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nordwest-zeitung

SCHNEEKATASTROPHE 1978/79 Warten auf die Gemeinde? Nachbarn packen selbst an!

ULRIKE GERARDS

Ganderkesee - Zum Ende des Jahres 1978 schickte die Schneekatastrophe von Februar 1979 bereits frostige Vorboten. Der Landwirt Dietrich Moorschladt führt ein Wettertagebuch und kann auch die Entstehung und den Verlauf der großen Schneekatastrophe vor 30 Jahren genau belegen.

Zum Jahreswechsel war es nur ein leichter frostiger Niederschlag. Für den 15. Februar notierte der Landwirt bereits Schneeverwehungen bis zu zwei Metern Höhe, dazu Temperaturen bis zu elf Grad minus. „Es gab ein Fahrverbot“, erinnert sich Moorschladt. Nahezu den ganzen Tag habe man mit Schneeräumen verbracht. „Wenn man einen Weg fertig hatte, konnte man vorne wieder anfangen“, so Moorschladt.

Oberlandleitungen reißen durch

Dann kam der Milchwagen nicht durch, der dringend benötigte Elektriker musste abgeholt werden, damit er auf den Hof Moorschladt kommen konnte, und auch der Strom war hin und wieder weg. Das Gewicht des Schnees auf den Oberlandleitungen ließ die Leitungen durchreißen und sogar Masten umknicken. Oft sprangen die Trecker nicht an, weil der Diesel nicht zündete oder die Batterien unterkühlt waren, und das Futter für die Tiere musste per Schubkarre herangeschafft werden – für die Landwirte bahnte sich eine wirkliche Katastrophe an.

„Aber das Dorf steht in so einer Zeit zusammen“, erinnert sich der Landwirt. Ob ein Fahrer, der auf der Straße eingeschneit war, oder der Nachbar, dessen Wasserleitung geplatzt war – alle konnten sich auf die Hilfe der anderen verlassen.

Das spürten auch die Bergedorfer, weiß Reinhard Siemers: „Als unsere Durchgangsstraße mit bis zu anderthalb Metern Schnee zugeweht war, haben wir überlegt, ob wir warten, bis die Gemeinde kommt“, erinnert sich der Bezirksvorsteher. Die Nachbarn entschieden sich zu handeln, schaufelten den ganzen Tag mit vereinten Kräften. Warme Getränke und Essen wurden zusammengetragen. „Es war ein großes Familienfest und wir hatten eigentlich viel Spaß. Und am Abend konnten die Milchtankwagen wieder fahren“, so Siemers.

Nachbarn lagern Milch im Schnee

Die Not machte die Bergedorfer erfinderisch: Als man nicht mehr wusste, wohin mit der Milch, wurde einfach ein Loch in den Schnee gegraben, in das eine Plane gelegt wurde. Um die Straße frei zu halten, wurde schnell ein Schneepflug zusammengeschweißt, der alle zwei Stunden fuhr. „Es mussten immer zehn Leute drauf sitzen, um den Schneepflug zu beschweren“, erzählt Siemers.

Einer, der damals vielen aus der Klemme geholfen hat, war Horst Osterloh. Der Landwirt und Lohnunternehmer aus Steinkimmen war mit seinem Fuhrpark in der ganzen Gemeinde im Räumeinsatz. „Einmal wurde ich nachts um 2 Uhr gerufen, um das Krankenhaus in Stenum freizuräumen.“

Auch Horst Osterloh zeichnet die Wetterdaten auf und wertet sie aus: „Eigentlich sagt man, dass sich so eine Katastrophe alle 25 bis 30 Jahre wiederholt“, so der Landwirt. Für dieses „Jubiläumsjahr“ sieht er allerdings noch keine Anzeichen, die auf ein Unwetter hindeuten.

Mehr Artikel zum Jahrhundertwinter im Nordwesten 1978/79 finden Sie unter www.NWZonline.de/schneekatastrophe.

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