alle fünf bis sechs Jahre müssen sie darum gewechselt werden, auch wenn das Profil noch ausreichend ist.“ Gesetzlich genügten zwar 1,6 Millimeter Profiltiefe, empfehlenswert wären aber mindestens noch drei Millimeter, rät er.
Was macht eine gute Schutzausrüstung aus?
„Auch Helme kommen in die Jahre“, sagt Herrmann. Aus Gründen der Materialalterung verlören sie irgendwann ihre Schutzwirkung. Um die volle Wirkung des Kopfschutzes auszunutzen, sollte er nach Empfehlungen des Instituts für Zweiradsicherheit alle fünf bis sieben Jahre erneuert werden. „Zur persönlichen Schutzausrüstung gehört natürlich auch geeignete Kleidung mit wenigstens knöchelhohen Schuhen.“
Soll und darf man jetzt der Versuchung nachgeben?
Sollte man in Zeiten der Corona-Pandemie überhaupt Motorrad zum Spaß fahren? „Ja“, sagt Hermann. „Das ist doch eine Individualtätigkeit.“ Allein unterwegs zu sein, berge kein Ansteckungspotenzial. Auch sei das ein gutes Mittel, um mal den Kopf frei zu bekommen, wo doch sonst fast alle Freizeitmöglichkeiten wegfielen.
